Großfeuer in OverathKurzschluss zerstörte das Zuhause

Resi Habers (l.) mit Enkel Niklas, Schwiegerenkelin Ina Antweiler sowie den Urenkeln Bastian und Tom (2.v.r.).
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Overath – Den Sonntag des Vilkerather Erntefestes 1964 hat Bäuerin Resi Habers (80) auch nach 50 Jahren nicht vergessen. Sie stand in der Küche, als ihr Mann Ewald sie fragte, ob sie die Milch für den kleinen Rainer – damals gerade ein Jahr alt – habe anbrennen lassen. „Nein, ich koche doch gar keine Milch“, antwortet sie. Ewald geht in den Stall und schaut dort nach, ob dort etwas kokelt. „Und da kamen ihm schon die Funken entgegengeflogen.“
Feueralarm in Overath: Gegen 19.30 Uhr wird das durch einen Kurzschluss im Stall ausgebrochene Feuer auf dem Hof in Warth entdeckt. Die „Bergische Landeszeitung“ schreibt hinterher: „Die sofort alarmierte Overather Feuerwehr rückte, unterstützt durch die Löschzüge von Vilkerath, Heiligenhaus und Steinenbrück in kürzester Zeit mit sechs Fahrzeugen an und nahm den Kampf gegen das tobende Element auf.“
Doch das Feuer greift vom dem gerade renovierten und aufgestockten Stall auf das Wohnhaus über, in dem die junge Familie zusammen mit Resis Eltern Emil und Franziska Gnacke wohnt. Immerhin kann die Feuerwehr Kleidung und Wäsche retten, ebenso das Vieh. Die Kühe haben an diesem Abend des 11. Oktober zum ersten Mal im Stall gestanden. Zum Raub der Flammen wird die unter dem Stalldach gelagerte komplette Heuernte. 100 000 D-Mark, also rund 50 000 Euro, beträgt der Schaden. Die 30-jährige Jungbäuerin und ihr Mann stehen vor einem Trümmerhaufen.
Dabei hat die Familie viel Geld und Zeit in den Hof investiert. Resi Habers kam erst fünf Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg ins Bergische Land. „Mein Vater hatte früher einen Bauernhof bei Lüdenscheid“, berichtet sie. Gesundheitliche Probleme hätten dazu geführt, dass er seinen Hof in Westfalen 1950 verließ und mit seiner Frau und den drei Töchtern auf die sanften Hügel bei Marialinden kam. Bei seiner Umsiedlung war Emil Gnacke schon 55 Jahre alt. Tochter Resi musste sehr viel mitarbeiten: „Ich war der Knecht.“
Resi Habers’ Sohn Rainer , der beim Brand einjährige Sohn, berichtet heute , dass Familie Gnacke 1958 Verstärkung bekommen habe: „Mein Vater Ewald stieß dazu.“ In den folgenden Jahren wurde der Hof komplett renoviert, der Stall aufgestockt – und all die viele Arbeit wurde auf einen Schlag zum Raub der Flammen.
Resi Habers preist heute noch die große Hilfsbereitschaft von damals. Das Vieh kommt bei den Nachbarn unter. Ein Notdach wird errichtet, so dass die Familie weiter auf dem ausgebrannten Gehöft leben kann. Und zum Glück ist die Familie gut versichert – so kann das Leben weitergehen, wenn auch zunächst unter widrigsten Bedingungen, bis das neue Wohnhaus errichtet ist.
Doch hinterlassen die Ereignisse Spuren. „Meinen Nervenzusammenbruch hatte ich, als die größte Belastung vorbei war, in der Kirche von Marialinden“, sagt Resi Habers. Jahrelang ist sie in ärztlicher Behandlung.
Den Bauernhof als Haupterwerbsquelle führt Familie Habers bis 1972 weiter. Da man aber immer weniger von der Landwirtschaft allein leben kann, wechselt Ewald Habers 1972 zur Deutschen Bundesbahn, arbeitet zunächst ein Jahr auf dem Overather Bahnhof. Dann schickt sein Chef ihn auf einen Lehrgang, und mit 42 Jahren wird er noch Bahn-Beamter. 20 Jahre lange arbeitet er im Overather Stellwerk. 1997 stirbt er.
Der Großbrand liegt jetzt genau 50 Jahre zurück. Die junge Bäuerin von damals ist heute eine rüstige Witwe: zweifache Mutter, vierfache Großmutter, zweifache Urgroßmutter. Sohn Rainer sitzt für die CDU im Stadtrat, er und Enkel Niklas sind sogar schon Karnevalsprinz gewesen.
So rüstig ist Resi Habers noch heute, dass das Gespräch mit ihr nicht etwa auf dem Hof stattfindet, auf dem heute vier Generationen gemeinsam leben, sondern dass es am Telefon geführt wird. Resi Habers lässt sich via Handy interviewen. Denn sie ist gerade in Urlaub: auf Busreise in Süddeutschland.
