Abo

WM in Neu-DelhiLeverkusener Para-Leichtathleten sammeln Medaillen

4 min
New Delhi 2025 World Para Athletics Championships, India, 29.09.2025 Leon Schäfter of Team Germany competing in Mens Long Jump T63 at New Delhi 2025 World Para Athletics Championships, India, 29.09.2025 Photo by Marcus Hartmann *** New Delhi 2025 World Para Athletics Championships, India, 29 09 2025 Leon Schäfter of Team Germany competing in Mens Long Jump T63 at New Delhi 2025 World Para Athletics Championships, India, 29 09 2025 Photo by Marcus Hartmann Copyright: xBEAUTIFULxSPORTS/MarcusxHartmannx

Leon Schäfer bei der Para-Leichtathletik-WM in Neu Delhi

Der Spitzenleichtathlet kam auf eine persönliche Bestweite von 7,45 Metern.

Wer in einem WM-Finale gleich zweimal persönliche Bestleistung springt und mit der Silber die erste Medaille für Team Deutschland holt, müsste eigentlich rundum zufrieden sein. Aber León Schäfer, Spitzenleichtathlet vom TSV Bayer 04 Leverkusen, will mehr: „Ich hätte gerne gewonnen, das kann ich nicht leugnen. Ich komme hier nicht hin, um Zweiter zu werden“, sagte Schäfer, der von Erik Schneider in Leverkusen trainiert wird, nach dem Finale der Oberschenkel-amputierten Weitspringer bei der Para-Leichtathletik-WM in Neu-Delhi.

Dann kann er sich aber doch noch über seine Leitung freuen: „Ich habe eine geile Serie hingelegt, bin zweimal persönliche Bestleistung gesprungen, deshalb ist alles okay.“ Vor allem, dass er die gute Weite erzielt habe, ohne das Brett zu treffen, macht Schäfer optimistisch, noch deutlich weiter springen zu können. „Wir können da noch mal 20 Zentimeter draufrechnen. Ich weiß, dass da noch sehr viel Luft nach oben ist.“

New Delhi 2025 World Para Athletics Championships, India, 29.09.2025 Leon Schäfter of Team Germany competing in Mens Long Jump T63 at New Delhi 2025 World Para Athletics Championships, India, 29.09.2025 Photo by Marcus Hartmann *** New Delhi 2025 World Para Athletics Championships, India, 29 09 2025 Leon Schäfter of Team Germany competing in Mens Long Jump T63 at New Delhi 2025 World Para Athletics Championships, India, 29 09 2025 Photo by Marcus Hartmann Copyright: xBEAUTIFULxSPORTS/MarcusxHartmannx

Leon Schäfer bei der Para-Leichtathletik-WM in Neu Delhi

Schäfers alte Bestmarke lag bei 7,25 Metern, schon im vierten Versuch steigerte sich der 28-Jährige auf 7,38 Meter, im letzten Versuch dann sogar noch auf 7,45 Meter. Seine alte Bestmarke stammte aus dem WM-Finale 2023 in Paris, als er mit Meisterschaftsrekord gewann. Diese Jahre reichten selbst 20 Zentimeter mehr nicht zum Sieg. Den holte sich Joel de Jong, der Paralympicssieger landete bereits im ersten Versuch bei  7,57 Metern und damit nur elf Zentimeter unterhalb seines Weltrekords.

Eine persönliche Bestleistung, die gleichzeitig deutscher Rekord ist, erreichte auch Bayer-04-Sprinterin Jule Roß. Im 100-Meter-Vorlauf verbesserte die 19-Jährige den deutschen T47-Rekord auf 12,48 Sekunden und qualifizierte sich mit der siebtbesten Zeit für das Finale. Den Platz verteidigte die 19-Jährige im Finale mit einer Zeit von 12,56 Sekunden. „Ich hätte heute natürlich gerne noch mal etwas draufgelegt, aber ich bin total glücklich, dass ich im Vorlauf persönliche Bestleistung gelaufen bin und habe das heute noch einmal richtig genossen“, sagt die junge Sprinterin.

Am Dienstag folgte direkt die nächste Medaille für die Leverkusener Leichtathleten: Der achtmalige Weltmeister Johannes Floors holte ebenfalls Silber über 100 Meter der Unterschenkelamputierten. Als aktueller Weltrekordhalter über 100, 200 und 400 Meter bei den doppelt unterschenkelamputierten Sprintern der Klasse T62 wird Floors gerne als „Fastest Man on no Legs“ genannt – der schnellste Mann ohne Beine. In Neu-Delhi war über 100 Meter aber einer schneller, wenn auch nur um zwei Hundertstelsekunden: Landsmann Felix Streng (Sprintteam Wetzlar). Wegen heftiger Regenfälle war der Start des 100-Meter-Finales als krönender Abschluss des vierten Wettkampftages mehrfach verschoben worden.

Vor allem unter diese Voraussetzungen ist Floors keineswegs enttäuscht über den zweiten Platz und seine Zeit von 10,75. „Das war wirklich ein gutes Rennen, genau das, was die Saison gezeigt hat“, sagt der Leverkusener Sprintstar mit einem breiten Grinsen im Gesicht. „Es war superknapp, das zeigt, wie umkämpft diese 100-Meter-Distanz ist.“ Floors tritt auch noch über 200 Meter an und zum Abschluss der Meisterschaften am Sonntag hofft er im Finale über 400 Meter seine Ausnahmestellung erneut unter Beweis zu stellen. 

Siegchancen rechnet sich natürlich auch Ausnahme-Weitspringer Markus Rehm aus. Der TSV-Athlet hat seit 2011 bei allen Welt- und Europameisterschaften sowie Paralympics, an denen er teilnahm, auch Gold gewonnen. Nebenbei hält er den Weltrekord in seiner Startklasse mit 8,72 Metern seit Juni 2023.


Zwei weitere deutsche Medaillen gab es bei der Para-Leichtathletik-WM am Dienstag: Niko Kappel vom VfB Stuttgart holte die erste Goldmedaille für Team Deutschland. Trotz einer schmerzhaften Ellenbogenverletzung erreichte der kleinwüchsige Mann vom VfB Stuttgart im Kugelstoßen 13,34 Meter – deutlich mehr als der Zweitplatzierte, Bobirjion Omonov aus Usbekistan (12,36 Meter). Für Kappel ist es der insgesamt dritte Weltmeistertitel nach 2017 und 2024. In Rio de Janeiro wurde der in Schwäbisch Gemünd geborene Kugelstoßer 2016 zudem Paralympicssieger.

Die erste WM-Medaille seiner Karriere erreichte Andreas Walser: Im Weitsprung der Klasse T12 (Sehbehinderung) gewann der Augsburger Bronze.