KircheBrief des Kardinals erntet Empörung

Boudewijn Kavelaars verteilte Zettel mit der Aufschrift „Erfrischend“, angelehnt an den Namen von Pfarrer Frisch.
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Overath – Vor dem Gottesdienst von Pfarrer Hermann-Josef Frisch in St. Rochus in Heiligenhaus verteilte Gemeindemitglied Boudewijn Kavelaars am Sonntagmorgen farbige Zettel mit der Aufschrift „Erfrischend“. Seine kopierten 50 Exemplare fanden innerhalb von fünf Minuten Abnehmer. Zu dem Zeitpunkt wussten die Kirchgänger noch nicht, dass im Anschluss an die Messe eine Verlautbarung von Kardinal Joachim Meisner über eben jenen „erfrischenden“ Pfarrer verlesen werden würde. Eine Stunde später beurteilten sie die Worte des Kardinals mit „Wischi-Waschi“, „Frechheit“ und „Unverschämtheit“. Früher als erwartet hatte sich am Wochenende der Kardinal zu den Vorgängen um Pfarrer Frisch geäußert – doch Ruhe und Frieden hat er mit seinen Worten offensichtlich noch nicht stiften können.
„Wenn es Beschwerden im gottesdienstlichen Bereich gibt, so sind dies grundsätzlich keine Lappalien“, schreibt Meisner. „Deshalb gehört es zu meinen ureigenen Aufgaben als Bischof, diesen Beschwerden sorgfältig auf den Grund zu gehen.“ Dies habe er im Rahmen der Beschwerdeordnung durch zwei getrennte Gespräche mit Pfarrer Frisch und den Kritikern getan. Letztere – bestehend aus etwa einem Dutzend kirchenkonservativ orientierter Gemeindemitglieder – hatten Auslassungen des Pfarrers in der Liturgie beklagt, seinen Gottesdienst mit einem Tonbandgerät aufgezeichnet und den Wortlaut an den Erzbischof gesandt. Mehrere hundert Gemeindemitglieder schrieben daraufhin ebenfalls an den Kardinal und setzten sich für ihren Pfarrer ein. Frisch kündigte an, wenn er weiterhin mit Zwischenrufen und „Bespitzelung“ rechnen müsse, könne er keine Gottesdienste mehr halten und werde ein Sabbatjahr nehmen. In seinem Gespräch mit dem Kardinal hatte dieser ihm einen Ortswechsel nahegelegt.
„Die Aufgabe der Versöhnung“
Meisner fasst das Ergebnis der Gespräche in seinem Brief nur knapp zusammen. Er verlasse sich darauf, dass Frisch die Heilige Messe „entsprechend der kirchlichen Ordnung“ feiere und akzeptiere seinen Entschluss zu einem Sabbatjahr „voll und ganz“. Zu den Kritikern äußert er sich nicht. An die Gemeinde gerichtet schreibt er, auf sie warte jetzt „die Aufgabe der Versöhnung“. Als Unterstützung kündigt er für Oktober einen Gesprächsabend in der Overather Gemeinde an, zu dem er den Leiter der Seelsorge-Abteilung im Erzbistum, Monsignore Ansgar Puff, und einen Mediator entsenden will. Alle interessierten Overather seien eingeladen.
„Wer soll sich denn da versöhnen?“ fragte Gemeindemitglied Renate Burgmer nach dem Gottesdienst. „Wir sind uns doch alle einig.“ Diese Ansicht war eindeutiger Tenor bei allen Grüppchen, die sich vor der Kirche engagiert über das Gehörte austauschten. „Pfarrer Frisch war das Puzzlesteinchen, das uns in der Gemeinde noch fehlte“, sagte Martina Trapp-Mett. Dass die Aktivitäten einer kleinen Gruppe Kritiker, die persönliche Verbindungen zum Erzbischof pflege, dazu geführt habe, dass der Rest der Gemeinde zukünftig auf die Predigten Frischs verzichten müsse, das wollte auf dem Kirchplatz niemand hinnehmen. „Wir ducken uns nicht mehr! Wir lassen uns nicht alles bieten“, sagte Burgmer.„Es wird keine Ruhe geben, bis der Pfarrer wieder im Dienst ist.“ Anderslautende Stimmen waren nicht einzufangen. „Wir sind nicht gespalten“, sagte Martina Trapp-Mett. „Im Gegenteil: der Pfarrverband ist zusammengewachsen.“
Frisch selbst kannte die Verlautbarung vor seinem Gottesdienst noch nicht. „Mir wurde sie nicht zur Verfügung gestellt. Es wurde mir von Köln sogar ausdrücklich verboten“, sagte er. Nach Einsicht in das Exemplar des „Kölner Stadt-Anzeiger“, dem der Pressesprecher des Erzbistums den Text am Samstagabend zukommen ließ, sagte er: „Ich kommentiere das nicht – das hat doch alles keinen Sinn.“ Er bezeichnete gegenüber dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ die Stellungnahme des Kardinals als „einseitig“. Zudem wisse Meisner, dass er, Frisch, im Oktober in China sei. An dem Gespräch zur „Versöhnung“ könne er also nicht teilnehmen. Auch darüber diskutierten die Kirchgänger heftig. „Ohne Frisch ist das doch sinnlos“, sagte Renate Burgmer. Umstehende schlugen einen „Boykott“ vor, andere eine Verschiebung des Termins.
Kardinal Meisners beendet seinen Brief mit den Worten: „Ich rufe Sie jetzt schon dazu auf, diesen Gesprächsabend durch Ihr intensives Gebet vorzubereiten.“ Renate Burgmer will beten. Sie sagt: „Ich bete für die Amtskirche, dass der Heilige Geist auch dort aufgehen wird.“
