Friedhofspflege in LeichlingenZwei Frauen bringen alles auf Vordermann

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Alle zwei Wochen wird der Rasen gemäht: Friedhofsgärtnerin Ingrid Weiß beim Einsatz auf dem Waldfriedhof.

Alle zwei Wochen wird der Rasen gemäht: Friedhofsgärtnerin Ingrid Weiß beim Einsatz auf dem Waldfriedhof.

Leichlingen – Dass man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr gesehen hat, war auf dem städtischen Friedhof am Kellerhansberg viele Jahre mehr als eine Redewendung. Wege, Gräber, Kreuzungen, Wiesen und Beete waren unter den Ästen stellenweise so zugewuchert, dass Dickicht und dunkle Ecken keinen schönen Anblick mehr boten.

Die mit Dolomitsand befestigte und rundum bepflanzte Gedenkstätte der Kolumbarien. Auf zwei Fundamente kommen weitere Stelen.

Die mit Dolomitsand befestigte und rundum bepflanzte Gedenkstätte der Kolumbarien. Auf zwei Fundamente kommen weitere Stelen.

Dass es auch anders geht, stellen die beiden Friedhofsgärtnerinnen Ingrid Weiß und Susanne Klötzer unter Beweis, die die Anlagen seit einem Jahr im Dienst der Stadt auf Vordermann bringen. Ausgelichtete und gekappte Gebüsche öffnen nun wieder Sichtachsen auf begradigte und saubere Wege. Sanierte Bäume, ausrangiertes Totholz, neue Beläge, Pflanzen und Abfallkörbe und der frisch gepflasterte und gestaltete Eingangsbereich vor der nun barrierefreien Trauerhalle künden vom großen Aufräumen und Aufbruch der Friedhofsverwaltung.

Gute Bilanz nach einem Jahr

Seit einem Jahr werden die beiden Kommunalfriedhöfe am Kellerhansberg und in Witzhelden nun wieder in städtischer Regie gepflegt. Unzufrieden mit dem vorherigen Zustand, haben Rat und Verwaltung die Vergabe der Unterhaltung an eine private Landschaftsgärtnerei beendet und diese Aufgabe dem städtischen Bauhof übertragen. Zwei Stellen sind dafür neu geschaffen und besetzt worden. Nach einem Jahr stellten Bürgermeister Frank Steffes und sein Team die Fortschritte diese Woche bei einem Pressegespräch auf dem Waldfriedhof vor. Dessen Bäume haben die Trockenheit und Hitze dieses Sommers übrigens bisher sehr gut überlebt.

Bauhof-Leiter Andreas Pöppel vor dem neuen, für den Lkw-Verkehr befestigten Container-Standplatz am Kellerhansberg.

Bauhof-Leiter Andreas Pöppel vor dem neuen, für den Lkw-Verkehr befestigten Container-Standplatz am Kellerhansberg.

Sichtbarstes Zeichen der Anstrengungen, welche die Stadt seit Juli 2018 unternimmt, um ihre Anlage wieder in einen ansehnlicheren Zustand zu bringen, ist der ansprechend gestaltete Platz um die neuen Kolumbarien-Stelen. Er ist so einladend geworden, dass sich hier Besucher zur Rast niederlassen, mit dem Bürgerbus, der vor dem Tor hält, oder mittlerweile sogar zur Mittagspause vorbeikommen, um diese hier in Schatten und Ruhe zu verbringen. Neue Sitzbänke werden noch für beide Friedhöfe angeschafft.

Kommunalfriedhöfe

Der Friedhof am Kellerhansberg ist 44 000 Quadratmeter groß und umfasst 3575 Grabstellen, von denen zurzeit 3241 belegt sind.

In Witzhelden ist der Friedhof 16 500 Quadratmeter groß und hat 1762 Grabstellen (davon 1412 belegt). Im Herbst soll das Kolumbarium erweitert und mit Hecken zur benachbarten Kindertagesstätte hin abgeschirmt werden. In Witzhelden wollen die Stadtgärtner gezielt biblische Pflanzen, zum Beispiel Judasbaum und Feigen, einsetzen. Der Eingang zur Trauerhalle soll ebenerdig umgestaltet, das Grabfeld erweitert werden. (hgb)

