ScherfbachtalstraßeEine Unfallstrecke mit hohem Risiko

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Odenthal – Es vergeht kaum eine Woche, in der es auf der Scherfbachtalstraße nicht kracht. Die Landstraße zwischen Odenthal-Funkenhof und Kürten-Bechen ist eine der unfallträchtigsten Verbindungen in der Region. Die Kreispolizei wurde im vergangenen Jahr zu 43 Unfällen gerufen, bei denen ein Mensch starb und sieben verletzt wurden. Und im neuen Jahr geht es weiter mit zerbeulten Autos und Notarzt-Einsätzen. Was ist da los?
Eine Antwort auf diese Frage zu finden ist gar nicht so leicht. Wenn die Verkehrsplaner wüssten, was zu tun ist, hätten sie es längst getan. So aber bewegt man sich immer noch im Stadium der Mutmaßungen. "Eine sehr interessante Strecke, in der Tat", sagt Polizeisprecher Peter Raubuch mit hörbarem Seufzer. Die Scherfbachtalstraße werde als "hoch unfallbelastet" eingestuft und sei längst im Fokus aller Analysen.
Obwohl die Straße gut ausgebaut und auch der Belag sehr ordentlich ist, scheint Raserei nicht das Hauptproblem zu sein. Nur sechs der 43 Unfälle, so Raubuch, seien auf ein Überschreiten der zulässigen Höchstgeschwindigkeit zurückzuführen. Dafür gab es aber 15 Begegnungen mit Wild, die zu Blechschäden führten. Elfmal knallte es an Einmündungen.
Die Zahl der Wildunfälle ist laut Polizei ungewöhnlich hoch. Raubuch: "Es ist leider so, dass viele Autofahrer die entsprechenden Hinweisschilder kaum noch beachten." Problematisch seien auch vielen Kurven auf der Straße und die häufigen Wechsel von Hell- und Dunkelphasen. Man sei allerdings zu dem Ergebnis gekommen, dass weitere Geschwindigkeitsbeschränkungen diese Probleme nicht lösen würden.
Peter Raubuch: "Man muss den Autofahrern dennoch in Erinnerung bringen, dass sie nicht unbedingt so schnell fahren müssen, wie gerade noch erlaubt ist. Es gilt der oberste Grundsatz für alle Autofahrer, nur so schnell unterwegs zu sein, dass jede Situation beherrschbar bleibt."
Bernd Neuburger ist Fahrschullehrer in Odenthal. Wie ist sein Eindruck von der Scherfbachtalstraße? "Das Problem ist, gerade jungen Autofahrern immer wieder zu erklären, dass es einen Unterschied zwischen zulässiger Höchstgeschwindigkeit und angepasster Geschwindigkeit gibt", erläutert Neuburger. "Auf der Scherfbachtalstraße gibt es viele Kurven, die man einfach nicht mit 100 Stundenkilometern fahren kann, obwohl es erlaubt wäre. Wenn man dies aber erst am Ende der Kurve feststellt, ist es meistens schon zu spät." Auch Hinweise auf Wildwechsel müsse man ernst nehmen: "Wir leben nun mal in einer waldreichen Gegend, in der jederzeit ein Tier über die Straße laufen kann. Und dann macht es einen großen Unterschied, ob der Aufprall mit 70 oder 100 Stundenkilometern erfolgt."
Die Notwendigkeit baulicher Veränderungen auf der Scherfbachtalstraße sieht Neuburger nicht. Man könne vielleicht die eine oder andere Geschwindigkeitsbeschränkungen etwas länger "ziehen", damit sie für die gesamte Strecke einer Kurve gelte. Wenn das Aufhebungsschild zu früh komme, drückten viele Autofahrer unweigerlich wieder aufs Gaspedal. Zu früh, wie dann der Unfallbericht hinterher feststellt.
Die Kreispolizei versucht seit Monaten, durch regelmäßige Blitz-Aktionen auf der Straße Präsenz zu zeigen. Aber gerade in den unfallträchtigen Kurven ist das nicht immer möglich, weil für das Aufstellen eines Radargeräts gewisse räumliche Voraussetzungen nötig sind. Die Straße muss auf einer gewissen Strecke einsehbar sein - und das ist sie im Scherfbachtal nun wirklich nicht.
