KulturVirtuos, berauschend – und auch fordernd

Gina Alice Redlinger gastierte bei den „Busch-Konzerten“ im Immekeppeler Rudolf-Kehrer-Saal.
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Overath – Ein Programm aus Meisterwerken der Romantik – Chopin, Schumann, Liszt und Debussy – hat sich die 18-jährige Erfolgspianistin Gina Alice Redlinger zusammengestellt. Sie wird es im März in der Reihe „Junge Virtuosen“ im Hessischen Rundfunk präsentieren. Vorab und exklusiv war sie damit beim Musikmäzen Dr. Reinhard Niemann in Immekeppel, im Rudolf-Kehrer-Saal, bei den „Busch-Konzerten“ zu Gast. Mehr als hundert Besucher wurden von der virtuos dargebotenen Musik berauscht.Schon der Auftakt mit den Scherzi Nr. 2 (b-Moll, op. 31) und Nr. 3 (cis-Moll, op.39) von Frédéric Chopin zeigte, zu welcher Intensität und Dynamik die äußerlich zarte Pianistin fähig ist. Sie forderte von sich und den Zuhörern sofort Konzentration und Hingabe. Dabei blieb die Anweisung des Komponisten, das Anfangs-Fragemotiv im Scherzo Nr. 2 überaus gedämpft (sotto voce) vorzutragen, unerfüllt. Man wurde von der Musik mitgerissen, auch wenn es im Vortrag überraschend kurze Pausen gab. Chopins Dramatik um große und kleine Geister, die geritten oder getrippelt kommen, setzte die Pianistin mit der Polonaise As-Dur, op. 53, später im Programm fort.
Zunächst aber folgte das Lebenslust ausstrahlende Stück „L'isle joyeuse“ (glückliche Insel) von Claude Debussy, das wohl populärste Werk des Impressionismus, von dem der Komponist selbst einmal sagte: „Wie ist das schwer zu spielen!“ Virtuos bewältigte Alice Redlinger die technischen Klippen, tupfte Einzeltöne gegen die Triller in lydischer Tonart, bewältigte den Wettkampf der beiden Hände um dieselben Tasten und endete im Bewegungsrausch in fast ekstatischer Hochstimmung. Mit gleicher Virtuosität ging es mit den 17 „Variations sérieuses“, op.54, von Felix Mendelssohn-Bartholdy weiter. Der getragene Beginn wurde bald durch schnelleres Spiel mit angedeuteter Staccato-Technik abgelöst. Unruhe und Bewegung wurden nur in einzelnen Variationen gedämpft. Wunderbar gelang der Pianistin der Kontrast in der 14. Variation zu der sonst herrschenden Dynamik und Aufregung.
Den Ausgleich dazu konnte man in Robert Schumanns „Kinderszenen“, op.15 erwarten. In den 13 Variationen dieses Werkes musste die Pianistin zum Nachdenklichen und Nachfühlenden umsteuern. Dies gelang ihr nur allmählich. Obwohl die überaus bekannte „Träumerei“ noch recht forsch ausfiel, erreichte sie ein gefühlvoll verhallendes Ende mit ersehnter Ruhe, der das Publikum mit Schweigen über die Töne hinaus folgte. In der abschließenden „Ungarischen Rhapsodie“ Nr.2 cis-Moll glänzte dann wieder die dynamische Virtuosität.
Für den lang anhaltenden Schlussapplaus bedankte sich die Künstlerin mit zwei Werken von Franz Liszt, mit der Bearbeitung von Schumanns Lied „Widmung“ (Du bist die Ruh, Du bist der Frieden) und der „Consolation“ Nr.3. Insgesamt hätten dem Konzert längere Pausen zwischen den einzelnen Werken gut getan, auch wenn dann das eine oder andere Stück entfallen wäre. In der dargebotenen Fülle der zweifellos herausragend und auswendig vorgetragenen Werke verlor man zuweilen das eigene Denken und Fühlen.
