Auch in Kürten haben an Weiberfastnacht die Karnevalisten das Rathaus erobert. Bürgermeister Mario Bredow als Leitwolf und sein Wolfsrudel hatten keine Chance
RathaussturmKürtens Bürgermeister überrascht als Leitwolf

Marc Beer, Präsident der Karnevalsfreunde Bechen, am Mikro. Mit dabei: die Prinzenpaaren aus Dürscheid und Bechen, Alexandra I. und Andreas I., Frank II. und Carina I., Bürgermeister Mario Bredow als Leitwolf und Torsten Kurpjuhn vom Kürtener Karnevalsverein KKV
Copyright: Claus Boelen-Theile
Ganz schön durchgeräuchert präsentierte sich das Kürtener Bürgerhaus beim Rathaussturm am Donnerstag. Nebelschwaden zogen durch den Saal, und viele unheimliche Gestalten trieben sich herum: Waldschrate, Elfen, Hirsche mit Plastikgeweih. Und auch zwei Leitwölfe. Bürgermeister Mario Bredow und sein Allgemeiner Vertreter Sven Schmidt waren in Wolfskostüme geschlüpft und tummelten sich im Rudel. Ein starkes Rudel – Das sollte das Rathaus vor dem Ärgsten bewahren. Aber es kam, wie es an Weiberfastnacht immer kommen muss.

Der Leitwolf der Verwaltung: Bürgermeister Mario Bredow
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Die Jecken eroberten die Verwaltungszentrale im Sturm. Widerstand zwecklos, das mussten nach wenigen Augenblicken auch die Rathauscrew einsehen. Einmarschiert waren die Dürscheder Mellsäck, der Kürtener Karnevalsvereins KKV und die Karnevalsfreunde Bechen zu den jecken Klängen des Musikvereins Kürten.
Auflauf im Saal
Im Schlepptau die Tanzgarden und auch die beiden Prinzenpaare, Alexandra I. und Andreas I. aus Bechen, Frank II. und Carina I. aus Dürscheid. Sie hatten am Morgen schon ein wunderbares Programm hinter sich gebracht: Besuche in den Kindergärten, in den Grundschulen und in der Gesamtschule. Aus der Schalterhalle der Volksbank Berg in Kürten ging es flott weiter zum großen Sturm aufs Kürtener Rathaus.
In den Nebelschwaden des Bürgerhauses mussten sich die Karnevalisten erstmal durch das vom „Rudel“ besetzte Foyer des Bürgerhauses einen Weg bahnen, unter den mitreißenden Klängen des Musikvereins. Wenig später erschienen die Leitwölfe. Auf einer Art Rikscha fuhren die beiden Verwaltungschefs durch den Saal, die drei Schlüssel zum Rathaus hielten Bredow und Schmidt da noch fest in der Hand.
Der Glaube, die Schlüssel zu behalten, schwand aber schnell. Da sei ja nichts zu machen, meinte der Bürgermeister in gereimter Rede und holte direkt die Vertreter der Gesellschaften auf die Bühne zur festlichen Schlüsselübergabe. Bis Aschermittwoch haben die Verwaltungsakteure jetzt nichts mehr zu kamellen in der Gemeinde.
Dauerbaustelle Gesamtschule
Marc Pütz, Präsident der den Karnevalsfreunden Bechen, hatte in diesem Jahr erstmals die Ehre, als Zeremonienmeister der drei großen Karnevalsvereine zu agieren, unterstützt von Markus Dahl (Mellsäck) und Thorsten Kurpjuhn (KKV). Mitgebracht hatten die jecken Eroberer eine Handwerker-Puppe, mit Helm und allerhand weiteren Dingen, die für den Bau erforderlich sind. Eine Anspielung auf die Baustelle an der Gesamtschule Kürten, die ja derzeit vor sich hin dümpelt.
Das sei das eine große Thema in der Gemeinde, meinte Pütz. Aber auch um die fortschreitende Bürokratisierung müsse sich das Rathaus dringend kümmern und Gegenmaßnahmen ergreifen. Die Flut an Papierkram erdrücke ja alle Vereine, und wer mal eine Kleinigkeit bei den Anträgen vergesse, laufe Gefahr, schwerwiegende Folgen zu erleiden.
Der oberste Leitwolf hörte zu und hatte gleich eine Idee: Da könne er den Jecken eine Freiluftsitzung auf der Baustelle der beiden Sporthallen am Schulzentrum anbieten. Ob die Karnevalisten darauf eingingen, war bei der anschließenden Verbrüderung nicht zu erkennen.
Bei Erbsensuppe, veganer Gemüsebrühe und Kölsch, alles gestiftet von der Volksbank Berg, ging es zügig in den gemütlichen Teil über.

