Abo

Neuer OGS-Träger gesuchtKirche steigt aus „Erfolgsmodell“ OGS-Betreuung Neschen aus

3 min

Plätze im Offenen Ganztag sind stark gefragt. 

Odenthal – Die Gemeinde Odenthal sucht einen neuen Träger für die Offene Ganztagsschule (OGS) Neschen. Bisher wird die Einrichtung von der Evangelischen Domgemeinde Altenberg geleitet. Doch die habe den Vertrag zum Schuljahr 2023/24 gekündigt, berichtete Martin Stein, Dezernent der Verwaltung, im Schulausschuss.

Pfarrerin Claudia Posche, die als beratendes Mitglied an den Ausschusssitzungen teilnimmt, bestätigte die Kündigung. Paradoxerweise sieht sich die Kirche zum Rückzug gezwungen, weil die Einrichtung zum „Erfolgsmodell“ geworden sei, erläuterte Posche.

Die Schulen

Anmeldezahlen

An den Odenthaler Grundschulen wurden insgesamt 174 Jungen und Mädchen eingeschult (Vorjahr: 176). Davon in Blecher 50 (49), in Eikamp 29 (36), in Odenthal 26 (25), in Neschen 27 (19) und in Voiswinkel 42 (47).Die Ganztagsrealschule Odenthal nahm 56 Kinder neu auf (57), das Gymnasium 110 (113).Für die Betreuung im Offenen Ganztag haben sich insgesamt 512 Kinder angemeldet (Vorjahr: 475). Davon in Blecher 130 (132), in Eikamp 94 (83), in Odenthal 87 (90), in Neschen 61 (45) und in Voiswinkel 140 (125). (spe)

„Wir haben die OGS aus dem Nichts aufgebaut und haben derzeit 59, bald 61 Kinder“, sagte sie. Dadurch sei der Verwaltungsaufwand enorm gestiegen. Ohne hauptamtliche Geschäftsführung sei eine kleine OGS für ehrenamtlich tätige Presbyter gerade noch zu schultern, in der jetzigen Größenordnung aber nicht mehr, bedauerte sie.

Die Aufgaben seien immer komplexer geworden: „Alleine die Zuwendungsbescheide zu verstehen...“. Zudem müsse die Kirche ihre Kräfte angesichts sinkender Mitgliederzahlen und rückläufiger Kirchensteuer bündeln. Auch in Neschen stelle man fest: „Die wenigsten sind Kirchenmitglieder und die allerwenigsten sind evangelisch.“

Bedauern im Ausschuss

Die Solidargemeinschaft habe sich zu großen Teilen verabschiedet, bedauerte Claudia Posche im Ausschuss. „Mir tut das sehr leid, aber ich kann mir die Ehrenamtler und die Gemeindemitglieder nicht von den Bäumen pflücken.“

Finanzielle Gründe seien aber nicht ursächlich für die Kündigung, erläuterte Bernhard Hausberg, als Presbyter bis vor kurzem Finanzkirchmeister und aktuell Bezirksausschussvorsitzender Altenberg auf Nachfrage. Denn die OGS Neschen arbeite mit guter Leitung und finanziell solide. „Da sind wir – anders als 2021 – im grünen Bereich“, sagte er.

Damals hatte die Einrichtung mit nur 33 Kindern nicht kostendeckend arbeiten können und die Kirchengemeinde ihre Trägerschaft wegen eines finanziellen Defizits gekündigt. Diesen Schritt hatte die evangelische Gemeinde dann aber noch einmal zurückgenommen, nachdem die Kommune zugesagt hatte, notfalls bis zu 15.000 Euro jährlich beizusteuern.

Überforderung des Ehrenamtes

Mit der heutigen Auslastung bestehe dieses Problem nicht mehr, so Hausberg. Allerdings überfordere der große OGS-Betrieb mit der Fülle an verwaltungstechnischen, personellen und pädagogischen Fragen das Ehrenamt. „Das ist kein singuläres Problem unserer Kirchengemeinde“, erläuterte er.

Aus diesem Grund seien die evangelischen Kirchengemeinden bereits aufgefordert, die Verwaltungsaufgaben für ihre Kindertagesstätten an einen professionellen Kitaverband zu übertragen. Für die Offenen Ganztagsschule stehe dies aber noch aus. „Und darauf warten“, so Hausberg, „können wir nicht“.

Das könnte Sie auch interessieren:

Um die Suche nach einem neuen Träger zu erleichtern, so Pfarrerin Claudia Posche, habe man der Kommune die Kündigung mit sehr großem zeitlichen Vorlauf mitgeteilt.