Die Nutzung von Sporthallen sehe die Stadt als „allerletzte Option", da die Situation des Schulsports ohnehin schon angespannt sei.
EuskirchenStadt braucht mehr Platz für Geflüchtete

Die Stadt Euskirchen hat ein vorläufiges Ziel von Unterkünften für 350 Menschen ausgegeben.
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Die Stadt Euskirchen plant, bis zu 350 weitere Unterbringungsplätze für geflüchtete Menschen zu schaffen. Diese Zahl, die die Verwaltung jetzt dem Ausschuss für Generationen und Soziales vorlegte, beruht auf einer Bedarfsschätzung. Wie viele Menschen der Stadt noch zugewiesen würden, sei nicht seriös kalkulierbar, erklärte Fachbereichsleiterin Christiane Mermi unter Hinweis auf die „sehr dynamische“ Entwicklung. Ihre Sitzungsvorlage enthielt Daten vom 25. November. Die Zahl der Geflüchteten, die zu diesem Stichtag in Euskirchen lebten, belief sich auf 747. Darunter waren 616 ukrainische Kriegsvertriebene.
Wegen des anstehenden Winters und der anhaltenden russischen Angriffe sei es nicht auszuschließen, „dass in den nächsten Wochen und Monaten weitere Menschen aus der Ukraine in Deutschland Schutz suchen“, schrieb Mermi. Darüber hinaus sei mit Flüchtlingen aus anderen Herkunftsländern zu rechnen. Vor diesem Hintergrund könnten die maximal 110 freien Plätze, über die die Stadt noch verfügt, nicht ausreichen, sodass die Verwaltung weitere Unterkünfte sucht. Die Versuche, ehemalige Hotels und Gaststätten zu akquirieren, sind nach Angaben der Fachbereichsleiterin erfolglos verlaufen.
Liste aus 2014 mit möglichen Standorten
Liste von 2014 Die Nutzung von Sporthallen sehe sie als „allerletzte Option“, da die Situation des Schulsports ohnehin schon außerordentlich angespannt sei. Deshalb sei „die kurzfristige Schaffung von Unterbringungsoptionen in Modulbauweise unabwendbar“. Bei ihrer Suche hat die Verwaltung eine Liste von möglichen Standorten für Gemeinschaftsunterkünfte aus der Schublade geholt, die sie 2014 zusammengestellt hatte. Einige Grundstücke kommen mittlerweile nicht mehr in Betracht, manche sind bisher für andere Zwecke vorgesehen, bei wieder anderen müsste zunächst Planrecht geschaffen werden. Dass die Verwaltung eine unfertige Liste vorlegte, bewerteten die Fraktionen unterschiedlich.
Dr. Kai Preißmann (CDU) sagte, dies führe in der Bevölkerung „zu gewissen Irritationen“. Es wäre besser, sich auf die Standorte zu konzentrieren, die tatsächlich eine Chance auf Realisierung hätten. Dagegen verteidigte Dorothee Kroll (Grüne) die Vorgehensweise der Verwaltung: „Die große Liste zeigt: Man gibt sich Mühe bei der Auswahl.“ Gianna Voißel (SPD) nutzte die Diskussion, um hervorzuheben, dass ihre Fraktion eine Unterbringung in Zelten ablehne. Manfred Lutterbach erklärte: „Wir, die FDP, möchten keine Flüchtlinge in Turnhallen.“ Einigkeit herrschte im Ausschuss darin, dass die Verwaltung die politischen Gremien nun fortlaufend über die weitere Entwicklung informieren soll.

