Bitte eintretenLebensmittelpunkt für vier Generationen

Das Mehrgenerationenhaus ; v.l. Resi Habers, Niklas und Ina Habers mit Bastian l. und Tom und Rainer Habers.
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Overath – Das Leben auf dem Gehöft der Familie Habers lässt Sehnsucht nach der guten alten Zeit aufkommen. Nach der Zeit, wo die Oma auf die Enkel aufpasste und die Kinder dafür den Schnee schippten. Die Habers auf ihrem Hof in Warth bei Marialinden leben dieses Leben und haben sogar vier Generationen unter einem Dach.
Dabei ist die Familie aber keineswegs von vorgestern: „Wenn wir am Wochenende alle gemeinsam frühstücken wollen, fragen wir schon mal per SMS nach, wer Lust hat, die Brötchen zu holen“, sagt Rainer Habers. Mit seinen 51 Jahren ist der Unternehmer amtierender „Hof-Chef“ – neben seiner Mutter Resi (80). Noch ist er der Chef, denn seine Söhne Niklas (28) und Philipp (26) stehen bereit, um noch mehr Verantwortung zu übernehmen. Sie sind nicht nur familiär verbunden, sondern auch wirtschaftlich, über das in Köln sitzende Dienstleistungsunternehmen IDH mit bundesweit 160 Mitarbeitern, in das sie beide freiwillig eingetreten sind, und über den Pferdehof in Warth. Für die vierte Generation haben Niklas und seine ebenfalls 28 Jahre alten Frau Ina gesorgt: Das sind deren Söhne Bastian (3) und Tom (1).
Vier Generationen: Kann das funktionieren? „Bei uns ist immer was los“, sagt Rainer Habers. Dabei hat jeder hat seine eigenen Räume. Das Wohnhaus der Habers hat eine L-Form. Im Erdgeschoss eines Flügels wohnt Resi Habers, die Bastian auch schon mal „Ticktack-Oma“ nennt statt Uroma. Sie wohnt ebenerdig, also seniorengerecht. Ihre Küche ist der Treffpunkt in der Zeit, in der man nicht draußen sitzen kann. Der eigentliche „Meeting point“ ist auf dem Hof – wo die Alten auf den Bänken sitzen und sich die Kurzen auf ihren Bobbycars über das leichte Gefälle freuen. Die Etage über ihr bewohnt Enkel Philipp.
In der ersten Etage des anderen L-Flügels wohnt Rainer Habers. Er besitzt einen großen Wohnraum mit Sitzecke, einem Esstisch mit sechs Stühlen und einer offenen Einbauküche, Buche natur. Kochen könnte hier wirklich Spaß machen, allerdings deuten die beiden auf dem Herd platzierten Laptops darauf hin, dass der Hausherr mit dem Kochen nicht viel im Sinn hat. Eine Treppe führt unters Dach zum Schlafgemach. Habers wohnt allein, ist geschieden, aber wieder in festen Händen.
Unter seiner Wohnung befindet sich noch ein Gemeinschaftsraum, „wo die Oma ihren Kaffeeklatsch abhält und wir die Taufe von Tom gefeiert haben“, berichtet Rainer Habers. Niklas Habers und seine Familie schließlich wohnen ebenfalls im zweiten L-Flügel, der Eingang zur Familienwohnung liegt aber auf der Außenseite des Gebäudes. Zum Gehöft gehören außerdem noch eine alte Scheune, eine Halle für die Maschinen und schließlich ein Pferdestall, in dem die Vierbeiner zur Miete wohnen können – und das mit einer grandiosen, laut Niklas Habers unverbaubaren Aussicht auf Overath und das Aggertal. Wie viele Overather sind die Habers keineswegs schon seit Jahrhunderten ortsansässig. 1950 kamen sie an die Agger, weil der Vater von Resi Habers, Emil Genicke, aus gesundheitlichen Gründen seinen alten Hof bei Lüdenscheid aufgeben musste. 1964 brannte der Hof ab und musste neu aufgebaut werden.
Seit Anfang der 70er-Jahre schon betreibt die Familie die Landwirtschaft nur noch im Nebenerwerb. Heute finden auf dem Hof die unterschiedlichsten Festivitäten statt, vom Sommerfest der CDU, für die Rainer Habers im Rat sitzt, über die Feier des Bürgerbusvereins bis hin zum In-Tipp von Overath: die Party der „Jungbullen“, eines aus der Katholischen Jugend erwachsenen Kegelvereins. Wenn an Ostersonntag das Osterfeuer der Kolpingfamilie abgebrannt wird, beginnt die große Feier. Der Erlös wird gespendet, beispielsweise an ein Kinderhospiz.
Die Habers wohnen zwar ländlich, aber alles andere als abgelegen, und sie mischen in unzähligen Vereinen mit. Und sie haben sogar schon zweimal in den vergangenen fünf Jahren den Karnevalsprinzen von Overath gestellt – wobei der Vater den Sohn beerbt hat. Niklas Habers war 2011 Tollität, Rainer erst 2014.
