Stefan Hebbel hat zwar einen Trupp Paragrafenreiter hinter sich versammelt – aber lange hält er Prinz Rogério dann doch nicht stand.
RathaussturmLeverkusens OB vergeigt das mit dem Schlüssel

Der OB geigt dem Prinzen was – den Schlüssel will er da noch nicht hergeben.
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Na klar: So ein gestandener Karnevalist wie Stefan Hebbel will den Rathausschlüssel schon mal gar nicht hergeben. Erst recht nicht nach so kurzer Amtszeit: „Und ich bin nicht nur Oberbürgermeister, sondern kann den Job als Karnevalsprinz gleich mit erledigen“, erklärt er dem gerade eingezogenen Rogério. Der ist pünktlich um 11.11 Uhr da, steht aber erst mal auf der Rolltreppe.
Job-Sharing, so der neue OB weiter, sei sowieso der letzte Schrei – und die Dezernenten machten das vor: Marc Adomat ist nicht nur der Mann für Jugend und Sport, der „nicht nur die Olympischen Spiele nach Leverkusen holt“, sondern als Zwischendurch-Kämmerer „virtuell unser fehlendes Geld zählt“. Denn das Haushaltsloch sei „so groß wie Köln. Das lässt sich mit Konfetti leider nicht füllen.“
Das F in Digitalisierung steht für Faxgerät
Der Dritte im Dreigestirn an der Rathausspitze, Alexander Lünenbach, kümmere sich nicht nur um Umwelt und Soziales, sondern sorge auch dafür, „dass in Leverkusen Schulen und Sporthallen und nicht nur Luftschlösser gebaut werden“, vollendet der OB seine Eigenlobeshymne.

Jetzt kann es losgehen: Prinz Rogério hat den Schlüssel, und die Stimmung steigt.
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Die Stadtregierung ist also top aufgestellt. Und supermodern, das zeigt schon der Spruch, den sich Hebbel auf sein T-Shirt hat drucken lassen: „Das F in Digitalisierung steht für Faxgerät.“ Klar, da würde ein Narrenherrscher nur Chaos stiften. Hebbel malt sich das schon aus: Der Arbeitstag beginnt nicht mehr um acht, sondern um 11.11 Uhr; „die Ratssitzungen starten mit dem Funkenappell und enden damit, dass keiner mehr weiß, worüber eigentlich abgestimmt wurde“. Entschieden würde nicht nach Paragrafen, sondern nach Applaus. „Und wer am lautesten Alaaf ruft, bekommt die beantragte Genehmigung gratis dazu.“

Es ist vollbracht: Unter dem Eindruck des Wohlklangs, den Leo (rechts) seiner Geige entlockt hat, hat der OB dem Prinzen den Rathausschlüssel abgegeben.
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Hebbel tut überzeugt: „Mit dem Amtsschimmel kommt der doch erst recht nicht klar. Da kommt der ja gar nicht erst in den Sattel!“ Da war sie wieder, die unvermeidliche Anspielung darauf, dass die Tollität kein Riese ist, jedenfalls nicht von Gestalt. Aber an Herzlichkeit.
Du hältst am Schlüssel fest, und ich öffne Türen und Herzen
„Selbstironie und Herzblut lässt sich nicht per Ratsbeschluss erreichen“, schreibt Rogério dem „lieben Stefan“ ins Stammbuch. „Du verwaltest Zustände, und ich bewege Menschen. Du hältst am Schlüssel fest, und ich öffne Türen und Herzen.“

Die Rheinkadetten sind immer für gute Stimmung gut.
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Der Showdown im Kampf um die Stadtherrschaft für den Höhepunkt des Fastelovends klingt dann auch erst mal nicht herz-, sondern steinerweichend: Hebbel kratzt auf einer Violine herum – und Rogério holt den kleinen Leo als Spezialisten. Der Junge spielt schönste Karnevalslieder in reinsten Tönen. Das muss mit der Herausgabe des Rathausschlüssels belohnt werden.
Oder doch nicht? Darauf sind die Namen vieler ehemaliger Tollitäten verewigt. Das hat Yvonne Ritter vorher verraten. Die Frau, die im Rathaus auch sonst nahe beim Oberbürgermeister arbeitet, hat das übergroße Teil mit in die Rathaus-Galerie gebracht. Es liege sonst irgendwo im Schrank – „oder unter meinem Kopfkissen“, mischt sich Stefan Hebbel vorwitzig ein. Als das Symbol dann an die Tollität verloren ist, macht der OB einen letzten Bremsversuch: Den Schlüssel mit den ganzen Namen drauf könne man nicht rausgeben: „Datenschutz“. Gilt im Karneval nicht, belehrt ihn die Tollität.

Das Wiesdorfer Kinderprinzenpaar Michelle und Milan machte die Vorhut für Rogério.
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Und dann geht’s ans Singen, die neue, jecke Zeit ist angebrochen. Rogério ist sofort in seinem Element, die Zaungäste dieses ersten Rathaussturms in der Rathaus-Galerie sind sofort angezündet. Übrigens, auch der gerade entthronte Stadtherrscher Stefan Hebbel ist ins zweite Glied gerückt und macht tüchtig mit.

