Platz für FlüchtlingeKünstlergemeinschaft im Christophorushaus wird aufgelöst
Odenthal – Wenn Christine Strelow aus dem Fenster ihres Ballettsaals schaut, ist sie ein bisschen wehmütig. Der Blick auf den Altenberger Dom, den sie aus dem Christophorushaus hinaus hat, liebt sie sehr. Aber sie freut sich auch, „nach all den Jahren mal endlich keine kalten Füße im Winter zu haben.“ Bis Ende des Jahres muss sie mit ihrem Ballettstudio Assemblé, das seit 2005 im ehemaligen evangelischen Gemeindehaus in Altenberg beheimatet ist, die Räume verlassen haben. Künstler Plamen Bibeschkov hat sein Atelier schon Mitte November leer geräumt.
Vermieter Reinhold Bachmann hat allen Mietern der linken Haushälfte gekündigt, die Wohnungen auf der rechten Hausseite sind nach seinen Angaben nicht betroffen. Im Februar sollen etwa 15 Flüchtlinge in die ehemaligen Ateliers einziehen. Bürgermeister Robert Lennerts bestätigt dies auf Anfrage. Bachmann hat die Räume der Gemeinde mietfrei zur Verfügung gestellt, lediglich die Nebenkosten und die Unterhaltung müssen bezahlt werden. „Ich möchte nicht am Elend der Flüchtlinge verdienen“, sagt Bachmann.
„Just als wir die Pläne für die Nutzungsänderung beauftragt und auch bezahlt haben, die er von uns gefordert hatte, kam die Kündigung“, berichtet Tanzpädagogin Strelow. Bachmann sieht das anders. „Es ist in gewerblichen Mietverträgen normal, dass der Mieter sich um solche Sachen kümmert“, sagt der Diplomkaufmann. Er hatte das Haus, das in den 60er Jahren gebaut und bis 1995 als evangelisches Gemeindezentrum genutzt wurde, 2005 von der evangelischen Landeskirche gekauft. Bachmann schwebte eine Künstlergemeinschaft vor, die sich gegenseitig hätte inspirieren können. Eine Malerin, eine Schmuckdesignerin, ein Autor und Schauspieler - Kreative gab es viele im Haus, aber auch viele Mieterwechsel. „Viele haben nur auf die niedrige Miete geschaut, um ihr Gewerbe günstig betreiben zu können. Zum Schluss waren alle miteinander verkracht“, resümiert Bachmann enttäuscht.
60 Cent pro Quadratmeter
Auch für Strelow war die Miete von 60 Cent pro Quadratmeter der Grund, nach Altenberg zu ziehen. Sie hatte versuchsweise kostenlose Ballettstunden in Odenthal gegeben, konnte für diese die Spiegelhalle am Schulzentrum nutzen. „In kurzer Zeit hatte ich so viele Interessenten, dass ich mich selbstständig machen wollte. Deshalb griff ich zu, als ich in Altenberg die Räume günstig bekam. Ich wollte dort aber nur so lange bleiben, bis ich etwas Richtiges gefunden hätte“, erinnert sich die Mutter eines Sohnes, die in Erftstadt ein zweites Tanzstudio besitzt und heute auch dort lebt.
Die Umkleide der Tänzerinnen in der ehemaligen Kapelle, der Tanzsaal im ehemaligen Konfirmandenraum waren zweckmäßig, durch die Glaskuppeln über den Toiletten dringt Wasser. „In manchem Sommer waren die Wände im Büro, wenn ich nach den Ferien hereinkam, komplett verschimmelt“, erinnert sich Strelow. Betritt man das Haus, riecht es auch heute noch muffig, obwohl Strelow überall Entfeuchter aufgestellt hat. Sie ist froh, bald neue Räume beziehen zu können. Auch sie berichtet von Zwist unter den Mietern.
In Schildgen wird sie ihr Studio weiterbetreiben. Vorausgesetzt, sie bekommt rechtzeitig eine Nutzungsänderung für die neuen Räume an der Altenberger Dom-Straße. Denn auch hier muss sie erst einmal umbauen, zuletzt war ein Weinhandel in der ehemaligen Gaststätte. „Aber alles ist gepflegt, die Toiletten sind in einem Top-Zustand, das ist kein Vergleich mit Altenberg“, sagt die in Odenthal aufgewachsene Tänzerin.
