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Leverkusener FamilienclanPolizei beschlagnahmt bei Razzia Wohnungen und Luxusautos

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Der Fuhrpark der Familie wurde von der Polizei beschlagnahmt.

Leverkusen – Zu einem großen Schlag hat die Polizei am Mittwoch gegen zahlreiche Mitglieder einer stadtbekannten Leverkusener Großfamilie ausgeholt. Dabei wurden Wohnungen und ein Café in Bürrig und Wiesdorf durchsucht, Luxusfahrzeuge, Schmuck und Bargeld sichergestellt und vier Männer im Alter von 42 bis 54 Jahren verhaftet.

Das Ermittlungsverfahren, das sich gegen weitere 43 Beschuldigte richtet, läuft schon seit über einem Jahr und führte in den frühen Morgenstunden zu generalstabsmäßig geplanten Aktionen in mehreren Städten in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Österreich.

Wie der Kölner Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer dem „Leverkusener Anzeiger“ auf Anfrage erklärte, wurden neben Wertgegenständen auch Wohnungen beschlagnahmt und versiegelt, darunter die des als Haupttäter geltenden 42-Jährigen an der Von-Ketteler-Straße.

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Allein dort stellte die Polizei auch einen in der Schweiz zugelassenen Rolls-Royce, zwei Porsche 911 und einen Mercedes SLS sicher. Die Familienmitglieder, die nicht verhaftet wurden, mussten das Haus verlassen und vorerst Unterschlupf bei anderen Angehörigen ihrer weit verzweigten Sippe suchen. Eine Bewohnerin im fortgeschrittenen Alter geriet darüber so in Rage, dass sie mit einem hölzernen Fleischklopfer nach den zahlreichen Medienvertretern warf.

Einschlägig vorbestraft

Der Großfamilie und ihren Unterstützern werden zahlreiche Betrügereien zur Last gelegt. Unter anderem soll sich der einschlägig vorbestrafte 42-Jährige das Vertrauen eines ebenso betagten wie vermögenden Ehepaars erschlichen und ihm eine Notlage vorgetäuscht haben. Allein in diesem Fall soll er rund eine Million Euro erbeutet haben. In der Vergangenheit sind zahlreiche Familienmitglieder bereits wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs per Enkeltrick und Schockanrufen zu hohen Haftstrafen verurteilt worden.

Den Verdächtigen wird außerdem zur Last gelegt, Banken im Zusammenhang mit Immobiliendarlehen und verschiedene öffentliche Träger von Sozialleistungen im großen Stil betrogen zu haben. Dabei soll ein Schaden in Höhe von mehreren Millionen Euro entstanden sein. Im aktuellen Ermittlungsverfahren gehen Polizei und Staatsanwaltschaft davon aus, dass Strohleute für die Familie Immobilien und Fahrzeuge gekauft haben, um das Geld aus diesen Straftaten zu waschen.

Unter den Beschuldigten befinden sich deshalb mehrere Steuerberater und ein Rechtsanwalt. Außer Wohnungen, Praxen und Büros wurden bei insgesamt fast 70 Objekten auch Banken und Schließfächer durchsucht. In Nordrhein-Westfalen waren davon neben Leverkusen Neuss, Köln, Mettmann und Wuppertal betroffen. Die vier Verhafteten stammen aus Leverkusen, Bergisch Gladbach, Monheim und Dortmund.

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