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Wipperfürther Straße in DürscheidViele kleine Lädchen mit Charme

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Die Wipperfürther Straße prägt den Kürtener Ortsteil Dürscheid.

Kürten – Ein typischen Straßendorf ist Kürten-Dürscheid. Die Hauptachse Wipperfürther Straße durchschneidet den Ort, die meisten Autofahrer rauschen durch auf ihrem Weg zur Arbeit. Oder? „Viele halten auch an und kaufen ein“, findet Anke Oberbörsch, die mit Ehemann Thomas den Nahkauf-Markt betreibt. Das Geschäft, der Rewe-Kette angegliedert, ist mit seinen 750 Quadratmetern Verkaufsfläche fast so groß wie ihr zweiter Markt, der Rewe im übernächsten Dorf Eichhof.

Zu tun ist immer etwas, findet Mitarbeiterin Franziska Hampel, die an diesem Tag den Laden „mit schmeißt“. „Meistens sind es die kleineren Einkäufe, die hier um die Ecke erledigt werden“, sagt Anke Oberbörsch. Der Wocheneinkauf werde hingegen meist in größeren Märkten getätigt. Dürscheid mit seinen knapp 3000 Einwohner sei aber groß genug für einen eigenen Supermarkt – trotz der neuen Konkurrenz in Kürten-Biesfeld.

Mit Grundschule, zwei Kindergärten und dem Einzelhandel an der Wipperfürther Straße habe der Ort vieles zu bieten: „Wir haben mit Felder und Quabach zwei Bäckereien und die Metzgerei von Werner und Rita Molitor.“ Dürscheid, ein Schlafdorf für Berufstätige? So sei es hier überhaupt nicht. Oberbörsch: „Alles ist hier in der Nähe.“ Mit einem Reiter-Shop, dem Atelier Feinschliff von Goldschmiedin Sarah Steinmüller und dem „Teegestöber“-Lädchen Anke Rotts seien sogar Angebote vorhanden, die es anderswo nicht gebe.

„So ein richtiger Treffpunkt wäre auch toll für den Ort“

Fehlt denn überhaupt was? Im Friseursalon Jenzer wissen es die Friseurinnen Ilona Hermanski und Karin Novy sofort. „Eine Eisdiele und eine Drogerie!“ Einen kleinen „Schlecker“-Drogeriemarkt gab es bis zum Aus für den Filialisten, ein Leerstand noch heute. Die Friseurinnen sind im Stress, vor den Ferien wollen alle noch schnell die Haare schneiden lassen. „So ein richtiger Treffpunkt wäre auch toll für den Ort“, sagt Karin Novy. „Klar, wir haben den Dürscheider Hof, da geht man hin, wenn man gut essen möchte.“ Dazu fehle noch etwas Kneipenmäßiges. Und die Eisdiele? Ja, die könnte man auch gut gebrauchen. Wünschen sei immer erlaubt.

„Wir müssen halten, was wir vor Ort haben“, kommentiert Karl-Heinz Burgmer. Mit Sohn Nicolas führt er eine Steuerberatung im Ort, ehrenamtlich ist er erster Vorsitzender der Interessengemeinschaft (IG) Dürscheid, der die Vereinsgründung anstrebt. Der Leerstand sei noch überschaubar: Das vor kurzem geschlossene Blumenlädchen hat er im Blick, ebenso die Gaststätte Haus Oessenich, aus privaten Gründen vorübergehend zu.

„Andernorts passiert auch etwas“, sagt Burgmer und schaut die Straße aufwärts ins zwei Kilometer entfernte Biesfeld. Neuer Supermarkt und renoviertes Gasthaus prägen den Nachbarort. Für Dürscheid gelte es, die jetzige Einkaufssituation zu sichern. Mit der IG – die meisten Einzelhändler sind Mitglieder – sei ein gutes Instrument vorhanden. Burgmer und seine Mitstreiter denken an zusätzliche Freizeitangebote, die das Leben in Dürscheid noch attraktiver machen sollen.

„Wir haben auch einige Vereine, den Sportverein DJK, Blasorchester und Singgemeinschaft, die Schützen und Karnevalisten.“ Das Gleichgewicht im Ort ist das, was Burgmer bewegt. Mit dem neuen „Gesundheitshaus“ am Ortsausgang in Steeg seien die gesundheitlichen Angebote von der Apotheke (der zweiten im Ort) bis zum praktischen Arzt gebündelt. Die Wege im Ort hätten sich daher für viele Dürscheider verändert, das müsse beachtet werden.

„Diese vielen kleinen Lädchen sind typisch für Dürscheid.“ Gaby Lamsfuß führt selber einen namens „Ideen“, mit Geschenkideen, Schmuck, Modischem, Accessoires. Seit 15 Jahren gibt es die „Ideen“. Viele Stammkunden kommen zu ihr, aber auch Neubürger, so wie Kundin Susanne an diesem Tag. „Schön, dass es so etwas hier gibt“, findet sie. Das spare den Weg nach Köln und Gladbach.

Gaby Lamsfuß kennen alle im Dorf, genauso wie Christa Heidkamp, die seit zwölf Jahren freitags im Lotto-Zeitschriften-Laden von Michael Beuth arbeitet und auch für Post und Pakete zuständig ist. Zu tun ist im Geschäft einiges, unentwegt strömen die Kunden zu ihr. Dass es Neubaugebiete wie das an der Straße Huferhof gebe, sei zu merken. Bald komme mit Winterberg weiteres Bauland dazu.

Ruhig ist es am Nachmittag dagegen noch bei Christian und Sebastian Schneider, die den Dürscheider Hof nach dem frühen Tod ihres Vaters Bernd in Fortführung der Familientradition betreiben. Die Brüder, auch aktiv in der IG, haben das Gasthaus zu neuem Leben erweckt. Christian macht Service, Sebastian kocht. Der Dürscheider Hof ist derzeit das einzige Gasthaus im Dorf. Die Schneiders sehen sich als Kommunikationsort und Schnittstelle fürs Leben im Dorf. Dürscheid stehe ganz gut da, meint Christian Schneider. Dran arbeiten, dass es so bleibe, müssten aber alle im Ort.