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Deutsche Alleenstraße
Unmut über Baumfällungen zwischen Spitze und Herkenrath

Sechs Bäume hat der Landesbetrieb Straßen NRW jüngst an der Deutschen Alleenstraße bei Spitze gefällt.

Sechs Bäume hat der Landesbetrieb Straßen NRW jüngst an der Deutschen Alleenstraße bei Spitze gefällt.

Rhein-Berg  – Nicht mehr als ein Häuflein zerschreddertes Holz neben der Straße erinnert an den Alleebaum, der bis vor wenigen Tagen an dieser Stelle der Deutschen Alleenstraße zwischen Spitze und Herkenrath stand. Der Baumstumpf ist gefräst worden, die Rückstände fallen kaum auf im Herbstlaub.

Still und weitgehend unbemerkt hat der Landesbetrieb Straßen NRW erneut sechs Bäume an der markanten Allee fällen lassen. „Die Bäume waren alle mit Pilz befallen und mussten weg“, sagt Sabrina Kieback vom Landesbetrieb Straßen NRW und beruft sich auf die Verkehrssicherungspflicht, die der Landesbetrieb für die Landstraßen habe.

Kreis hatte beim Land interveniert

Wie berichtet, hatte Straßen NRW im September bekanntgegeben, an insgesamt sieben Landstraßen in Rhein-Berg Bäume fällen zu müssen, um der Gefahr zu begegnen, dass Äste oder ganze Bäume auf die Straße stürzten und die Verkehrsteilnehmer dort gefährden könnten. Der Kreis hatte daraufhin beim Landesbetrieb ebenso wie bei Bezirksregierung und Landesregierung zu intervenieren versucht, um Näheres über die Gründe der lediglich pauschal kurz mitgeteilten Fällungen zu erfahren. Offenbar ohne Erfolg.

Neuer Rad-Gehweg an Allee bei Spitze

Der seit Jahren in Aussicht gestellte Rad-Gehweg entlang der L 289 zwischen Herkenrath und Spitze kann laut Landesbetrieb Straßen NRW endlich kommen. Im Laufe des Frühjahrs seien alle Hindernisse für das Projekt aus dem Weg geräumt worden, sagt Landesbetrieb-Sprecherin Sabrina Kieback. Vor allem beim nötigen Grundstücksankauf für den Rad-Gehweg habe es mehrere Verzögerungen gegeben.

Straßen NRW hatte nicht erfolgte Nachpflanzungen für gefällte Alleebäume in der Vergangenheit damit begründet, dass erst die Planungen für den neuen Rad-Gehweg getroffen werden sollten, bevor man die Standorte für die neuen Bäume festlege. Nun könne man davon ausgehen, dass die Planung im Laufe des kommenden Jahres abgeschlossen werden könne, erklärte Sabrina Kieback. (wg)

Seit dem letzten Kontakt habe man nichts mehr von den übergeordneten Behörden gehört, sagt Kreis-Pressesprecher Alexander Schiele auf Anfrage und verschweigt nicht, dass es einen Dissens zwischen Landesbetrieb und Kreis über das Fäll-Argument der Verkehrssicherheit gegeben habe. „Aber da entscheidet halt nach den geltenden Vorgaben der Landesbetrieb“, erklärt Schiele, auch wenn das für den Kreis unbefriedigend sei.

Nachpflanzungen verzögert

Auch der Vorsitzende des Naturschutzbeirates des Kreises, Mark vom Hofe, erfährt von den erfolgten Fällungen erst durch den Anruf dieser Zeitung und ist verärgert. Vor allem, weil erneut Bäume an der markanten Alleenstraße gefällt wurden.

Auch nach früheren Fällungen zwischen Herkenrath und Spitze habe der Landesbetrieb „bis heute nicht einen Baum“ an der Straße nachgepflanzt. „So kann man nicht damit umgehen“, zeigt sich vom Hofe verärgert.

Die Nachpflanzungen hätten sich bislang verzögert, weil man erst die Planungen für einen parallel zur Allee verlaufenden Rad-Gehweg habe abwarten wollen, erklärt Landesbetrieb-Sprecherin Sabrina Kieback auf Anfrage.

Verzögerungen bei Projekt

Aufgrund von nötigen Grundstücksankäufen habe sich dieses Projekt immer weiter verzögert, seit diesem Frühjahr aber seien nun alle Probleme aus dem Weg geräumt. Dass der Landesbetrieb entlang ausgewiesener Alleen wie der zwischen Spitze und Herkenrath (L 289) und entlang der L 101 zwischen Altenberg und Dabringhausen dazu verpflichtet sei, nach Fällungen Bäume nachzupflanzen, hatte dessen Sprecherin Kieback bereits im September bestätigt.

Die Baumstümpfe wurden gefräst: Nur ein Häufchen Holz im Herbstlaub zeigt an, wo die gefällten Alleebäume gestanden haben.

Die Baumstümpfe wurden gefräst: Nur ein Häufchen Holz im Herbstlaub zeigt an, wo die gefällten Alleebäume gestanden haben.

Die Baumstümpfe seien im Übrigen jetzt nicht gefräst worden, um die Fällungen zu kaschieren, sondern um die Stümpfe als gefährliche Hindernisse aus dem Weg zu räumen und den Verrottungsprozess der Wurzeln zu beschleunigen, so Landesbetrieb-Sprecherin Sabrina Kieback. „Dann kann man später auch punktuell an denselben Stelle nachpflanzen.“

Gunther Lanz kann als Mitglied der Forstbetriebsgemeinschaft Herkenrath die Verkehrssicherungsargumente gut nachvollziehen. „Sicherheit an Straßen muss vor Naturschutz gehen“, sagt er und weist darauf hin, dass in Deutschland der Holzzuwachs von Bäumen um 50 Prozent höher sei als der Holzeinschlag.

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