„Leben ist Banane“Thomas Baumgärtel feiert in Bergisch Gladbach 40 Jahre „Spraybanane“

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Thomas Baumgärtel steht vor seinen Kunstwerken.

Thomas Baumgärtel feiert 40 Jahre Spraybanane.

In seinen Werken verarbeitet Thomas Baumgärtel das Weltgeschehen und positioniert sich politisch. 

40 Jahre Bananen-Kunst. Thomas Baumgärtel feiert in diesem Jahr ein besonderes Jubiläum. Seit 1983 beschäftigt er sich mit dem Motiv der Banane und hat diese zu seinem Markenzeichen entwickelt. Das taucht nicht nur in seiner Kunst auf: Er sprayt die Banane an Wänden von Museen, die ihm gut gefallen haben und zeichnet damit weltweit besondere Kunstorte aus.

Mittlerweile ist die Spraybanane in der Kunstwelt als inoffizielles Gütesiegel anerkannt. Zu diesem Anlass stellt Baumgärtel im Kunstkabinett Partout aus. Der Titel der Ausstellung lautet „Spraywald& 40 Jahre Kunstbanane“. Der Name verbindet die Spreewaldgurke mit dem Motiv des Waldes und der Spraytechnik, mit der der Künstler seine Werke erschafft.

Thomas Baumgärtel stellt 100 Werke aus 40 Jahren aus

Für die Ausstellung hat er 40 Exemplare der „Spraywaldgurke“ angefertigt, einer Banane , die ab der Mitte in eine Spreewaldgurke ausläuft. Das Kunstkabinett zeigt 100 Werke aus 40 Jahren. „Ich könnte zu jedem Werk erzählen, was da gerade bei mir los war. Darüber wollte ich immer mal ein Buch schreiben“, erzählte der Künstler.

Schon immer habe er Ereignisse, die ihn beschäftigen in seiner Kunst verarbeitet. So hat er als Protestaktion eine Buch-Banane an das Gebäude der Kölner Zentralbibliothek gesprayt. Damit drückte er seinen Unmut aus, dass die Bibliothek geschlossen werden sollte.

Thomas Baumgärtel greift Angriffskrieg auf die Ukraine auf 

Auch den Angriffskrieg auf die Ukraine verarbeitete er in seiner Kunst: Auf einem Bild, das er in 15 Metern Höhe in Köln-Lindenthal aufhängte, steckte er Putin symbolisch ins Gefängnis. Das Plakat zeigte den Kreml-Chef mit einem gestreiften Sträflingsanzug mit der Aufschrift „put in prosion“ und einer halben Banane als Schlafmütze.

Außerdem sprayte er ein Peace-Zeichen aus Bananen in den Farben der Ukraine-Flagge. Mit der Impfbanane reagierte Baumgärtel auf die Corona-Pandemie. „Er ist politisch sehr aktiv“, sagte Galeristin Ursula Clemens-Schierbaum, die die Ausstellung zusammenstellte. Kunst müsse für Baumgärtel in der Welt Position beziehen.

Wald ist privat und künstlerisch wichtig für Baumgärtel 

Daher komme auch der Ausstellungsschwerpunkt Wald. „Um das Thema kommt man nicht drum herum“, sagte der Künstler. Passend zum Zeitpunkt der Ausstellung kam der Waldzustandsbericht der Deutschen Wälder raus. „Das ist einfach erschreckend“, sagte er. Er setzt sich schon länger für Klimaschutz ein und war bei den Demonstrationen im Hambacher Forst dabei.

„Da dachte man, man hätte was erreicht und dann kommt die Räumung von Lützerath“, bedauerte er. Auf dem Gelände habe er an eines der letzen Gebäude eine Banane gesprayt, um es als Kunstort zu markieren. Doch das Haus wurde abgerissen. Der Klimaschutz findet sich auch in Baumgärtels Kunst wieder: Er sprayt schmelzenden Gletscher-Bananen das „1,5 Grad-Ziel“ auf oder „CO2“ über Alte Meister. „Ich habe auch versucht die Motive an die Fenster von Banken zu sprayen, aber da waren sie schon am nächsten Tag weg“, erzählte er.

Banksy hatte ähnliche Idee wie Baumgärtel

Als er angefangen habe, Alte Meister zu übersprayen, seien seine Galeristen wenig begeistert gewesen. „Ich fand es cool, in die alten Landschaften reinzusprühen. Aber die Galeristen waren sich nicht sicher, ob das wirklich Kunst ist.“

Doch als der britische Streetart-Künstler Banksy alte Landschaften übersprühte und die Werke für viel Geld verkauft wurden, seien seine Bananen auf den Alten Meisten sehr beliebt geworden.

„Spraywald“ ist bis 16. Juni in der Galerie Partout Kunstkabinett, Straßen 85, Herkenrath, zu sehen. Geöffnet: dienstags, donnerstags und freitags von 16 bis 19 Uhr und samstags von 11 bis 13 Uhr sowie nach Absprache. Baumgärtel ist am 11. Mai und am 16. Juni anwesend.

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