Zum Abschied überraschten Kolleginnen und Kollegen Michael Mentges in aller Frühe mit lautstarken Glückwünschen und Küsschen.
RuhestandAm letzten Arbeitstag ging für Zusteller Michael Mentges aus Pulheim die Post ab

Der Abschied nach 41 Jahren war für Michael Mentges emotional.
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Es gibt Menschen, die machen ihren Job. Und dann gibt es Michael Mentges. Ein Postzusteller mit Herz, Disziplin, Verständnis und offenen Ohren für alle. Für die Kolleginnen und Kollegen im Zustellstützpunkt Pulheim (ZSP) und all die Pulheimer, denen er so viele Jahre lang Briefe und Päckchen brachte. Wenn der Postmann Michael Mentges klingelte, freuten sich fast alle.
Pulheim: Glückwünsche und Küsschen zum Abschied
Der sportliche 61-Jährige hatte täglich hunderte Päckchen zu tragen, doch das letzte Päckchen war sicherlich das Schwerste. Denn am Samstag war nach der letzten Tour Schluss, der beliebte Postzusteller geht nach 41 Jahren in den wohlverdienten Ruhestand. Als er in aller Frühe wie all die Jahre zuvor das Haus verlassen wollte, fiel er aus allen Wolken.
Draußen standen seine Kolleginnen und Kollegen in einer karnevalsverdächtigen Wagen-Kolonne mit Luftballons, Banner mit seinem Konterfei und bunten Lichterketten. Es gab lautstarke Glückwünsche, Küsschen und auch ein paar Tränen. Besonders bewegt war Jorge Silva.
Er ist ein wahrer Herzensmensch für mich
„Vor fünf Jahren habe ich mit ihm zusammen meine erste Fahrt gemacht“, erinnert er sich gerührt. „Michael Mentges hat mich ausgebildet. Vom ersten Tag an waren wir dicke Freunde, er ist ein wahrer Herzensmensch für mich. Da ist es doch klar, dass wir auch die letzte Fahrt zusammen machen.“
Postzusteller wurde Michael Mentges quasi auf dem zweiten Bildungsweg. Zuerst machte er eine Ausbildung zum Maler und Lackierer. Doch nach der Bundeswehrzeit verschlug ihn das Schicksal zur Post, zunächst nach Köln und anschließend in seine Heimatstadt Pulheim. Jetzt hatte er es nicht mehr weit zum Einsatzort. „Ich könnte sowieso nicht den ganzen Tag am Schreibtisch auf meinem Hintern sitzen“, gesteht er.

Riesen-Überraschung am frühen Morgen - Michael Mentges wurde für seine letzte Tour von einer Wagen-Kolonne seiner Kolleginnen und Kollegen zu Hause abgeholt.
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Die Bewegung an der frischen Luft sei genau sein Ding, und die Begegnung mit den Menschen sowieso. „Vor ein paar Jahren sollten mal die Bezirke neu organisiert werden“, erzählt er und lacht. „Da schrieben einige einen Brief an die Post, sie wollten mich unbedingt behalten.“ Hedwig Kastenholz kann dem nur zustimmen.
„Wir werden ihn sehr vermissen“, gesteht sie, während der Postzusteller ihren Hund streichelt. „Er war immer pünktlich, zuverlässig und ein toller Ansprechpartner.“ Michael Mentges hat in seinem langen Berufsleben einiges erlebt. „Ich habe entlaufene Hunde eingefangen, ein Pferd und einmal sogar einen Einbrecher gefasst“, erinnert er sich. Dreimal sei er von Hunden gebissen worden. „Berufskrankheit bei Postzustellern“, winkt er ab. Auch das Wetter mache ihm wenig aus.
„Nur die Arbeit in der prallen Sonne ist schon etwas anstrengend“, sagt er. Und einmal habe er wegen Glatteis seine Tour abbrechen müssen. Erinnerungen, die bleiben. Im Zustellstützpunkt verabschiedeten sich Mitarbeitende und Vorgesetzte wie Standortleiter Ralf Sorgatz, der die morgendliche Wagen-Kolonne organisiert hatte, und Betriebsleiterin Marie Fourcade von Michael Mentges mit bewegten Worten. Kollegin Melanie Saal nahm ihn herzlich in den Arm.
„Er war von Anfang an mein Post-Papa“, gesteht sie. „Viele von uns hat er ausgebildet, er hat wirklich das Herz am rechten Fleck.“ Der frischgebackene Pensionär hörte das gern. „Ich fühle mich geehrt“, sagte er und wischte sich eine Träne aus dem Auge. Vielleicht macht er bald eine Reise, „möglichst in die Sonne“. Erst einmal will er seine neugewonnene Freiheit genießen. Michael Mentges holt tief Luft und sagt lächelnd: „Das Müssen ist weg. Jetzt kommt nur noch das Können.“

