Immer wieder taucht im Internet ein Foto auf, das gefälschte Benachrichtigungskarten von DHL zeigen soll. Doch daran ist nichts Wahres.
Falsche BetrugswarnungDer Schwindel mit dem Schwindel zieht auch in Oberberg seine Kreise

Dieses Foto einer mutmaßlich gefälschten Benachrichtigungskarte von DHL macht derzeit in den Sozialen Medien die Runde, auch in oberbergischen Regionalgrppen.
Copyright: Jens Höhner (Screenshot)
Das Foto, stets unscharf und verwischt, ist immer dasselbe: Es zeigt zwei angeblich gefälschte Benachrichtigungs- und Abholscheine des Bonner Logistikunternehmens DHL, angeblich landen diese derzeit auch in Oberbergs Briefkästen. Darauf werden Empfängerinnen und Empfänger aufgefordert, mit dem Smartphone einen QR-Code zu scannen, wollen sie ihre Sendung erhalten. Doch echt ist daran gar nichts: Die gezeigten DHL-Nachrichten existieren offenbar nicht, die Warnung vor dem Schwindel ist also selbst ein Schwindel.
Wie früher nervtötende Kettenbriefe, so eilen heute das gefälschte Foto und die überflüssige Warnung durch Regionalgruppen in den Sozialen Medien, fliegen von Handy zu Handy, landen in einem E-Mail-Postkasten nach dem anderen. „Viral gegangen“, so heißt das heute. Und bei Achim Gahr steht seit dem frühen Donnerstagabend das Telefon nicht mehr still: Der Mann ist Sprecher von DHL, hat sein Büro in Düsseldorf und ein rotes Ohr.
In Oberberg hat offenbar noch kein DHL-Kunde eine solche Karte „in echt“ gesehen
„Tatsächlich hat noch niemand jemals eine solche gefälschte Karte in den Händen gehalten“, betont Gahr. Nachdem sich die Fake-Nachricht auf den Weg gemacht hat und erste Frage dazu bei DHL eingegangen sind, habe das Unternehmen unter anderem die eigenen Botinnen und Boten befragt, um die Sache aufzuklären, auch mit der Polizei sei DHL sofort in Kontakt getreten, schildert der Sprecher. Denn bundesweit waren deren Dienststellen ebenfalls darauf angesprungen und hatten eigene Warnungen vor mutmaßlichen Betrügern auf dem Weg gebracht – darunter auch Oberbergs Polizei. Aber das ist gut so.
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Denn: „Es könnte sich jederzeit um einen Versuch des Quishings handeln“, führt Oberbergs Polizeisprecher Marc Leporin aus und beschreibt damit eine Methode, mit der Kriminelle über einen QR-Code persönliche Daten und vielleicht sogar Zugangscodes abgreifen und missbrauchen wollen.
Auch DHL nimmt den schlechten Scherz sehr ernst. Achim Gahr: „Ob es sich tatsächlich um eine Form von Betrug handelt, prüfen wir zurzeit.“ Denn möglicherweise könnten physische Flyer tatsächlich im Umlauf sein. Zudem habe der Konzern strafrechtliche Schritte eingeleitet und stehe auch weiterhin im Austausch mit den Sicherheitsbehörden.
Auf den DHL-Benachrichtungen findet sich immer ein Aufkleber mit dem Abholort
Er kann jedoch auch beruhigen: „Sollte jemand doch auf die Idee kommen, den abgebildeten QR-Code einzulesen, so landet er dann auf realen, also ungefährlichen, Internetseiten unseres Unternehmens.“ Das habe DHL geprüft. QR-Codes würden überdies nur über die DHL-App verbreitet und nirgendwo sonst.
Zudem, so ergänzt der Sprecher, frage der Logistiker niemals per Code nach persönlichen Informationen oder anderen Personalien. „Eine Kontaktaufnahme, wenn etwa eine Verifizierung für die Sendungsverwaltung nötig ist, erfolgt dann auch nur über die Kontaktdaten, die der Kunde beim Versand angegeben hat.
Eine echte DHL-Karte sei etwa an einer handschriftlichen Notiz oder einem Aufkleber zu erkennen, den die Botin oder der Bote auf das Papier aufbringen: „Damit genannt wird der wirkliche Abholort, zum Beispiel die nächste Packstation oder ein Nachbar, der das Paket entgegengenommen hat“, beschreibt Gahr den größten Unterschied zur Fake-Karte.
Die beschäftigt auch das Wiener Internetportal Mimikama, das solche Fälle dokumentiert: Dort sind nach eigenen Angaben bis Donnerstagabend 250 Zuschriften eingegangen, 99 Prozent davon zeigten dasselbe Foto, nur zwei Personen hätten bisher angegeben, einen „echten Zettel“ bekommen zu haben.
Bei Unsicherheiten hilft der Kundenservice von DHL in Bonn unter (0228) 43 31 12 oder per E-Mail an die Adresse: phishing@dhl.com. Oberbergs Polizei ist zu erreichen unter (02261) 81 99-0.

