Die evangelischen Gottesdienste in der Wiehler Ortschaft Weiershagen wurden kaum noch besucht. Was wird aus der historischen Glocke?
EntwidmungKirche verkauft Weiershagener Gemeindehaus

1956 wurde das Gemeindehaus in Weiershagen als Jugendheim gebaut. Erst 1995 wurde es saniert und um ein Stockwerk erweitert.
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Noch läutet sie kräftig, die Glocke im evangelischen Gemeindehaus in Weiershagen, und zeigt den Bewohnern des Dorfes die Mittagszeit an. Doch schon bald schlägt ihre eigene Stunde – wie auch die des markanten Gebäudes an der Straße nach Drabenderhöhe. Denn die Kirche wird sich von der Immobilie trennen.
„Zurzeit läuft das Entwidmungsverfahren“, informiert der Drabenderhöher Pfarrer Gernot Ratajek-Greier, der auch für Weiershagen zuständig ist, auf Anfrage. Das Verfahren sei notwendig, weil das Gemeindehaus auch Predigtstätte ist. Zur Zeit wird noch an jedem zweiten Sonntag Gottesdienst gehalten. „Allerdings kommen, wenn es hochkommt, nur noch zehn Besucher und Besucherinnen“, stellt der Pfarrer fest.

Die Gründe für die Entwidmung erklärt Pfarrer Gernot Ratajek-Greier.
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Genau das ist der Grund, das Gebäude aufzugeben. Zu teuer sei die Unterhaltung, zu groß die Notwendigkeit zum Sparen. 20.000 Euro kostet der Unterhalt des Gebäudes pro Jahr. Damit geht es Drabenderhöhe wie anderen Kirchengemeinden. So wurde im Jahr 2025 das Gemeindehaus Oberwiehl an den Oberbergischen Kreis verkauft.
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Weiershagener Turm erinnert an Siebenbürgen
1956, als das Gemeindehaus in Weiershagen als Jugendheim gebaut wurde, war die Situation eine andere. Die Ortschaft verzeichnete einen regen Zuzug. Konfirmanden, Senioren und andere Gruppen nutzten das Haus so intensiv, dass es 1995 saniert und um ein Stockwerk erweitert wurde. „Der Bedarf war da“, erinnert sich Küster Hilmar Kranenberg, „das hat zehn Jahre lang gut funktioniert.“ Damals wurde auch der Turm angebaut – als Anmutung auch an die traditionellen Kirchenburgen in Siebenbürgen, siedelten sich doch zwischen 1964 und 1984 zahlreiche Siebenbürger Sachsen aus 190 Orten in Rumänien in Drabenderhöhe an.

Für die Glocke wird noch eine neue Heimat gesucht.
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Der damalige Pfarrer Kurt Franchy, der selbst aus Siebenbürgen stammte, rettete zwei Glocken aus der dem Verfall preisgegebenen Kirche der Ortschaft Belleschdorf, dem heutigen Idiciu. Eine hängt im „Turm der Erinnerung“ neben dem Altenheim in Drabenderhöhe, die andere, 1922 gegossene, ruft seit 30 Jahren in Weiershagen zum Gottesdienst.
Nach dem Entwidmungsgottesdienst Ende April ist Schluss. „Früher baute man nahe bei den Menschen. Aber wenn die Menschen nicht mehr kommen, wird das Gebäude nicht mehr gebraucht“, sagt Pfarrer Ratajek-Greier. In den vergangenen 40 Jahren sei die Mitgliederzahl der Kirchengemeinde Drabenderhöhe von 5000 Gläubigen auf 2600 geschrumpft.
Die 300 Weiershagener Gemeindemitglieder müssen sich ab Frühjahr also umorientieren. „Bereits jetzt geht die Hälfte der Konfirmanden nach Bielstein“, weiß der Pfarrer. Für die rund zehn Besucher der Gottesdienste könne man vielleicht den Gemeindebus nutzen, damit sie den Gottesdienst in Drabenderhöhe besuchen können, überlegt er, „oder wir veranstalten wie im vorigen Sommer zwei oder drei Mal einen Open-Air-Gottesdienst.“
Die Mieter der renovierungsbedürftigen Wohnung sind bereits ausgezogen. Die elektronische Orgel und der Altar könnten nach Drabenderhöhe ins Gemeindehaus umziehen. Und die Glocke? „Sie wird wohl verstummen“, glaubt Küster Kranenberg. Es sei denn, sie findet eine neue Heimat.

