Mordprozess gegen Odenthalerin„Ich habe nie daran gedacht, meinen Mann umzubringen“

Heimtückischen Mord wirft die Anklage der 61-jährigen Frau aus Odenthal vor (hier mit ihren Strafverteidigern).
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Köln/Odenthal – Es ist ein ganz normaler bürgerlicher Lebenslauf, den die wegen Mordes an ihrem Ehemann angeklagte Odenthalerin (61) dem Landgericht am zweiten Verhandlungstag präsentiert: Schule, Höhere Handelsschule, Ausbildung zur Stenotypistin bei den Ford-Werken und anschließend Karriere im Konzern.
Mit 15 lernt sie ihren Mann kennen, heiratet ihn später, dann kommt die einzige Tochter zur Welt. Ihr Mann ist derweil Betriebsschlosser, arbeitet zeitweise auf Montage. Doch dann wird die Firma, bei der er angestellt ist, verkauft, und er macht sich selbstständig als Transportunternehmer. Nach einer Rückenerkrankung mit chronischen Schmerzen kann er ab der Jahrtausendwende nicht mehr arbeiten. „Das war eine schlimme Zeit, in der er gar nichts machen konnte“, sagte die 61-Jährige, die sich am Mittwoch ausführlich zu ihrer Person äußerte.
Odenthalerin bestreitet heimtückischen Mord
Seit Dienstag muss sie sich einem Verfahren wegen heimtückischen Mordes vor dem Landgericht stellen. Sie soll ihren Mann am frühen Morgen des 17. Juni 2019 mit einem Stich in die Brust tödlich verletzt haben. Die Frau bestreitet die Tat.
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Durch die Krankheit, fährt die Angeklagte fort, habe ihr Mann regelmäßig Schmerzmittel genommen, aber auch Alkohol getrunken. Vornehmlich Bier. Die Frage der Richterin, wie viel, versucht die Angeklagte nervös wegzulächeln. Doch die Vorsitzende bleibt dran, will eine Antwort. Die 61-Jährige kann oder will dazu nicht wirklich was sagen, außer: „Ich habe nie den Kasten kontrolliert.“ Sie habe versucht, mit ihrem Mann darüber zu reden, aber der habe das nicht als Problem angesehen.
Verteidiger unterbricht die Aussage seiner Mandantin
Richterin Ulrike Grave-Herkenrath bohrt weiter nach und lockt die 61-Jährige etwas aus der Reserve: „Ich sehe den Weichzeichner der schönen heilen Welt am Werk, aber das glaube ich Ihnen so nicht. Ich glaube, es gab mehr Probleme.“
Die Reaktion der Angeklagten: Wie aus dem Nichts sagt sie plötzlich, sie habe ihren Mann nicht verlassen wollen, „das wäre für ihn ja nur schlimmer geworden. Ich habe immer zu ihm gehalten.“ Sie atmet kurz durch und sagt weiter: „Ich habe niemals darüber nachgedacht, meinen Mann umzubringen. Niemals!“ Dann geht ihr Verteidiger dazwischen und sagt, dass man sich erst am kommenden Verhandlungstag zum Tatvorwurf äußern werde.
Das Verfahren wird fortgesetzt.


