Einbringung der ErnteErntefest in Vilkenrath

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Overath – „Die Leute komm’n von Stadt und Land zum Vilkerather Erntedank“ – Das vergangene Wochenende feiert das Dorf an der Agger die Einbringung der Ernte und die reiche bergisch-ländliche Tradition. Mit der Erntefestparty für Junge und Junggebliebene am Freitagabend, dem „Festkommers“ am Samstagabend und dem sonntäglichen Umzug als Höhepunkt ist das Erntefest das größte Fest der Gemeinde. Den Abschluss des 141. Erntefestes bildete „Vilkerath in Flammen“ mit Fackelzug und Höhenfeuerwerk am Sonntagabend.
Vereine bilden Erntezug
Den Erntezug bilden Vilkerather Vereine, Nachbarschaften und natürlich die Wagen des Veranstalters „Landwirtschaftliches Casino Vilkerath e.V.“. Der vilkerather Sportverein machte beispielsweise mit dem diesjährigen Wagen Werbung für den zukünftigen Sportrasen, den sich der Verein für die kommenden Jahre erhofft - „München hat die Wiesn, Stuttgart die Wasen und der SCV braucht einen Rasen.“ Die Freiwillige Feuerwehr stellte mit Schaufensterpuppen in traditioneller Feuerwehr-Kleidung eine misslungene Baumfällung nach und beruhigte: „Hat der Holzfäller versagt, steht die Feuerwehr parat.“
Nicht fehlen durfte natürlich die bergische Kaffeetafel, die „Rott aktiv“ in Form von Waffeln, Zwieback und Blechkuchen auf einem Bollerwagen mit sich führte. Die Nachbarschaften von den Hügeln oberhalb von Vilkerath sind besonders eifrig dabei und boten mehr als einen Wagen: Unter dem Motto „Wir Rotter sind des Glückes Schmied“ fuhr eine zweite Gruppe „Alt-Rotter“ eine Wanne voll Glut und eine eigene kleine Schmiede inklusive Werkzeug durch die vilkerather Straßen. Viel hat man sich einfallen lassen dieses Jahr, von der kleinen Schneiderei „Flinke Nadel“ mit Trachten und Nähmaschinen über munter saftigen Rollrasen mümmelnde Kaninchen unterm Apfelbaum bis hin zu „heeß un frisch“ auf dem Festwagen zubereiteten „Rievekuchen“ fand man alles, was man mit Vilkerather Dorfidylle assoziieren kann. Bei so vielen guten Ideen kann man sich auch schnell mal übernehmen, so dass unter den vielen Mottos auch der verschmitzte Satz „Wir feiern mit Radau, unser Wagen ist noch im Bau“ zu finden war – nach den Arbeitstagen war nicht genug Zeit für den Erntewagen geblieben, mitfahren wollte man trotzdem.
Gerti und Herbert Spieler
Botschafter des 141. Erntefestes sind Gerti und Herbert Spieler. Das Ehepaar repräsentierte „gute Ernte und viele fleißige Erntende“ bei Veranstaltungen befreundeter Vereine oder besuchte stellvertretend für alle Beteiligten beispielsweise den Landtagsabgeordneten in Düsseldorf. Herbert Spieler ist nicht nur im Casino aktiv, sondern auch bei der Musikgruppe „Bagpipes Sound of Scotland“, weswegen die Gruppe seinen Ehrenwagen auch eskortierte.
An einer fahrbaren Jagdhütte inklusive eigenem Luderplatz und großem Schild „Was du heute kannst erlegen, brauchst du morgen nicht zu hegen“ eskalierte kurz vor Zugstart noch beinahe ein Streit um die wageneigene Musik. Der Veranstalter hatte mitgebrachte Musik ausdrücklich verboten, schließlich begleiten den Zug sieben Kapellen mit Instrumenten – die Wagengruppe spielte jedoch vor Zugstart eigene Musik und Peter Schwammborn von der Zugleitung diskutierte mit den Nachwuchs-Waidmännern nicht lange. „Wir wollen auch Wagen von auswärts die Möglichkeit geben mitzufahren, aber zu unseren Bedingungen.“ Und eben diesen Bedingungen sei der Wagen in der Vergangenheit nicht nachgekommen. „Andere Wagen akzeptieren, dass wir keine Musik aus Lautsprechern auf den Wagen dulden. Wenn wir das einem Wagen erlauben, beschweren sich natürlich auch die anderen. Da muss man ein Zeichen setzen.“
Wogen geglättet
Die Nachwuchsjäger sehen das Problem nicht ganz ein. Für sie wäre es sinnvoller gewesen, ihren Wagen weiter entfernt von den Kapellen im Zug fahren zu lassen, wo diese die Musik nicht stört. Ein Zug ganz ohne Musik sei für die Jugend auch immer unattraktiver, halten sie gegen. Kurz vor Abfahrt sieht es so aus, als würde man sich nicht einig und der Wagen müsse von der Veranstaltung ausgeschlossen werden. Erst kurz vor Start scheinen die Wogen geglättet, der Wagen darf mit. Diskussionen wird es erst danach geben. „Die sollen auf uns zukommen“, schließt Schwammborn das Thema knapp für sich ab.
Symptomatisch ist die kurze Szene allemal: Das Vilkerather Erntefest ist eines der größten in der Umgebung, nicht zuletzt, weil die Mitglieder des sehr traditionsbewussten Vereins „landwirtschaftliches Casino Vilkerath“ enorm viel Arbeit in den Höhepunkt des Dorfjahres stecken. Solche Konflikte machen deutlich, wie schwierig ein Spagat ist zwischen dieser Traditionsbewahrung und der Öffnung hin zu einer Form, die auch immer wieder junge Leute findet, die sie fortführt.
Mit Begeisterung haben sich die Vilkerather Schüler auf den diesjährigen Erntezug vorbereitet. Gemeinsam mit der offenen Ganztagsschule haben sich rund 100 Kinder, Lehrer und Mitarbeiter mit geschmückten Bollerwagen, Zauberhüten und Ernte- Umhängen auf den Weg gemacht.
Die Kinder strahlten mit der sich immer wieder zeigenden Sonne um die Wette, als sie ihre Früchte unter anderem an die Kinder und Senioren verteilten. Die Erntezwerge und Maulwürfe der Kindertagesstätten gingen allen voran – ein schönes Bild der vielen Vilkerather Kinder vor Ort.