Die vielen positiven und anerkennenden Reaktionen aus der Bürgerschaft sind für Bauhof-Leiter Andreas Pöppel und seine beiden neuen Kolleginnen der schönste Lohn für ihre Arbeit. Besonders Ingrid Weiß kann beurteilen, was sie schon alles geschafft haben. Sie hat vor ihrer Anstellung beim städtischen Bauhof bei der Leichlinger Gärtnerei Pusch gearbeitet, viele Gräber im Auftrag der Familien gepflegt und kennt sich somit am Kellerhansberg bestens aus: „Ich habe mich selbst 15 Jahre lang über den Pflegezustand hier aufgeregt, das war eine echte Herausforderung!“ sagt sie. Und sie freut sich über die erzielten Verbesserungen: „Man muss die Wege jetzt nicht mehr suchen, man kann sie erkennen!“

Frauen mit Berufserfahrung

Dass zwei Frauen die beiden Vollzeitstellen bekommen haben, ist Zufall. Aber mit den beiden engagierten Gärtnerinnen, loben Steffes und Pöppel, habe man einen Glücksgriff getan. Auch Susanne Klötzer ist gelernte Friedhofsgärtnerin mit vieljähriger Berufserfahrung aus Süddeutschland.

„Die beiden sind Ansprechpartner und Prellbock“, sagt Pöppel. Allein die Tatsache, dass die Kolleginnen täglich auf den Friedhöfen präsent sind, sei eine Verbesserung. Probleme könnten mit Besuchern so direkt angesprochen, Hinweisen nachgegangen und Schäden beseitigt werden. Abgesehen von den Rehen, die nachts nach wie vor über den Zaun springen und zum Leidwesen der Angehörigen frische Blumen von den Gräbern fressen, gibt es durch die erhöhte Kontrolle auch keinen Ärger mit ungebetenen Besuchern.

Für die Rekommunalisierung der Friedhofspflege musste der Bauhof nicht nur Personal einstellen, sondern auch wieder einen (teils gebrauchten) Fuhrpark anschaffen. Er hat rund 120 000 Euro gekostet. Weiß und Klötzer bedienen einen wendigen Aufsitz-Rasenmäher und einen Multicar-Kleinlaster mit Anhänger. Sie haben ein fahrbares Flämmgerät zur Unkrautverbrennung, bekommen auch noch ein mechanisches Gerät für die Wegepflege in schattigen Lagen mit Moosbefall, da in der Blütenstadt gänzlich ohne Glyphosat oder andere Herbizide gearbeitet wird.

Am Steuer des Radladers

Und sie rangieren einen Radlader mit um 180 Grad schwenkbarer Drehgabel für die Sammelkörbe. Mit diesen neuen Metallbehältern (für Grünabfälle und für Blumentöpfe und Erdsäcke aus Kunststoff) hat es eine besondere Bewandtnis. Sie sind in der Schlosserei des Bauhofs entworfen und einzeln angefertigt worden – 34 Stück sowohl für Witzhelden als auch für Leichlingen. Warum der Aufwand? Die im Fachhandel angebotenen Modelle fand Pöppel „sehr liederlich“ gefertigt.

Abfallboxen Marke Eigenbau

Durch die üblichen Gitterwände hätte man die Abfälle immer gesehen und beim Auskippen verhedderten sich Äste in dem Geflecht. Blickdichtere Lochbleche und ein praktikableres Transportsystem zeichnen die Exemplare Marke Eigenbau aus. Und 15 Prozent billiger waren sie auch noch. Der Radlader kann sie von den optimierten Standorten direkt auf die Gabel nehmen und auf dem Umschlagplatz entleeren. Auch der ist, im hintersten Winkel hinter einem Wall fast unsichtbar versteckt, am Kellerhansberg ganz neu. Der 500 Quadratmeter große Platz ist mit Betonplatten Lkw-tauglich befestigt. Hier stehen Container für Erde, Steine, Baumaterial, Sand und Abfälle, was die Arbeitsabläufe beschleunigt.

Einen direkten Kostenvergleich zwischen der früheren Beauftragung eines Unternehmers und der kommunalen Dienstleistung kann man nicht ziehen, sagt Bürgermeister Steffes: „Wir bieten hier ein ganz anderes Qualitätsniveau.“ Darauf ist man stolz. Und dann klingelt das Telefon und Susanne Klötzer muss schnell ins Auto und nach Witzhelden – dort ist auf dem Friedhof gerade ein Baum umgefallen. Wird sofort erledigt.

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