Die Gemeinde Odenthal hat nach der Anhörung von Experten in den politischen Gremien wenig Perspektiven für alternative Energiegewinnung – zu wenig, findet unser Autor.
Kommentar zur Energiesuche in OdenthalStärker über den eigenen Tellerrand schauen


Wasserkraftwerk an der Sülz in Overath-Brombach.
Copyright: Klaus Daub
Die Zurückhaltung, mit der Experten in den politischen Gremien der Gemeinde Odenthal die Chancen zur Nutzung alternativer Energiequellen beurteilen, überrascht. Nicht nur, weil auch kleine, dezentrale Lösungen angesichts von Energie- und Klimanot wichtige Schritte sein könnten – auch Kleinvieh macht schließlich Mist –, sondern auch weil es in der Region seit Jahren funktionierende Pilotprojekte zur Erschließung alternativer Energien gibt.
An der Sülz in Brombach etwa nutzt ein Unternehmen eine Turbine zur Stromerzeugung und hat für Wanderfische längst eine aufwendige Fischtreppe errichtet.
Zahlreiche Vorzeigemodelle zur Energiegewinnung in der Region
Kurz hinter der Grenze zum Rhein-Sieg-Kreis produziert in Scheiderhöhe eine Biogasanlage Strom und durch ein eigens im Kirchort verlegtes Nahwärmenetz Heizenergie direkt in die Häuser. „Treibstoffe“ sind dort keineswegs in Monokultur angebauter Mais, sondern neben Gülle und Mist auch Speisereste und Fette.
Ein paar Kilometer weiter arbeitet in Overath gerade ein privater Investor daran, die Wärme aus dem Abwasserkanal einer Wohnstraße für die komplette Versorgung einer von ihm geplanten Neubausiedlung zu nutzen. Wohlgemerkt, nicht Idealismus oder politischer Beschluss zur Energiewende ist hier die Triebfeder, sondern die Motivation eines Investors.
Die Kreispolitik hat gerade gefordert, das kreisweite Wärmekataster zu forcieren, mit dem solche Energieprojekte auch anderenorts Schule machen könnten. Schwer vorstellbar, dass sich dabei keine Chance in Odenthal findet. Vielleicht hilft ja auch ein bisschen mehr Blick über den Tellerrand – am politischen Willen scheint’s doch nicht zu mangeln.

