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StadtentwicklungSo läuft die Diskussion um Burscheids neue Mitte

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Entwurf des neuen Burscheider Einzelhandelskomplexes zwischen Montanusstraße (rechts) und Radweg (links).

Der Entwurf des neuen Burscheider Einzelhandelskomplexes zwischen Montanusstraße (rechts) und dem Radweg Balkantrasse (links).

Ist der Geschäftskomplex an der Montanusstraße zu viel für die Burscheider  Innenstadt? Ja, meint Karl Ulrich Voss. Nein, sagen die Politiker.

„Wir sollten das feiern.“ Ute Hentschel, Buchhändlerin in Burscheids Mitte und Stadträtin für die Grünen, legte sich fest am Donnerstagabend. Der Stadtentwicklungsausschuss sollte die nächsten Phasen des Umbaus an der und rund um die Montanusstraße auf den Weg bringen. Dazu gehört der große Neubau zwischen Luchtenberg-Richartz-Park und Balkantrasse, in dem ein „Edeka“ und ein „dm“ untergebracht werden sollen, dazu eine Menge Wohnungen. Ein Punkt, der die Sozialdemokraten zu unbedingten Befürwortern des Projekts macht. Auch sonst ist unter den Politikerinnen und Politikern niemand zu finden, der grundsätzliche Zweifel hat an der Innenstadt-Erweiterung in zweiter Reihe in Richtung Rathaus.  

Unter den Bürgern ist das etwas anders. Karl Ulrich Voss nutzte die Einwohner-Fragerunde vor Beginn der Sitzung im Rathaus, um seine Kritik am „Montanus-Quartier“ – unter diesem Label läuft das Großprojekt – zu erneuern. Er bezieht sich dabei auf ein Gutachten, in dem die wirtschaftlichen und strukturellen Folgen der beiden Neuansiedlungen von „Edeka“ und „dm“ untersucht werden. Danach gibt es schon heute zu viel Einzelhandelsfläche in der Burscheider Stadtmitte. Jüngste Schließungen von Geschäften und der schüttere Besatz der Lindenpassage scheinen diesen Befund zu stützen.

Lidl nach Hilgen, Rossmann an die Hauptstraße?

Gestärkt wird diese These nach Ansicht von Voss dadurch, dass der Discounter „Lidl“ eine Filiale nebenan in Hilgen eröffnen will und dem starken Gerücht, dass der „dm“-Konkurrent Rossmann plant, sich entweder in der Lindenpassage oder an der Hauptstraße anzusiedeln. Zu den Ansiedlungsprojekten sei nichts Neues mitzuteilen, antwortete Marc Baack, zweiter Mann im Burscheider Rathaus. Es gebe genehmigte Anträge – aber keine Anzeichen, dass die Projekte verwirklicht werden.

Buchhändlerin Hentschel ist derselben Meinung wie die Planer des Montanus-Quartiers: Burscheids Mitte brauche die Ergänzung durch „dm“ und „Edeka“. Mit Blick auf den Edeka-Markt in Witzhelden hat sie beobachtet: „Da treffen Sie halb Burscheid. Ich möchte aber als erfolgreiche Einzelhändlerin, dass das Geld in unserer Stadt bleibt.“

Kirsten Kühn sieht das Thema aus einer anderen Perspektive: Ein attraktiveres Angebot in der Burscheider Stadtmitte sei auch gut für die Bewohner von „grenznahen“ Orten wie Pattscheid oder Blecher. „Wir müssen auch an das Umfeld denken“, so die Sozialdemokratin.

Unterdurchschnittlicher Umsatz ist zu verschmerzen

Planer Peter Wegmann wies darauf hin, dass „Edeka“ durchaus von einem leicht unterdurchschnittlichen Umsatz in Burscheids Mitte ausgehe. Aber das sei kein Grund, nicht zu kommen. 

Entsprechend wischte der Stadtentwicklungsausschuss sämtliche Einwände gegen den Neubau vom Tisch. Darunter eine Anmerkung der Umweltbehörde des Rheinisch-Bergischen Kreises, der die in Burscheid aufgemachte Versiegelungsrechnung scharf kritisiert: Weil die Dächer begrünt werden, sei nach dem Bau des „Montanus-Quartier“ sogar weniger Fläche versiegelt als zuvor. Dazu heißt es aus dem Kreishaus: Ein grünes Dach sei nicht mit natürlichem Boden zu vergleichen.   

Burscheid: Wie der neue Platz aussehen soll

Unterdessen stellte Hans-Joachim Hamerla aus dem Planungsbüro ASS, in dem das Drumherum des neuen Komplexes erarbeitet wird, Details des neuen Platzes vor, der zwischen dem Neubau und dem Luchtenberg-Richartz-Park entstehen wird und im Spätherbst 2025 fertig sein soll. Also kurz vor Eröffnung der Geschäfte. Wegen der Tiefgarage können neue Bäume auf dem Platz nur in große Pflanztröge. Fotos zeigen aber, dass darin durchaus großes Gehölz unterzubringen ist. An der Montanusstraße selbst werden neue Bäume in den Boden gesetzt. Sie sollen die Fahrbahn flankieren, die an dieser Stelle schmaler ausfallen wird als bisher. Die Pflasterung des Platzes wird auf der anderen Seite fortgesetzt, um den Anschluss an den Park gegenüber zu betonen.

Dazu kommen geschwungene Bänke aus Holz und zwei Sitzgruppen mit je drei Drehstühlen. So soll der Platz vor dem neuen Einkaufszentrum fit gemacht werden für Veranstaltungen. Weil an der Längsseite des Gebäudes eine Gastronomie etabliert werden soll und Edeka mit einem zusätzlichen Bäcker plant, dürfte die Bespielung des Platzes gesichert sein, stellen sich die Planer vor. Aber auch für öffentliche Veranstaltungen soll es Raum geben. Das sieht sehr nach einer belebten neuen Mitte aus. Und darauf setzen die Politiker ausdrücklich.


Eine zweite Rampe, diesmal im Westen des neuen Komplexes, soll zum Umfeld des „Montanus-Quartiers“ gehören. Sie wird zweieinhalb Meter breit und muss einmal gewendelt werden, um den Höhenunterschied zwischen der Balkantrasse dort und der Montanusstraße zu überwinden. So bleibt es dann bei einer Steigung von sechs Prozent. Das ist das Maximum für Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind. Zur Rampe kommt eine Treppe dazu, „für den kurzen Weg“, berichtete Planer Hans-Joachim Hamerla dem Stadtentwicklungsausschuss.  

Aus der CDU kam die Frage, ob die weitere Rampe wirklich notwendig ist – schließlich wird es im Osten des Ensembles schon eine geben. Unbedingt, lautete die Antwort des Planers: Es gehe darum, so viele Querverbindungen wie möglich in der „neuen Mitte“ herzustellen. Das sei im Fall der westlichen Rampe auch gut für den Luchtenberg-Richartz-Park, der ebenfalls über diese Verbindung erschlossen werde. (tk)


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