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Landwirtschaft in OverathBauernpaar sucht Bauernhof

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Overath – Mit seinem grob gestrickten Pullover und dem Tragetuch, aus dem Töchterchen Hanna (7 Monate) über die Schulter lugt, sieht Adrian Huppertz tatsächlich aus wie der Ökobauer aus dem Bilderbuch. Und genau das zu werden, ist sein Traum, den er mit Ehefrau Verena im Rheinisch-Bergischen Kreis verwirklichen möchte.

„In der Zeitung haben wir im vergangenen Jahr gelesen, dass die Familie Stöcker in Rösrath ihre Bio-Landwirtschaft aufgeben will“, erklärt der gebürtige Freiburger seine Anstrengungen. „Das wäre perfekt gewesen, den Hof zu übernehmen, aber ihre Entscheidung, den Biobau ganz aufzugeben, ist wohl endgültig“, bedauert Adrian Huppertz. Schade, aber eigentlich geht die Suche doch gerade erst los.

Ende 2013 haben sich der 33-jährige Badener und die Bonnerin (31) in Overath niedergelassen – nach ihrem Studium der ökologischen Landwirtschaft, bei dem sie sich kennengelernt hatten. „Uns hat das Bergische Land auf den ersten Blick gut gefallen“, erklärt Verena Huppertz die Entscheidung.

Und das kleine, einfache Anwesen in Vilshoven, nicht weit vom Marialindener Kreisel, ist perfekt für die Pläne der jungen Familie, zu der auch noch das ältere Töchterchen Lilith (3) gehört. Hier ist genug Platz, das Obst und Gemüse zu lagern, das die beiden seit einem knappen Jahr auf Märkten in Hennef, Siegburg und Solingen verkaufen.

Kurz darauf fing die Familie an, Gemüsekisten zu packen: „Und das war schnell ein Renner“, freut sich Adrian Huppertz. Geliefert wird mittlerweile nach Overath, Rösrath, Bensberg, Refrath, Herkenrath, Lohmar und Seelscheid, individuell je nach Frequenz, Menge und Gusto. Das Prinzip ist bekannt, aber hier noch einmal vereinfacht: Vom Onlinemarktstand bestellt man, was man mag, legt selbst fest, wie viel man haben möchte und in welchen Abständen. Geliefert wird jeweils mittwochs. Noch stammt das Obst und Gemüse von ausgesuchten Biohöfen in Much (Rhein-Sieg-Kreis) und Kerpen (Rhein-Erft-Kreis). Doch das soll sich ja möglichst bald ändern. „Wir waren jahrelang auf Wanderschaft“, sagt Huppertz. „Jetzt wollen wir was selber machen.“ Nicht weniger als von Demeter zertifiziert soll der Hof sein, „Kreiswirtschaft“ mit Gärtnerei, Gemüseanbau, Zwischenfruchtanbau und Tierhaltung ist das Zauberwort. „Ein bis zwei Hektar Land dürften für den Anfang reichen“, rechnet der Landwirt. „Egal, ob wir einen aktiven Betrieb übernehmen oder einen neuen auf die grüne Wiese setzen.“

Was treibt junge Menschen an, sich gegen den Strom in das Abenteuer einer solch arbeitsintensiven, ungemütlichen Existenz zu stürzen? In der Stube, beim Tee vor dem Kaminofen, müssen beide schmunzeln. „Es ist genau das, was wir uns immer gewünscht haben, und die Mühen schrecken uns nicht, wir kennen ja die Arbeit“, versichert Verena Huppertz: „Wir wissen, dass das Bedürfnis der Verbraucher nach authentischen Lebensmitteln weiter steigt.“

Ohne große Werbung ist ihr Kundenstamm schnell gewachsen – was auch an der kontaktfreudigen Aura der Familie liegt, die sich mit Energie und Überzeugung in ihr neues Leben in der bergischen Provinz stürzt. „Kita und Schulen, auch die sozialen Kontakte: Wir sind hier sehr herzlich aufgenommen worden“, lobt Verena Huppertz ihre Nachbarn zwischen Rhein-Berg und Rhein-Sieg. Die Stadt ist weit weg und kein Sehnsuchtsort für das Ehepaar Huppertz.

Adrian singt mittlerweile im Honrather Chor „La voce“ und fühlt sich bereits als Teil der Gemeinschaft – was auch der Hofsuche dienlich ist. „Es ist ein gutes Gefühl, dass die Leute uns helfen“, so empfindet es Adrian Huppertz. „Es wird sich bestimmt etwas ergeben.“