Abo

Weniger AnmeldungenDiskussion um Kosten bremst Fahrschulen in Rhein-Erft aus

5 min
Zu sehen sind ein Führerschein, Geldscheine und einen Hinweis auf eine Fahrschule.

Der Führerschein wird immer teurer. Daher möchte Bundesverkehrsminister Schnieder die Fahrschulausbildung reformieren. (Symbolfoto)

Um die Kosten zu senken, hat Bundesverkehrsminister Schnieder Vorschläge gemacht. Fahrlehrer aus dem Kreis verraten, was sie davon halten.

Mitte Oktober vergangenen Jahres kündigte Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) eine Reform der Fahrschulausbildung an. Das Ziel: der Erwerb des Führerscheins soll billiger werden. Zurzeit kostet der Pkw-Führerschein (Klasse B) nach Angaben des Ministeriums im Schnitt 3.400 Euro.

Zu den geplanten Maßnahmen gehören unter anderem, die Pflicht zum Theorieunterricht in Präsenz zu streichen und ihn durch digitale Lernprogramme und -apps zu ersetzen. Außerdem soll das Führen von Schaltfahrzeugen – derzeit sind hier mindestens zehn Fahrstunden und ein Test durch den Fahrlehrer vorgeschrieben – nur noch an einem Fahrsimulator geübt werden. Darüber hinaus ist vorgesehen, die vorgeschriebenen Nacht-, Überland- und Autobahnfahrten teilweise durch ein Training am Simulator zu ersetzen.

Rhein-Erft: Drastisch gesunkene Anmeldezahlen

Mehrere Medien berichteten, dass in der Folge von Schnieders Ankündigung die Anmeldezahlen in den Fahrschulen teils drastisch zurückgegangen seien. So war in einem Medien-Artikel von Einbrüchen von bis zu 70 Prozent und drohender Insolvenz die Rede. Wir haben uns bei Fahrschulen im Rhein-Erft-Kreis umgehört, ob sich Schnieders Ankündigungen auch auf sie auswirken. Außerdem wollten wir wissen, wie sie die geplanten Maßnahmen beurteilen und ob sie diese für geeignet halten, die Führerscheinkosten zu senken.

Die Fahrschulen im Rhein-Erft-Kreis, die wir kontaktiert haben (Boljahn und Dunkel in Erftstadt und Bachl in Kerpen und Bergheim), bestätigen einen Rückgang der Anmeldungen um schätzungsweise zehn bis 30 Prozent nach Schnieders „unbedachten“ Äußerungen. Allerdings vermuten sie, dass sich die Zahlen bald wieder normalisieren werden, da es zum einen noch dauern wird, bis die angekündigten Maßnahmen umgesetzt werden und zum anderen unklar ist, ob sie den gewünschten Effekt haben werden.

Wenig durchdacht

Bei den befragten Fahrschulen im Rhein-Erft-Kreis kostet der Führerschein in der Regel zwischen 2.500 und 3.500 Euro. Petra Boljahn stellt angesichts dieser Kosten die Auffassung infrage, der Führerschein hätte sich in den vergangenen Jahren deutlich verteuert. Berücksichtige man die allgemeinen Preis- und Lohnsteigerungen hätte der Führerschein früher etwa ein Nettomonatsgehalt gekostet und heute immer noch.

Einigkeit besteht bei Petra Boljahn, Leo Bachl und Günter Dunkel darüber, dass die von Schnieder vorgeschlagenen Maßnahmen wenig durchdacht sind und kaum dazu führen werden, den Führerschein spürbar billiger zu machen. Dabei sei man gar nicht gegen Reformen, erklärt Boljahn. Die aktuell gültige Ausbildungsverordnung sei 20 Jahre alt und könne eine Überarbeitung vertragen.

Damit haben wir gute Erfahrungen gemacht
Petra Boljahn, Fahrlehrerin

Und Günter Dunkel erinnert daran, dass bereits die vorherige Bundesregierung eine Ausbildungsreform ausgearbeitet hatte (OFSA 2), die im Februar 2026 herauskommen sollte, aber von der neuen Bundesregierung nicht weiterverfolgt worden ist. Die Anschaffung eines Fahrsimulators kostet etwa 30.000 bis 40.000 Euro. Auch ein entsprechender Raum, in dem der Unterricht daran stattfindet, muss vorhanden sein. Investitionskosten, die vor allem für kleine Fahrschulen erheblich sind.

