Die Junge Union träumt von einem neuen „Sommermärchen“. Es sei an der Zeit, dass das Turnier nicht erneut an autoritäre Länder wie Katar und Saudi-Arabien gehe.
Antrag zum BundesparteitagCDU Rhein-Erft will zweites Sommermärchen

Deutsche Fans setzen bei der WM 2006 auf dem Fanfest in Köln zu einer La Ola Welle an.
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Mit Spitzenfußball ist der Rhein-Erft-Kreis wahrlich nicht gesegnet. Die ranghöchsten Herrenteams im Seniorenbereich spielen in der fünftklassigen Mittelrheinliga. Und es deutet nichts darauf hin, dass der TuS Blau-Weiß Königsdorf oder die SpVg Frechen 20 in absehbarer Zeit daran etwas ändern könnten – da verfügen andere Vereine über erheblich bessere finanzielle Mittel. Ganz abgesehen davon, dass ein Spielbetrieb der Frechener Vereine in der Regionalliga an den hohen Auflagen für Sportanlagen scheitern würde.
Daran etwas zu ändern, wäre Aufgabe der Kommunalpolitiker in Frechen. Doch die Christdemokraten im Rhein-Erft-Kreis bei Köln haben Größeres im Sinn: Sie stellen beim Bundesparteitag am 20./21. Februar in Stuttgart (der dortige VfB weiß, wie Spitzenfußball geht) den Antrag, dass sich der Deutsche Fußball-Bund (DFB) für die Ausrichtung der Weltmeisterschaft im Jahr 2042 bewerben möge. Die Bundesregierung solle ein entsprechendes Konzept erarbeiten.
Ich kann mir vorstellen, dass wir uns perspektivisch mit dieser Frage auseinandersetzen und schauen, unter welchen Rahmenbedingungen eine solche Bewerbung überhaupt denkbar ist
In der Begründung des Antrags mit dem Titel „Die Welt zu Gast bei Freunden 2.0“ heißt es: „Angesichts einer Vielzahl an Bewerbungen und Ausrichtungen durch autoritäre Länder wie Katar 2022 und Saudi-Arabien 2034, die die Fußball Weltmeisterschaft nutzen wollen, um ihr Image aufzupolieren und sich als modern und weltoffen zu präsentieren, sollte es gerade für Deutschland ein großes Anliegen sein, als Ausrichtungsland die Werte des Fußballs wie zum Beispiel Fairplay als Rechtsstaat und Demokratie zu vertreten.“
Sowohl bei der WM 2006 wie auch bei der Europameisterschaft 2024 sei es zu kulturellem Austausch und länderübergreifender Freundschaft gekommen, die der Welt ein positiveres Bild von Deutschland vermittelt habe. Die Austragung eines solchen Turniers sei eine Einladung an Fußballfans aus aller Herren Länder, Kultur kennenzulernen und Gastfreundschaft in Deutschland mitzuerleben, sind die Christdemokraten aus dem Rhein-Erft-Kreis überzeugt.

Jennifer Szeyffert ist Vorsitzende der Jungen Union im Rhein-Erft-Kreis.
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Sie wollen bewusst das Motto von 2006 „Die Welt zu Gast bei Freunden“ wiederbeleben. Deutschland habe sich gegenüber der ganzen Welt als offenes, modernes, lebensfrohes und gastfreundliches Land präsentiert. Patriotismus und der positive Umgang mit Deutschland sei für viele Menschen zur neuen Selbstverständlichkeit geworden. Die EM 2024 habe ähnliche Effekte erzielt.
Die CDU Rhein-Erft verweist in ihrem Antrag zudem auf einen wirtschaftlichen Aspekt. So habe die Ausrichtung der EM laut einer Studie ergeben, dass die wirtschaftlichen Erwartungen übertroffen worden seien und für die Wirtschaft eine Gesamtwertschöpfung von rund 7,4 Milliarden Euro entstanden sei. Einen noch höheren Effekt verspricht sich die CDU von einer Fußball-Weltmeisterschaft.

Die Anlage von Frechen 20 genügt den Ansprüchen für höherklassigen Fußball nicht.
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Der Vorstoß zum Antrag geht von der Jungen Union (JU) aus, genauer: vom Brühler Timotheus Krautwig. „Wir waren sofort begeistert von der Idee“, sagt die JU-Vorsitzende Jennifer Szeyffert aus Bergheim. Und auch im CDU-Kreisvorstand sei der Vorstoß auf offene Ohren gestoßen. Szeyffert und ihr Pulheimer Vorstandskollege Gereon Gödderz werden im Februar als Delegierte zum Bundesparteitag nach Stuttgart fahren und ihren Plan für eine Heim-WM verteidigen.
Der DFB verfolgt keine konkrete Pläne, sich um die WM 2042 zu bewerben. Präsident Bernd Neuendorf hatte im November 2025 gesagt, dass er sich grundsätzlich vorstellen könne, „dass wir uns perspektivisch mit dieser Frage auseinandersetzen und schauen, unter welchen Rahmenbedingungen eine solche Bewerbung überhaupt denkbar ist“. Dabei ging es um die WM 2038 oder 2042. Es gebe nur wenige Verbände in der Welt, die die Infrastruktur hätten, um ein solches Turnier mit 48 Mannschaften und den damit einhergehenden Anforderungen zu stemmen.
Kritik an der Vergabe der Turniere an Katar und Saudi-Arabien
Kritik hatte es im Zusammenhang mit der WM 2022 in Katar gegeben. Sie richtete sich vor allem gegen die Verletzung von Menschenrechten. Ähnliche Bedenken gab es angesichts der Vergabe des Turnier an Saudi-Arabien 2034. „Wir müssen mit der Fifa gemeinsam darauf hinwirken, dass sich die Situation in Saudi-Arabien rund um dieses Turnier, insbesondere was Menschenrechts- und Nachhaltigkeitsfragen betrifft, verbessert“, sagte der DFB-Präsident.
16 Jahre sind es noch bis 2042. Da dürften die meisten der Antragsteller aus dem Rhein-Erft-Kreis aus dem JU-Alter herausgewachsen sein. Möglicherweise aber reicht diese Zeitspanne, damit die Fußballklubs in höhere Gefilde als die fünfte Liga vorstoßen. Wäre ja auch schon was, wenn es mit der WM-Bewerbung nicht klappen sollte.
Deutschland war zweimal Gastgeber einer Fußball-Weltmeisterschaft. 1974 holte das Team zum zweiten Mal den Titel. Beim „Sommermärchen“ 2006 musste sich die Nationalmannschaft mit dem dritten Platz begnügen. Was der Stimmung im Land aber kaum Abbruch tat. 2024 kam Deutschland bei der Heim-EM bis ins Viertelfinale, unterlag dort Spanien nach Verlängerung. (jtü)
