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Achtung, Verwechslungsgefahr!US-Tourist im Postillon: „Bergheim? Nie wieder!“

4 min
Auf dem Foto steht ein Mann mit verschränkten Armen vor einem Ortsschild der Stadt Bergheim.

Da darf jeder rein, nach Bergheim: Travis Lee aber fühlt sich um ein Party-Erlebnis gebracht.

Er war auf der Suche nach flackernden Lichtern, lauter Musik und Ekstase . . . im Berghain. Doch wo landete Travis Lee? Am Aachener Tor!

Manchmal sind es nur wenige veränderte Buchstaben, die einem Wort eine andere Bedeutung verleihen können. Manchmal kann es einem akustischen Problem geschuldet sein, dass jemand etwas anderes hört als das, was ein anderer ausgesprochen hat. Sei es, weil dieser nuschelt (mit oder ohne die Beigabe von Alkohol) oder dass es so laut oder so windig ist, dass das Gehörte dem Gesagten zwar ähnelt, ihm aber nicht entspricht.

Es kann aber auch sein, dass sich die Kollegen bei einem Satire-Onlineportal einfach einen Spaß machen. So geschehen unlängst, als der „Postillon“ den scheinbar wahrhaftigen Bericht eines US-amerikanischen Touristen veröffentlichte, der mit großen Erwartungen das „legendäre“ Bergheim besucht hatte und danach rundweg enttäuscht gewesen ist. Was jedoch nicht daran lag, dass er sich vom Souvenirangebot zwischen Rathaus und Aachener Tor enttäuscht gezeigt hätte oder er zu wenige Burgerläden vorgefunden hätte.

Ich sag mal so: Wenn jeder problemlos reinkommt, dann ist das halt auch überhaupt nicht exklusiv
Travis Lee

„Das ach so berühmte Bergheim war ein totaler Reinfall“, heißt es laut Postillon im Blog von Travis Lee (21) aus Kansas. „Keine Ahnung, was da alle so toll finden. Für mich war das nichts.“ 

Schon das Reinkommen habe sich als Enttäuschung entpuppt:  „Niemanden hat interessiert, wie alt ich bin oder wie ich gekleidet bin. Da war kein Türsteher. Nix. Nur ein Schild, auf dem ‚Bergheim‘ stand. Ich sag mal so: Wenn jeder problemlos reinkommt, dann ist das halt auch überhaupt nicht exklusiv.“

Dröges Kleinstadt-Flair, Leute, die in ganz normaler Alltagskleidung ihren Hund spazieren führen. Lust zum Tanzen kam da jedenfalls nicht auf
Travis Lee

Entsprechend banal sei das Bergheim-Erlebnis des US-Studenten dann auch gewesen. „Was soll das sein? Keine laute Musik, keine Lichtanlage. Mir wurden keine Drogen angeboten“, zitiert der Postillon aus dem angeblichen Blog des Reisenden. Und weiter: „Einen Darkroom habe ich auch nicht gefunden. Stattdessen: Dröges Kleinstadt-Flair, Leute, die in ganz normaler Alltagskleidung ihren Hund spazieren führen. Lust zum Tanzen kam da jedenfalls nicht auf.“

Ohne Zweifel: Was Travis Lee da beschreibt, klingt ganz und gar nach Bergheim. Und weil er offenbar etwas gänzlich anderes erwartet als das was er vorgefunden hatte, lautete sein vernichtendes Fazit: „Bergheim? Nie wieder!“ Zumal er dann feststellen musste, dass der von ihm gesuchte Szeneclub mit der lauten Musik und den Drogen sich angeblich in Berlin befinde. Doch Travis Lee musste nach eigenen Angaben von seinem Hostel aus über sieben Stunden mit dem öffentlichen Nahverkehr fahren, bis er in Bergheim war.

Das Aachener Tor ist das Wahrzeichen der Stadt Bergheim. Es wurde im Mittelalter gebaut und war auch Folterkammer und Gefängnis.

Das Aachener Tor ist das Wahrzeichen der Stadt Bergheim. Es wurde im Mittelalter gebaut und war auch Folterkammer und Gefängnis.

Tja, so kann es dann wohl gehen, wenn die Buchstaben in einem Wort Achterbahn fahren oder eben ein Wort so ähnlich klingt wie ein anderes. Dann findet man sich eben in „Bergheim“ und nicht im „Berghain“ wieder – jenem Nachtclub im Berliner Ortsteil Friedrichshain. Dessen Name sich sich aus dem Bezirksnamen Friedrichshain-Kreuzberg ableitet. Das Berghain ist der bekannteste Club in der Bundeshauptstadt und gilt als einer der bekanntesten Techno-Clubs der Welt.

Ja, wenn das so ist: Bergheim hat das Medio! Da tritt demnächst beispielsweise Dennis aus Hürth auf. Das geht weniger in die Beine als ins Zwerchfell. Aber ob es für Travis Lee das Richtige ist?

Menschen stehen zum 20. Jubiläum des Technoclubs Berghain in der Schlange vor dem Gebäude.

Menschen stehen zum 20. Jubiläum des Technoclubs Berghain in der Schlange vor dem Gebäude.

Bei Bergheims Bürgermeister Volker Mießeler – ja, Bergheim! Berghain hat nur einen Türsteher – hat der Postillon-Beitrag für einige Lacher gesorgt. Zumal er ihm häufig mit augenzwinkernden – aber auch dem einen oder anderen aufgeschreckten – Kommentar weitergeleitet worden sei: „Jedenfalls war ich nicht der Einzige, der sich köstlich amüsiert hat.“

Die Aussage darin „Keine Ahnung, was da alle so toll finden“, sage doch alles und impliziere: Alle finden Bergheim toll, bis auf Travis Lee aus Kansas. „Guter Schnitt, finde ich“, sagt Mießeler augenzwinkernd. Und weiter: „Für ihn ist es zwar blöd gelaufen, aber ich bin eigentlich ganz froh, dass ihm keine Drogen angeboten wurden und er keinen Darkroom gefunden hat. Und vielleicht kommt er ja Karneval doch noch mal wieder, da gibt's laute Musik, Lichtanlage, keine Alltagskleidung, und tanzen kann er dann auch ohne Ende.“ 

Übrigens kämpfe er selbst regelmäßig mit der Verwechslungsgefahr, gewährt der Bürgermeister Einblicke: „Sobald ich ‚Bergheim‘ einspreche, schlägt mir die KI hartnäckig ‚Berghain‘ vor.“ 

Wie wär's dann vielleicht mit einer Partnerschaft zwischen Bergheim und Friedrichshain-Kreuzberg?