Welpen in OdenthalKleine Dackel entdecken die Welt

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Odenthal – Es gibt Bierdackel, Salondackel und Gebrauchsdackel. Jedenfalls nach Ansicht des Münchner Dackelmalers August Roeseler, der um 1900 des Deutschen damals liebstes Kurzbein in diese Kategorien einsortierte. Heute sind Dackel selten geworden auf Straßen und Plätzen, was Nicole Zarzuela überhaupt nicht verstehen kann. „Im Wald gibt es keinen besseren Hund, um Wildschweine zu jagen, und trotzdem sind Teckel absolut familientauglich“, findet die Züchterin und Jägerin aus Odenthal, die ihre Tiere zugleich auch bei der Jagd einsetzt. Folglich heißt ihre Zucht „Teckel vom Sauenjäger“.
Derzeit gehören nicht nur die drei Hundedamen Dana, Irma und Blanca dazu, sondern noch 20 kleine Pfoten, die noch ein wenig unbeholfen durch den Garten und das Haus in Eikamp tapsen. Am 17. Juni bekam die jüngste ihrer Hündinnen, die dreijährige Blanca, fünf Welpen.
Bevor die Kleinen in ein paar Tagen zu ihren neuen Besitzern ziehen, haben sie schon viel erlebt. Als die Welpen am 17. Juni auf die Welt kamen, wogen sie zwischen 240 und 300 Gramm, waren blind und taub. Inzwischen sind entdeckungslustige Minidackel aus den fünf Geschwistern geworden. Schmusebacke Emil, der schöne Eduardo, der mutige El Fandi, der den Namen eines berühmten Toreros trägt, Enzo, der sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen lässt, und die kleine Eira wuseln im Garten der Familie Zarzuela rum.
Die Welpen entdecken jeden Tag Neues. Zum Beispiel, dass die Hühner im benachbarten Stall, wenn sie ein Ei gelegt haben, gackern. Ein Geräusch, das die kleinen Hunde ziemlich spannend fanden. „Normalerweise sind sie bis jetzt nur nachmittags im Garten gewesen, daher haben sie das Gegacker noch nie gehört“, erklärt die Züchterin.
Mit liebevollem Blick beobachtet sie die unterschiedlichen Reaktionen des Quintetts. Während einige Welpen interessiert auf die Tür zustreben, aus der das Geräusch dringt, tritt einer den Rückzug an. Dem kleinen Kerl sind die Töne sichtlich unheimlich. Eine Taktik, die seine Hunde-Oma Irma gar nicht verstehen kann, „wenn ein neugieriges Huhn schon mal über den Zaun flattert, bricht bei ihr sofort der Jagdtrieb durch“, umschreibt Zarzuela das jähe Ende eines Hühnerlebens.
Mit fünf Jahren bekam Nicole Zarzuela den ersten Dackel, einen Langhaardackel, der sie fortan überall hin begleitete. Später folgte Batzi. Die Rauhaardackelhündin war die erste, mit der die gelernte Groß- und Außenhandelskauffrau züchtete. „Es ist schon ganz lustig, wie unterschiedlich das Publikum auf den Zuchtschauen ist“, schildert Zarzuela. Da gebe es den Typen mit Glatthaardackel, wie ihn Tom Gerhard in der gleichnamigen Comedy-Serie als „Hausmeister Krause“ persifliert, ebenso wie die älteren Damen mit der perfekten Dauerwelle und einem gepflegten Langhaarteckel an der Leine. Die einmalige Teilnahme an solchen Zuchtschauen ist verpflichtend, wenn man eine Zuchtzulassung des Hundeverbandes bekommen möchte. Dafür müssen das Verhalten und der Formwert des Tieres beurteilt werden.
Die Eikamper Teckeldamen haben alle auch eine jagdliche Prüfung abgelegt. Die zehnjährige Dana war in jungen Jahren eine Wildschweinjägerin. Heute genießt sie ihren Ruhestand und zeigt den jungen Hunden durch erhabenes Kopfwegdrehen, dass sie keinen Wert auf ein Spielchen legt. Irma, die Mutter von Blanca, spielt hingegen viel mit den Welpen.
Blanca, die „eine tolle Mutter ist“, versucht, die kleinen Mäuler mit den spitzen Welpenzähnchen nicht mehr allzu oft an ihre Zitzen zu lassen. „Wir füttern die Welpen schon mit fester Nahrung, frisches Fleisch und Hundeflocken mit Obst und Frischkäse stehen auf dem Speiseplan. Den bekommen die neuen Besitzer auch mit nach Hause, ebenso ein paar Tipps, wie aus den kleinen Krummbeinen gut erzogenen Teckel werden. „Ein Dackel hört, aber wenn er will“, weiß Zarzuela. Sie plädiert für eine konsequente, aber liebevolle Erziehung. „Man sollte mit den Tieren keine jagdliche Prüfung ablegen, wenn man hinterher nicht mit ihnen entsprechend arbeiten kann“, findet Zarzuela. Ein Hund, der gelernt habe, einer Spur zu folgen, wolle das auch weiter tun.
Kann das nicht im Zuge einer Jagd geschehen, werde ein solcher Hund mit hoher Wahrscheinlichkeit immer wieder ausbüxen. „Wenn der Dackel beschließt, dass er heute nicht auf seinen Namen hören will, dann kann man nichts dagegen tun.“
