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Fall am Bensberger AmtsgerichtOveratherin hat Weisungen der Justiz nicht beachtet

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EIn Gerichtssaal. (Symbolbild)

Bergisch Gladbach – Erneut einen leicht verstaubten Aktendeckel aus dem Altbestand des Jugendgerichts zugeklappt hat der neue Bensberger Jugendrichter Ertan Güven. „Links von ihm“, also auf der Anklagebank des Jugendgerichts, saß die mittlerweile knapp 26 Jahre alte Jacqueline, die sich wegen des Vorwurfs verantworten musste, im Jahre 2016 einen Autofahrer aus Kürten fälschlich der sexuellen Belästigung beschuldigt zu haben.

Mit Zustimmung des Staatsanwaltes und der Angeklagten stellte Güven das Jugendgerichtsverfahren gegen die längst dem Jugendalter entwachsene Frau ohne Auflage oder Strafe ein.

Overatherin machte keine Aussage zum Vorwurf

Dass sich das Verfahren derart rekordverdächtig lange hingezogen hatte, dazu hatte Jacqueline (Name geändert) selbst beigetragen, denn unter Güvens Vorgänger im Richteramt hatte sie 2021, also fünf Jahre nach dem Vorfall, bereits einmal vor Gericht gestanden. Damals wie heute äußerte sie sich nicht zu dem Vorwurf, am 23. April 2016 auf der Polizeiwache und am 6. Mai 2016 in einem Anhörungsbogen den Autofahrer falsch bezichtigt zu haben. Dagegen sagte Letzterer im 2021er-Prozess aus, die junge Frau nicht im Intimbereich berührt zu haben.

Am Ende ihres ersten Falschaussage-Prozesses erhielt Jacqueline die Weisung, eine Schuldnerberatung zu machen und eine Erziehungsberatung für ihr damals schon gut einjähriges Baby. Da sie aber weder das eine noch das andere tat, stand sie jetzt erneut vor dem Kadi und musste sich von Richter und Staatsanwalt fragen lassen, warum sie die Weisungen nicht befolgt habe und wie sie eigentlich ihren Tag verbringe. Schuld daran waren laut Jacqueline immer die anderen.

Mutter inzwischen nach Köln gezogen

„Ich schreibe Bewerbungen“, antwortete die mittlerweile von Bergisch Gladbach nach Köln verzogene Mutter, deren Kind inzwischen von Amts wegen bei Pflegeeltern untergebracht worden ist. „Wie viele Bewerbungen waren es im August?“, fragte der Richter nach, „sechs oder sieben“, lautete die Antwort, was Richter Güven angesichts des fortgeschrittenen Monats als nicht eben viel empfand. Im Juli seien es auch deutlich mehr, nämlich 28, gewesen, gab Jacqueline zu bedenken.

Am Ende appellierte der Richter eindringlich an die zwischenzeitlich obdachlose, jetzt aber in einer Wohngemeinschaft lebende junge Frau, sich ihrer Verantwortung zu stellen. Sie habe bereits zahlreiche Hilfsangebote bekommen, sie aber nicht angenommen. Sie müsse aber aktiv werden, und so gut wie aktuell sei die Lage auf dem Arbeitsmarkt lange nicht gewesen. „In quasi jeder Branche werden Leute gesucht.“

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Der Bensberger Richter gab Jacqueline aber auch mit auf den Weg: „Es wird niemand für Sie arbeiten gehen. Das müssen Sie schon selbst tun.“