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Max Mutzke gibt Benefizkonzert in Hürth„Ich habe immer die Flucht nach vorne gesucht“

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Ein Benefizkonzert gibt Max Mutzke mit der Big Band der Bundeswehr.

  1. Max Mutzke wurde mit dem Titel „Can’t Wait Until Tonight“ berühmt.
  2. Im März spielt der 40-Jährige, der einen Zweitwohnsitz in der Kölner Südstadt hat, mit der Big Band der Bundeswehr für Flutopfer.
  3. Vor seinem Auftritt in Hürth spricht der Sänger und Songwriter über seine Karriere, aber auch seine Kindheit und den Tod seiner Mutter.

Hürth – Mit dem Titel „Can’t Wait Until Tonight“ gewann Max Mutzke 2004 in Köln den Vorentscheid zum Eurovision Song Contest (ESC), damals noch als Schützling von Stefan Raab. Der vielseitige Sänger und Songwriter füllt mit seinem Repertoire aus Pop, Rock und Jazz die Hallen und ist durch Fernsehauftritte bekannt. Der 40-jährige Schwarzwälder, der einen Zweitwohnsitz in der Kölner Südstadt hat, spricht über seine Kindheit, seine Karriere und sein Konzert mit der Big Band der Bundeswehr in Hürth.

Sie spielen ein Benefizkonzert für die Hochwasserhilfe. Wie nah ist Ihnen die Flutkatastrophe gegangen?

Mutzke: Ich war tatsächlich in der Nähe. Wir haben in Köln eine Sendung aufgezeichnet und schon gemerkt, dass das nicht normal war, was gerade passierte. Das war ein Starkregen, wie man das aus dem Sommer kennt, der normalerweise 15 Minuten dauert, aber der hielt einfach den ganzen Tag an. Am nächsten Tag wollten wir in den Urlaub fahren und mussten nach Frankfurt zum Flughafen. Wir sind früh raus und haben schon im Radio gehört, dass die Züge ausfallen. Wir sind mit dem Auto runtergefahren und haben gesehen: Da, wo normalerweise Wiesen und Wälder sind, war alles unter Wasser. Am Urlaubsort sind die Nachrichten eingetrudelt: Dass es so schlimm ist, dass man mit Opfern rechnen muss, dass es ganze Straßenzüge weggeschwemmt hat, dass es Dörfer nicht mehr gibt. Das Gefühl, das man den ganzen Tag schon hatte, hat sich aufsummiert zu einem schlimmen Albtraum.

Viele Künstler stehen nach zwei Jahren Pandemie am Rand ihrer Existenz. Ihnen wird eine unerschütterlich positive Lebenseinstellungen nachgesagt. Wie haben Sie sich den Optimismus bewahrt?

Ich glaube, dass ich in meinem Leben das große Glück hatte, dass wir viele Geschwister waren. Wir hatten ja auch in unserer Kindheit Dinge, mit denen wir kämpfen mussten. Ein Thema, mit dem ich offen umgehe, ist, dass meine Mutter Alkoholikerin war und daran gestorben ist. Ich habe immer die Flucht nach vorne gesucht. Wenn ich mich von einer Situation bedroht gefühlt habe, habe ich mich nicht zurückgezogen, sondern bin raus und habe mich abgelenkt. Ich hatte dadurch einen unglaublich großen Freundeskreis und immer Ideen, was man machen kann. Ich habe mir immer irgendwas gesucht, was mir Spaß gemacht hat.

Swing Rock Pop

Unter dem Titel „Swing Rock Pop“ spielt die Big Band der Bundeswehr unter ihrem Bandleader, Oberstleutnant Timor Oliver Chadik, am Mittwoch, 23. März, ein Benefizkonzert zugunsten der Fluthilfe im Rhein-Erft-Kreis. Das Konzert beginnt um 20 Uhr im Feierabendhaus in Hürth-Knapsack (Industriestraße 300). Stargast an diesem Abend ist der Sänger und Songwriter Max Mutzke.

