Die gesenkte Umsatzsteuer kommt in Leverkusens Gastronomie wegen hoher Kosten nicht bei den Gästen an. So begründen das die Gastronomen.
Steuersenkung in der GastronomieWarum Leverkusener Gastronomen die Preise nicht senken

Denis Schneider betreibt in Lützenkirchen zwei Gastronomiebetriebe, darunter das Restaurant „Bei Denis“, den Preis für das Schnitzel hat er seit der Corona-Pandemie nicht mehr erhöht.
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Das neue Jahr ist erst wenige Tage alt, doch eine Gesetzesänderung betrifft eine ganze Branche unmittelbar: Seit dem 1. Januar 2026 gilt für Speisen in Restaurants, Cafés und Eisdielen der ermäßigte Umsatzsteuersatz von sieben Prozent statt bislang 19 Prozent. Die Politik wollte damit die Gastronomie entlasten und für mehr Steuergerechtigkeit sorgen. Viele Gäste hofften zugleich auf sinkende Preise. Eine Stichprobe des „Leverkusener Anzeiger“ zeigt jedoch: Keiner der befragten Gastronomen in Leverkusen hat seine Preise bislang gesenkt – aus Sicht der Betriebe aus guten Gründen.
Gastronomen kämpfen mit steigenden Kosten
Während Speisen zum Mitnehmen schon lange mit sieben Prozent besteuert wurden, galt für den Verzehr vor Ort der volle Satz. Diese Ungleichbehandlung ist nun beendet. Hagen Norhausen (52), Vizepräsident des Dehoga Nordrhein-Westfalen und Inhaber der „Gaststätte Norhausen“ in Rheindorf, spricht von einem wichtigen Schritt, aber keiner Wunderlösung. „Wir haben jahrelang für diese Steuersenkung gekämpft. Es geht um Steuergerechtigkeit für uns Gastronomen wie für Kunden“, sagt Norhausen. Zugleich macht er deutlich, warum niedrigere Preise derzeit kaum möglich sind: „Allein Kaffee ist 2025 im Einkauf um rund 100 Prozent teurer geworden. Dazu kommen steigende Löhne und Energiekosten.“
Ein volles Lokal heißt heute längst nicht mehr, dass ein Betrieb wirtschaftlich gut läuft.
Norhausen verweist auf die schwierige wirtschaftliche Lage vieler Betriebe. In Rheindorf habe sich die Zahl der Gaststätten in gut zwei Jahrzehnten von 25 auf fünf reduziert. „Ein volles Lokal heißt heute längst nicht mehr, dass ein Betrieb wirtschaftlich gut läuft.“ Auch er habe seine Preise trotz Steuersenkung nicht senken können.

Hagen Norhausen (52), Vizepräsident des Dehoga Nordrhein-Westfalen und Inhaber der „Gaststätte Norhausen“ in Rheindorf.
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Ähnlich argumentiert Denis Schneider (43), Betreiber der Gaststätte „Bei Denis“ in Lützenkirchen: „Wir haben unsere Preise seit Beginn der Corona-Pandemie 2020 nicht angehoben. Jetzt sinkt zwar die Steuer, gleichzeitig sind Arbeits- und Energiekosten stark gestiegen.“ Auch der gesetzlich festgelegte Mindestlohn, den zum Beispiel viele Service-Aushilfen bekommen, erhöhte sich zum Jahreswechsel 2026 von 12,82 € auf 13,90 Euro.
Gewerkschaft kritisiert Steuergeschenk
Kritisch sieht die Entwicklung hingegen die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Antonia Rabente, zuständige Gewerkschaftssekretärin für das Gaststätten- und Hotelgewerbe, lehnt die Steuersenkung grundsätzlich ab. Die Branche habe sich von der Corona-Krise erholt, die Umsätze lägen wieder auf Vorkrisenniveau. „Mit einer Steuersubvention wird kein einziger Betrieb gerettet“, sagt Rabente. Gleichzeitig bleibe der Druck auf die Beschäftigten hoch: Mehr als die Hälfte arbeite im Niedriglohnbereich, Tarifbindung sei die Ausnahme. Sinkende Preise für Gäste seien nicht zu erwarten und bei den Beschäftigten komme die Entlastung ebenfalls kaum an.

Susanne (61) und Ali Senocak (55) mussten die Speisekarte in ihrem italienischen Restaurant „Caldo et Freddo“ bereits anpassen.
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In Leverkusen bestätigen Gastronomen diese Einschätzung zumindest teilweise. Raffaello Vacca (35), der mit seiner Ehefrau die „La Vecchia Osteria“ auf der Altenberger Straße betreibt, verweist auf gestiegene Energie- und Lebensmittelkosten, auch die Pacht für das alte Fachwerkhaus, in dem sich sein Restaurant befindet, sei neu ausgehandelt worden. „Eigentlich hätten wir die Preise erhöhen müssen. Ich möchte aber Qualität und Preise für meine Gäste möglichst stabil halten.“ Eine spätere Anpassung schließe er aber nicht aus: „Wir müssen sehen, wie sich das Jahr entwickelt.“
Auch die Preise beim italienischen Lokal „Caldo et Freddo“ in Quettingen bleiben gleich. Veränderungen habe es trotzdem geben müssen: Inhaber Ali Senocak (55) musste seine Speisekarte bereits vor Weihnachten verändern. Dem Gastronomen machen vorwiegend die stark schwankenden Einkaufspreise zu schaffen. Kabeljau koste inzwischen bis zu 32 Euro pro Kilo, und damit fünf bis sechs Euro mehr als noch vor einem halben Jahr, Kalbsrücken und Saltimbocca habe er ganz von der Karte gestrichen. „Die Steuersenkung ist ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt Senocak.
Unterm Strich verschaffe die Senkung der Umsatzsteuer vielen Betrieben zwar etwas finanziellen Spielraum, dieser werde jedoch von weiterhin steigenden Kosten für Personal, Energie und Waren weitgehend aufgezehrt. Gastronom Hagen Norhausen richtet deshalb einen klaren Appell an die Verbraucher: „Wenn die Leute möchten, dass es ihre Lieblingsrestaurants auch in Zukunft noch gibt, dann müssen sie auch hingehen.“

