Altenberger DomGebete zwischen Sturzhelmen

Rund 1500 Motorradfahrer kamen zum Altenberger Dom.
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Odenthal – Es kommt zwar nicht alle Tage vor, dass ein Pfarrer mit Zopf und Warnweste im Altenberger Dom predigt und zwischendurch als Rocksänger am Mikro steht, aber es hat Tradition.
Bereits zum 35. Mal machten sich am Samstag Motorradfahrer aus ganz NRW von Köln aus auf den Weg nach Altenberg, zur Demo-Gedenkfahrt mit Grillwürstchen am Märchenwald und Gottesdienst in der ehemaligen Klosterkirche.
Kurz vor 13 Uhr erreichte der Korso aus 1500 Maschinen Odenthal und legte erst einmal für längere Zeit den Verkehr am Kreisel lahm. Was für manch einen Autofahrer, der unerwartet im Stau stand, eine leidvolle Erfahrung war, stellte für viele Ausflügler und Anrainer der Strecke eine Attraktion dar.
Statt Diskussionen über Rüttelstreifen und Lärmbelästigung gab es ein gerüttelt Maß Betroffenheit. Für jeden verstorbenen Biker ließ Pfarrer Ingolf Schulz von der Aktion Blauer Punkt (einem Zusammenschluss christlicher Motorradfahrer der Evangelischen Kirche im Rheinland) eine Kerze aufstellen, als Erinnerung und zugleich (zwischen ablegten Sturzhelmen und im Widerschein der darunter liegenden Rettungsfolie) als Mahnmal für mehr Rücksichtnahme im Straßenverkehr.
Gestaltet wurde die Andacht unter anderem mit dem Biker-Credo, dem Psalm eines Motorradfahrers sowie mit rockigen Rhythmen von Udo Lindenberg oder auch aus der Feder von Biker-Pfarrer Schulz. Er sei auch schon mal gerast und aus der Kurve geflogen, aber eigentlich brauche man den besonderen Kick gar nicht, um den Weg ins Leben zu finden, meinte er.
Dafür genüge oft ein kleiner Anstoß. Aufs Thema abgestimmt waren dabei auch die Himmelsboten. „Engel sind keine süßlichen Typen mit Flügeln“, behauptete Schulz, „eher tragen sie Kutte und Rückentattoo“. (kme)
