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„Power Moves“„Fabien Prioville Dance Company“ öffnet in Leverkusen mit Bewegung Kraft im Raum

2 min
Im Spannungsfeld von Battle und Ensemble: Die „Fabien Prioville Dance Company“ entfacht in „Power Moves – Restage“ einen Sog aus Kraft, Präsenz und Bewegung.

Im Spannungsfeld von Battle und Ensemble: Die „Fabien Prioville Dance Company“ entfacht in „Power Moves – Restage“ einen Sog aus Kraft, Präsenz und Bewegung.

Die Zuschauer im Forum erlebten ein intensives Tanzsspektakel.

Schon vor dem ersten Schritt auf der Bühne liegt Spannung im Terassensaal. Körper wärmen sich, Schultern kreisen, Füße tasten den Boden ab – bei der „Physical Introduction“ wird das Publikum eingeladen, Bewegung nicht nur zu sehen, sondern zu spüren. Das gab es im Forum noch nie.

Wer nach der „Physical Introduction“ am Donnerstagabend im großen Saal des Forum Platz nimmt, schaut anders auf „Power Moves – Restage“: wacher, körpernäher, mittendrin in einem Abend, der Urban Dance nicht ausstellt, sondern erlebbar macht. Fabien Priovilles Choreografie beginnt also mit Konzentration. Fünf Tanzende betreten die Bühne, vermessen den Raum, wiederholen Schritte, frieren in Posen ein. Es wirkt wie ein kollektives Atemholen, bevor sich Energie entlädt. Breaking, Locking, Voguing und Krump tauchen auf, zunächst fragmentartig, dann immer selbstbewusster. Bewegungen werden gedehnt, wiederholt, gegeneinander gespiegelt. Man erkennt „Battle-Impulse“, doch sie lösen sich vom direkten Gegeneinander und werden Teil eines gemeinsamen Rhythmus.

Fünf Tanzende betreten die Bühne, vermessen den Raum, wiederholen Schritte, frieren in Posen ein. Es wirkt wie ein kollektives Atemholen, bevor sich Energie entlädt.

Fünf Tanzende betreten die Bühne, vermessen den Raum, wiederholen Schritte, frieren in Posen ein. Es wirkt wie ein kollektives Atemholen, bevor sich Energie entlädt.

Mit wachsender Intensität kippen die Bilder. Einzelne Tanzende treten aus der Gruppe hervor, setzen „Power Moves“ wie Ausrufezeichen in den Raum – akrobatisch, präzise, elektrisierend. Doch der Applaus bleibt innerlich, die Bühne reagiert anders: Die Gruppe zieht nach, übernimmt, konterkariert. Macht erscheint hier nie stabil, sondern zirkuliert. Voguing öffnet Momente von Stolz und Inszenierung, von bewusst gesetzter Pose, auf gefährlich hohen Highheels und spielerischer Überhöhung. Krump bricht diese Kontrolle wieder auf, lässt rohe Energie und innere Dringlichkeit sichtbar werden. Immer wieder entstehen Bilder von Nähe und Reibung, von Unterstützung und Verdrängung.

Mal steht eine Figur grell im Fokus, mal verschmilzt das Ensemble zu einer vibrierenden Masse. Priovilles Rhythmus ist unberechenbar: Rasante Sequenzen wechseln mit Momenten der Stille, in denen jede kleinste Bewegung Gewicht bekommt. Die Präsenzen der Performenden wirken wie Persönlichkeiten mit eigenen „Superkräften“, die sich gegenseitig herausfordern und tragen. Man spürt die Herkunft aus dem Battle, aber auch den Willen, diesen Impuls in etwas Gemeinsames zu überführen. „Power Moves – Restage“ erzählt ein körperliches Erleben. Es geht um Präsenz, um Sichtbarkeit, um die Frage, wie Macht im Körper entsteht und wieder vergeht. Was bleibt, ist das Gefühl, Zeuge eines intensiven Austauschs geworden zu sein – zwischen Street und Bühne, Individuum und Kollektiv, Kontrolle und Hingabe.