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Bergheimerin wird 100 Jahre altNoch immer Heimweh nach Köln

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100 Jahre alt wird Maria Wendland aus Bergheim.

Bergheim-Quadrath-Ichendorf – Die Kaiserzeit war gerade drei Jahre vorbei und Deutschland übte sich in der Weimarer Republik erstmals und zunächst vorübergehend in Demokratie, als Maria Wendland, geborene Haas, in der Kölner Südstadt zur Welt kam. Am Sonntag feiert sie nach 100 Lebensjahren ihren runden Geburtstag.

Die Eltern betrieben in Ehrenfeld ein Lebensmittelgeschäft. Und das Geld war knapp. So musste das Mädchen nach dem Schulabschluss in der Ehrenfelder Volksschule Geisselstraße schon früh im elterlichen Betrieb mitarbeiten. Sehr zum Bedauern ihres Rektors, denn der Teenager hatte ausnahmslos Einser auf dem Zeugnis. „Schade, dass du im Laden arbeiten musst“, habe er zum Abschied gesagt, erzählt Maria Wendland.

Geheiratet in Köln-Ehrenfeld

1941 heiratete sie Fritz Wendland in St. Josef in Ehrenfeld. Der Kaufmann kam oft als Handlungsreisender ins elterliche Geschäft, so kamen beide einander näher. Das Paar zog, nachdem die inzwischen zwei elterlichen Läden ausgebombt waren, nach Quadrath-Ichendorf, zunächst an die Köln-Aachener Straße. „Ich bin mit dem Zug oder mit dem Rad täglich nach Ehrenfeld gefahren. Oft mussten wir im Graben neben dem Bahndamm ausharren, bis die Fliegerangriffe vorbei waren“, erinnert sich die Jubilarin.

Ein Foto von 1941, dem Jahr ihrer Hochzeit. Da war Maria Wendland 20 Jahre alt.

Nach dem Krieg fand Maria Wendlands Mann Fritz Arbeit beim Quadrather Unternehmen Schröder und übernahm 1948 mit Peter Schröder – dessen Enkel betreiben heute die Rewe-Richrath-Filialen – die Firma, die Einzelhändler en gros belieferte. Die Jubilarin arbeitete im Unternehmen mit. 1959 zog die Familie in ein Haus am Rauland gegenüber dem bis heute bestehenden Unternehmenssitz.

Bergheimerin hat zwei Kinder, ein Enkel und ein Urenkel

Das Paar hat zwei Kinder, heute gehören ein Enkel und ein Urenkel zur Familie. Als sie 47 Jahre alt war, starb ihr Mann vor 53 Jahren. Seitdem lebt sie mit der Familie der Tochter allein Im Rauland. Geblieben ist das Heimweh nach Köln. Oft fuhr sie zum Shoppen und Bummeln in die Domstadt. „Das war immer meine große Leidenschaft“, sagt sie. Zeit für Urlaub gab es kaum. Gelegentlich ging es an den Tegernsee „und einmal auch nach Rom“, schwärmt die Jubilarin, die bis vor zehn Jahren ihren Haushalt noch selbst geführt hat.

Regelmäßig ging sie zum Schwimmen ins Oleanderbad, radelte, arbeitete im Garten und backte mit Leidenschaft. Noch heute löst sie täglich die Rätsel in der Zeitung und freut sich stets auf eines, bei dem es gilt, aus neun Buchstaben Wörter zu bilden gilt. „Da bekomme ich fast immer die Lösung hin.“ Gern spielt sie zudem mit der Tochter Rummikub. Früher hat sie sich oft ans Klavier gesetzt, hört bis heute gern Operetten und singt oft mit, wenn Enkel oder Tochter Klavier spielen. Zudem legt sie gelegentlich ihre alten Schellack-Platten auf.

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Eine Feier wird es zunächst im Familienkreis geben, später sind Bekannte und Freunde zum Geburtstagskaffee geladen.

„In der Familie gibt es niemanden, der so alt geworden ist. In den Genen kann es nicht liegen. Ich habe nie geraucht oder Alkohol getrunken, mit Maßen gegessen und mich immer viel bewegt, vor allem an der frischen Luft. Über mein Alter und ob ich 100 würde, habe ich bis heute nie nachgedacht.“