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FreizeitSchmitzchen Schleichers Wanderweg

3 min

Jürgen Schmitz zeigt seinen Wanderweg.

Bergisch Gladbach/Odenthal – Nein, Ähnlichkeit mit Nico Haak hat Jürgen Schmitz nicht. Haak war der Sänger, der 1976 von Schmidtchen Schleicher sang, dem tanzwütigen Parketthelden „mit den elastischen Beinen“. Aber über Humor und Selbstironie verfügt er dennoch. Denn Jürgen Schmitz aus Hand ist hochoffizielle Namensgeber für „Schmitzchen Schleichers Wanderweg“. So prangt es auch auf den offiziellen Hinweisschildern, die zum Beispiel am Märchenwaldparkplatz in Altenberg an einem Laternenpfahl angebracht wurden.

„Mein Vater bekam von seinem Arzt vor etlichen Jahren den Hinweis, dass er sich mehr bewegen sollte. Als der »Kölner Stadt-Anzeiger« seinen ersten Wandertag anbot, sind wir mitgelaufen, seitdem gehörte das Wandern für uns zu unserer Freizeit dazu“, erzählt Schmitz, der in Bergisch Gladbach-Hand lebt und seit 30 Jahren mit seiner Frau Margarete verheiratet ist.

Wie viele Kilometer er inzwischen gewandert ist, kann er nicht mehr sagen. Es müssen aber viele sein, denn das Marathonwandern gehört zu seinem liebsten Freizeitbeschäftigungen. Wie beim Marathonlauf muss eine Strecke von 42 Kilometern Länge bewältigt werden. „Wir sind aber auch schon 50 Kilometer gelaufen“, ergänzt Schmitz nicht ohne Stolz. Der Industriemeister sitzt beruflich den ganzen Tag am Computer, die Bewegung in der Freizeit ist für ihn ein optimaler Ausgleich dazu.

Es war nicht immer einfach

Dass er eines Tages Namensgeber für einen offiziellen Wanderweg sein würde, daran hat er allerdings nicht im Traum gedacht. „Ich bin bei den Wandergesellen Alt-Hürth, und die haben schon fünf Themenwege rund um Köln ausgewiesen. Als es dann um einen Weg im Bergischen ging, meinte unser erster Vorsitzender Frank Over, dass ich die Strecke auskundschaften solle, weil wir ja dort wohnen.“ Gesagt, getan: Fast ein Jahr lief Schmitz gemeinsam mit seiner Ehefrau zwischen Schildgen und Odenthal hin und her, dann stand die Strecke für „Schmitzchen Schleichers Wanderweg“. Und damit begannen die Probleme. „Die Gemeinde Odenthal wollte nichts genehmigen, niemand wollte uns unterstützen. Erst als wir uns an die Bezirksregierung gewandt haben, klappte es mit der Genehmigung“, erinnert sich Schmitz. Für die Gemeinde Odenthal war damals David Bosbach zuständig, der heute stellvertretender Geschäftsführer der Naturarena ist, dem Tourismusverband für das Bergische. „Ich kann nichts dazu sagen, wie das damals in Odenthal gelaufen ist. Als Naturarena war es uns wichtig, ein überschaubares und qualitativ hochwertiges Wegenetz zu haben. Deshalb haben wir im Zuge der Ausweisung unseres Netzes ältere Wege entwidmet.“

Auch der Sauerländische Gebirgsverein, der normalerweise in Odenthal Wanderwege gemeinsam mit der Gemeinde ausweist, war nicht begeistert von dem als Konkurrenz empfundenen Vorhaben. Schmitz ist über die Wandergesellen aus dem Linksrheinischen im Deutschen Volkssport Verband (DVV) organisiert und kann die Animositäten zwischen den diversen Verbänden nicht nachvollziehen. Als es im Sommer 2013 dann doch grünes Licht gab, war er sehr froh. „Unser Verein hat rund 50 Mitglieder, viele davon sind in die Jahre gekommen. Dann ist es schon eine Leistung, sechs Wege auszuweisen.“

Die Naturarena hat Jürgen Schmitz immerhin nach seiner Darstellung versprochen, bei einer eventuellen Neuauflage seinen Wanderweg mit in die von ihr herausgegebenen Karten aufzunehmen. Denn auf den aktuellen Karten fehlt er. Derzeit wird man auf den Weg nur aufmerksam, wenn man eine Plakette am Rand der Strecke sieht, im Internet recherchiert oder in Café Pieper in Schildgen nach einem Flyer des DVV fragt.