Organisiert hat das Konzert der Lions-Club Hürth gemeinsam mit dem Lions-Club Voreifel aus Erftstadt. Dorthin sollen die Erlöse fließen. Karten gibt es ab 35 Euro (ermäßigt ab 27 Euro) an den bekannten Vorverkaufsstellen und bei Kölnticket. (aen)

Und was haben Sie in der Pandemie gemacht?

Ich schreibe gerade für den Fischer-Verlag ein Kinderbuch. Ich habe meine TV-Sendung „Lebenslieder“ in der ARD, die ein totaler Zeitfresser ist. Ich kann mich immer mit irgendeiner Sache ablenken, wie auch mit dem Auftritt bei „Last One Laughing“ mit Bully Herbig. Ich bin extrem dankbar, dass das so möglich ist.

Sie treten mit der Big Band der Bundeswehr auf. Wie kam es zu dieser Kooperation?

Ich trete in vielen Konstellation auf, ob das mit großem Orchester ist oder auch nur mit einem Musiker. Ich liebe es, mit der Big Band zu arbeiten, weil man ein Brett von Musikern und Musikerinnen hinter sich stehen hat. Das ist eine Klanggewalt. Es macht unglaublich Spaß, mit einer Big Band zu spielen, weil man sich befeuert. Ich bin stolz darauf, dass mich die Big Band der Bundeswehr eingeladen hat. Das sind wahnsinnig gute Musiker. Ich versuche immer wieder, Benefizkonzerte zu machen. Und das hat sich in dem Fall mit der Geschichte, die ich selbst damit verbinde, total gut angefühlt. Wir haben sofort zugesagt.

Wo sehen Sie denn die musikalischen Schnittmengen?

Meine Musik kommt aus dem R’n’B, Soul und Jazz. Das kann eine Big Band extrem gut umsetzen. Man kann aber eigentlich alles gut in die Big Band holen. Die Leute, die die Arrangements schreiben, verstehen ihr Handwerk. Denen kannst du jede Melodie hinlegen, und die machen was tierisch Gutes daraus. In unserem Fall ist die Schnittmenge sehr groß. Wenn wir live spielen, haben wir schon mal Bläser dabei, das geht in die Richtung.

Wie klingt Max Mutzke in der Big-Band-Version?

Wir spielen keine traditionellen Jazz-Arrangements. Es gibt diese Big-Band-Musik, von der manche sagen, das ist mir zu verstaubt. Das haben wir nicht, weil die Arrangements, die wir spielen, sehr modern sind. Das klingt eher wie ein großer Bläsersatz von einer R’n’B- oder Soulband als wie eine klassische Big Band.

Was erwartet das Publikum beim Konzert in Hürth?

Wir spielen die Songs, die man von mir aus dem Radio kennt, und dann wird es ein paar neue Sachen geben. Es gibt aber auch Stücke, die nicht von mir sind, wie zum Beispiel „Me and Mrs. Jones“. Also, es ist ein total buntes Programm aus klassischen Songs, die man von der Big Band kennt, und neuen, modernen Songs, die in das Big-Band-Arrangement eingearbeitet sind.

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Noch ein Blick in die Glaskugel: Wann wird es wieder unbeschwerte Konzerte geben?

Im Moment müssen wir immer noch Konzerte verschieben. Wir haben ein Engagement für ein großes Konzert, wo die Kings of Leon und andere große Acts spielen sollen, das ist schon wieder im Wanken. Man denkt sich, das kann doch nicht sein. Mittlerweile explodieren die Zahlen der Corona-Infektion täglich, aber in meiner Wahrnehmung ist es zumindest so, dass es sich in den Krankenhäusern nicht dramatisch zuspitzt, so wie man es vielleicht noch vor einem halben Jahr gedacht hätte. Einfach durch die Omega-Variante und weil jetzt doch viele geboostert sind. Ich denke, dass wir im besten Fall im April wieder anfangen können, vernünftig zu planen. Aber mich würde es auch nicht überraschen, wenn es wieder ganz anders läuft.