Kürtener AbfallsystemHier zählt jedes Kilogramm

Müllabfuhr in Kürten: Der Müll in jeder Tonne wird gewogen und muss nach Kilo bezahlt werden.
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Kürten – Die Tonnen in Kürten sehen erst einmal aus wie überall. Das gilt auch für den Wagen der Müllabfuhr. Trotzdem läuft es mit dem Müll etwas anders als in anderen Kommunen. Denn in Kürten wird ganz genau kontrolliert, wer wie viel in die Tonne wirft. Seit 1997 wird der Restmüll gewogen.
„Hier hat jede Tonne einen Chip“, sagt Thomas Eckfeld von der Firma Neuenhaus und zeigt unter den Rand der Mülltonne. Seit 40 Jahren fährt das Kürtener Unternehmen den Abfall in der Kommune ab. Die Tonnen sind Eigentum der Bürger. „Sie entscheiden, ob sie eine Tonne mit oder ohne Schloss haben wollen“, erläutert Eckfeld. So mancher hat Bedenken, dass er den Müll seiner Mitbürger bezahlen muss. Für die Müllabfuhr ist das gleichgültig, denn beim Leervorgang öffnet sich die Tonne automatisch.
Umstellung zeigt Auswirkungen
Die Umstellung auf das Wiegesystem zeigte Auswirkungen. „Das Müllaufkommen ist schlagartig um ein Drittel zurückgegangen“, sagt Klaus Lüke von der Gemeindeverwaltung. Die Begründung ist für ihn klar: „Die Leute sortieren besser, und der Biomüll landet seitdem im eigenen Komposter.“ Allerdings ist wilder Müll immer wieder ein Thema in der Politik. Für die FDP ist der Abfall an Straßenrändern und Waldstücken ein klarer Beweis dafür, dass das Wiegesystem gescheitert ist. 60 bis 70 Tonnen wilder Müll werden jedes Jahr eingesammelt.
Allerdings ist bei dieser Menge auch die Papierkorbentleerung eingerechnet. 140 Kilo Müll fallen laut Bergischem Abfallwirtschaftsverband (BAV) pro Einwohner und Jahr durchschnittlich an. „In Kürten sind es 116 Kilo“, berichtet Eckfeld. Seit der Einführung des Wiegesystems stagniert das Restmüllaufkommen zwischen 2300 und 2400 Tonnen. „Trotz steigender Einwohnerzahlen“, betont Lüke.
Restmüll beim Arbeitgeber entsorgt
Es gibt aber auch Haushalte, bei denen nur 20 bis 30 Kilo Abfall im Jahr anfallen oder sogar solche, die angeben, gar keinen Restmüll zu haben. „Dem sind wir nachgegangen“, sagt Lüke. Dort bekamen die Gemeindemitarbeiter zu hören, dass die Verpackungen im Laden gelassen würden oder der Restmüll beim Arbeitgeber entsorgt werde. „Die Frage ist: Wie wollen Sie das nachweisen?“, sagt Lüke. Bei einigen könne das geringe Abfallaufkommen jedoch durchaus nachvollzogen werden.
Mit einem Fahrer und zwei sogenannten Kippern ist die Müllabfuhr in Kürten unterwegs. Sobald die Tonnen in das Müllfahrzeug eingehängt sind, wird die Chipnummer eingelesen. Sie erscheint auf einem kleinen Monitor in der Fahrerkabine. Nach der Entleerung wird dort auch die gewogene Menge angezeigt.
Jedes Kilo Müll kostet 42 Cent. Durch das Wiegesystem fühlen sich besonders diejenigen benachteiligt, die Windeln von Kindern oder pflegebedürftigen Senioren entsorgen müssen. Zwar können Familien bei der Gemeinde 25 Windelsäcke für 6,25 Euro kaufen, doch die werden genau wie der Restmüll gewogen. Bis 2001 gewährte die Gemeinde einen Windelzuschuss von 30 bis 50 Euro pro Jahr.
„Aber das ist aufgrund der Haushaltssituation nicht mehr möglich“, erklärt Lüke, eine Finanzierung aus dem Gebührenhaushalt sei nicht statthaft. Inzwischen landet so manche Kürtener Windel im Wipperfürther Windelcontainer. „Die dürfen sich nur nicht erwischen lassen“, sagt Lüke und erklärt, dass die Nachbarkommune dies nur deshalb bieten könne, weil sie sich nicht im Nothaushalt befinde und diesen Service aus den freiwilligen Leistungen finanziere.