Eine Stunde am Simulator kostet etwa die Hälfte einer Fahrstunde im Auto. Boljahn nutzt bereits einen Fahrsimulator, aber nicht in der von Schnieder geplanten Weise, sondern die Schüler absolvieren an ihm zunächst sechs Unterrichtsstunden, um die Basics des Fahrens zu üben, bevor es mit dem Auto auf die Straße geht. „Damit haben wir gute Erfahrungen gemacht.“

Ein Fahrschüler übt an einem Fahrsimulator. (Symbolfoto)

Ein Fahrschüler übt an einem Fahrsimulator. (Symbolfoto)

Dagegen halten die drei erfahrenen Fahrlehrer nichts davon, die Schaltwagen- und Sonderfahrten durch Simulatortraining zu ersetzen. „Wie soll ich einem Fahrschüler umweltbewusstes Fahren am Simulator beibringen, früh zu schalten und an die Ampel heranzugleiten?“, fragt zum Beispiel Bachl rhetorisch. Er hält den Ersatz von Sonderfahrten durch Simulatortraining sogar für „lebensgefährlich“ und ergänzt: „Die 27 bis 35 Stunden, die die Fahrschüler normalerweise heute benötigen, bekommt man durch Simulatortraining nicht herunter“.

Für sinnvoll halten alle drei, den auf 1.169 Fragen angewachsenen Katalog für die theoretische Prüfung zu entschlacken und um circa ein Drittel zu kürzen. Der Theorieunterricht könne durch digitale Medien ergänzt werden, ihn ganz ersetzen sollte er nicht. „Die jungen Leute kommen gerne in die Fahrschule“, weist Günter Dunkel auf einen wichtigen sozialen Aspekt des Unterrichts hin. „Der Theorieunterricht ist auch ein Treffpunkt und bietet eine Möglichkeit sich auszutauschen.“

Die Faszination für das Auto und wie das Autofahren funktioniert, findet man heute kaum noch
Leo Bachl, Fahrlehrer

Wie teuer ein Führerschein wird, hängt auch davon ab, wie gut und schnell die Schüler lernen. Und hier haben alle Fahrschulinhaber bemerkt, dass die Voraussetzungen, mit denen die Fahrschüler in den Unterricht starten, im Vergleich zu früher schlechter geworden sind. So hat Petra Boljahn festgestellt, dass die Motivation, den Führerschein zu machen, schwächer geworden ist. Was Leo Bachl bestätigt: „Die Faszination für das Auto und wie das Autofahren funktioniert, findet man heute kaum noch.“

Auch das Gefühl für den Straßenverkehr, das sich die Jugendlichen früher durch das Mitfahren bei den Eltern automatisch angeeignet haben, fehlt heute vielfach, da die Jugendlichen nicht auf den Verkehr achten und darauf, wie die Eltern das Fahrzeug bedienen, sondern während des Mitfahrens auf ihr Handy schauen. „Ich würde die Nutzung des Handys ab 14 Jahren während des Autofahrens verbieten, damit die Jugendlichen wieder Verkehrsbeobachtung lernen“, erklärt Günter Dunkel.

Auch die Fähigkeit, sich länger zu konzentrieren, habe abgenommen. „Wir bauen in einer Doppelfahrstunde immer auch Erholungsphasen ein, Passagen, in denen die Schüler nur gerade ausfahren müssen, weil wir festgestellt haben, dass sie sonst nichts mehr aufnehmen können“, berichtet Boljahn. Leo Bachl hat noch etwas anderes bemerkt.

Die Fahrschüler seien es von der Schule her gewohnt, auswendig zu lernen und übten weniger, Wissen auch anzuwenden. Man könne aber Autofahren nicht auswendig lernen. „Sie müssen sich im Straßenverkehr immer wieder neu orientieren und die verschiedenen Situationen richtig beurteilen. Das fällt jungen Leuten heute schwer.“