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OrganspendeOverather ist „dankbar für ein sehr großes Geschenk“

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Über das Thema Organspende (Bild o.: eine Nierentransplantation) sprachen (unten, v.l.) Patient Stefan Gewalt, Moderator Markus Harmann, Spendervater Werner Reuter und Arzt Bernd Salz).

Overath – „Die Dankbarkeit, die ich zeigen kann, besteht darin, dass ich mit dem Geschenk, das mir gemacht wurde, sorgsam umgehe. Es ist ein sehr, sehr großes Geschenk.“ Das Geschenk, über das der frühere Overather Rathausmitarbeiter Stefan Gewalt beim „Talk in Overath“ im Jugendzentrum OJO spricht, ist sein Leben – beziehungsweise die Spenderleber, die dem bis dahin schwerkranken Heiligenhauser in der Essener Uni-Klinik eingepflanzt worden ist und die ihm seine frühere Lebensqualität, seine Fitness und Mobilität, zurückgegeben hat.

Stefan Gewalt ist an diesem Abend einer von drei Gästen auf der Couchgarnitur im Jugendzentrum OJO. Außer ihm sprechen Bernd Salz, Arzt in Engelskirchen und ehemaliger Koordinator für Organspenden, sowie Werner Reuter aus Lohmar-Wahlscheid über das Thema Organspende. Werner Reuter hat seinen Sohn im Krankenhaus sterben sehen müssen. Und sich dabei jäh mit der Frage nach der vom Sohn per Spenderausweis befürworteten Organspende konfrontiert gesehen.

Talkabend zum Thema Organspende

Die drei Männer stehen an diesem Abend dem Journalisten Markus Harmann Rede und Antwort, der den schon zum elften Mal vom Kulturausschuss im Pfarrgemeinderat des Pfarrverbandes Overath veranstalteten Abend moderiert. Ihre Beiträge zeigen die Vielschichtigkeit des Themas. Denn es gibt nicht allein die Interessen der Organempfänger, denen wie Familienvater Stefan Gewalt das Weitererleben ermöglicht wird.

Durchführung eine Nierentransplantation.

Wie gehen die Hinterbliebenen der verstorbenen Spender mit der Situation um? Was ist es für eine unglaubliche, aber unvermeidliche Zumutung, wenn man im Angesicht des Todes eines geliebten Menschen sehr, sehr schnell über die Zustimmung zur Transplantation entscheiden muss? Reuter wollte damals, dass seinem im Studentenalter verstorbenen Kind nicht mehr als zwei Organe entnommen würden. „Heute würde ich das anders entscheiden“, die Beschränkung nicht vornehmen.

Mediziner Salz wiederum hat sich jahrelang dem Stress ausgesetzt, als einer von bundesweit nur etwa 50 Koordinatoren Tag und Nacht bereit stehen zu müssen, weil es nach dem Hirntod eines Menschen alles sehr schnell gehen muss mit Entnahme und Einpflanzung in einen neuen Körper. Nach zwölf Jahren wurde es ihm zu viel: Er bekam einen Burnout, zog sich aus dem Metier zurück.

Unterdurchschnittliche Spendenbereitschaft

Stefan Gewalt schließlich litt an einer seltenen Krankheit, die dazu führte, dass die Gallensäfte mehr und mehr die Leber angriffen. Seine Chance, ein Transplantationsorgan zu erhalten, schien angesichts der in Deutschland im europäischen Vergleich sehr unterdurchschnittlich ausgeprägten Spendenbereitschaft minimal; andere Fälle erschienen nach einer ausgetüftelten Punkteskala dringender. Alle paar Monate musste er in die Essener Uniklinik, um sich aufpäppeln zulassen. Bis dann eines Abends um 23 Uhr der Anruf kam, ob er zur Transplantation bereit sei. Er war es, und er ließ sich noch am gleichen Abend nach Essen fahren.

Um vier Uhr morgens begann die OP, sie dauerte fünf Stunden. „Es war der Start in ein neues Leben“, sagt er rückblickend über den Tag im Februar 2018. Nach Essen in die Klinik fuhr ihn damals seine Ex-Frau, und als er aus der Narkose aufwachte, wartete seine neue Partnerin an seinem Bett auf der Intensivstation. „An Symbolträchtigkeit war das nicht zu überbieten“, sagt er.