Musikalisches GeschwisterpaarBegehrte Musiker aus Kürten

Heike und Guido Gorny sind ein besonders musikalisches Geschwisterpaar.
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Kürten – Manchmal wird Guido Gorny gefragt, was er da mit sich herumträgt. Ein großes Teil ist es, schwer ist es auch. Ganz anders als das filigrane Köfferchen seiner Schwester Heike Gorny, das vergleichsweise leicht in der Hand liegt. Aber beide Male sind es faszinierende Musikinstrumente: Guido Gorny spielt Tuba, Heike Gorny Querflöte. Gemeinsam sind die beiden wohl eines der musikalischsten Geschwisterpaare, die Kürten hervorgebracht hat.
Immer freitags ist der Tuba-Spieler in Kürten anzutreffen. Zusätzlich zu seiner musikalischen Karriere ist Guido Gorny ausgebildeter Dirigent, und in dieser Funktion leitet er seit 2006 den Musikverein Kürten. Gorny wohnt mit seiner Familie in Leverkusen, auf der Fahrt zur Freitagsprobe hält er meist im Dorf Unterbörsch an – bei seiner Schwester, die daheim im elterlichen Haus wohnt.
Begehrte Musiker
Gesprochen wird dann über musikalische Trends, neue Kompositionen, Konzerte. Heike und Guido Gorny sind begehrte Musiker, die als Gastmusiker oder Solisten deutschlandweit unterwegs sind. Der Stopp daheim ist für Guido Gorny wichtig, die Geschwister sind durch die Musik eng verbunden. „Wir haben uns auch schon am Telefon gegenseitig vorgespielt“, ergänzt Heike Gorny. Erst kürzlich spielten sie in der Dürscheider Pfarrkirche St. Nikolaus gemeinsam, im Rahmen der „Sommerkonzerte St. Marien“.
Das kommt, sagen die Gornys übereinstimmend, gar nicht so häufig vor. Denn Querflöte und Tuba sind Instrumente, die sich vom Klangbild deutlich unterscheiden. „Aber es gibt einige wenige Kompositionen dafür“, sagt Guido Gorny. Der Hall des Kirchenraums sei die Herausforderung gewesen.
Der umgekehrte Fall kommt häufiger vor bei den Geschwistern: Der eine hat seinen Part im Konzert bereits gespielt, wenn der andere beginnt. Oder Guido Gorny dirigiert, und seine Schwester ist eine der „Querflöten“. Legendär ist ihre Klavierprüfung an der Musikhochschule Köln. Ein Instrument durfte begleiten. Heike Gorny wählte ihren Bruder mit der Tuba. Das habe bei den Prüfern für großes Staunen gesorgt. Heike Gorny bestand die Prüfung.
Die musikalischen Wurzeln reichen zurück in den Musikverein „Edelweiß“ Offermannsheide. Anfang der 70er-Jahre begann Heike dort mit Flötenunterricht. Aus der Musikschule Kürten bekam der Bruder seine Inspiration. Die Eltern unterstützten das Hobby, gegenseitig inspirierten sich die Geschwister. Josef Fröhlingsdorf, damals Leiter der Kreismusikschule, war ein Förderer, dem Guido Gorny seinen eigenen Worten zufolge „vieles zu verdanken“ hat. Professor Hans Gelhar, der Solo-Tubaist im Kölner Gürzenich-Orchester, nahm sich des Nachwuchsmusikers später an.
Reifeprüfung für Orchester
Die gemeinsame Liebe zur Musik blieb während der Schulzeit, wurde eher noch stärker. Heike Gorny machte die Reifeprüfung für Orchester und ihr Konzertexamen, Guido Gorny entschied sich für Tuba und Posaune, fürs Diplom im Dirigat und als Kirchenmusiker.
Heute ist die Musik der Beruf beider, er unterrichtet an der Musikhochschule Düsseldorf und am Antonius-Kolleg in Neunkirchen-Seelscheid, hat eine Stelle als Kirchenmusiker in Bonn und ist bei den „Kölner Dombläsern“ und Cologne Brass. Seine Schwester lehrt an der Städtischen Musikschule in Wipperfürth und arbeitet projektbezogen an der evangelischen Kirche in Radevormwald.
„Wir üben täglich, selbstverständlich“, sagt die Musikerin. Mindestens zwei Stunden sind notwendig, um das höchste Niveau zu halten. Daheim hat sie Schränke voller Partituren. „Das Üben macht Spaß, das ist das Wichtigste. Ohne Spaß würde ich es nicht machen.“ Da nickt der Bruder zustimmend. Er, der Tubaspieler, hält gern Ausschau nach neuen modernen Stücken für sein Instrument. Vieles ist in Bewegung in der Szene. „Beim Echo-Preis ist Tubaist Andreas Martin Hofmeir ausgezeichnet worden. So etwas war vor Jahren undenkbar.“
Einen Lieblingskomponisten hat Heike Gorny nicht. „Aber ein Lieblingsinstrument“, deutet sie beim Fototermin im Gladbacher Buchmühlen-Park auf den Inhalt des Köfferchens.
