Ohne Vorwarnung beendeten vier Mitarbeiter des Ordnungsamts die Feier. Dafür hat unter anderem die stellvertretende Bürgermeisterin kein Verständnis.
Mitten in TanzvorführungOrdnungsamt zieht Wesselinger Karnevalisten den Stecker

Mitten beim Tanz der Postillione kam das Ordnungsamt und zog den Stecker.
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Es war 22.10 Uhr am Freitagabend. Im Festzelt hinter der Gaststäte „Op de Eck“ in Wesseling-Berzdorf lief die Jubiläumsfeier zum 88-jährigen Bestehen der Damen-Karnevalsgesellschaft Löstige Knolleplänzche von 1938 Berzdorf auf Hochtouren.
Auf der Bühne zeigte die Tanzgarde der KG Löstige Postillione ihre Sessionstänze. Dann gingen vier Mitarbeiter des städtischen Ordnungsamts – drei Männer und eine Frau – über die Tanzfläche, umtänzelten dabei die tanzenden Mädchen – und ohne lange zu fackeln zogen sie den Stecker. Schlagartig war die Musik aus – Schicht im Schacht.
Die Ordnungshüter begründeten ihr Vorgehen damit, dass es nach 22 Uhr sei und es keine laute Musik im Zelt mehr geben dürfe.
Am Tag danach ist sie richtig wütend, wenn sie an diese Szene denkt
„Natürlich ist es in Ordnung, wenn das Ordnungsamt mahnt – und dann auch den Strom abdreht“, erklärt die Vorsitzende der Knolleplänzche, Karina Keller am Samstag (14. Februar). Dafür habe sie vollstes Verständnis: „Aber die beiden Vertreter des Ordnungsamtes haben direkt gehandelt“, berichtet sie. Man könne den Tänzerinnen doch nicht einfach die Musik abdrehen. Das gehöre sich nicht. „Sie hätten doch wenigstens warten können, bis die Mädchen ihren Tanz beendet hatten“, meint sie.
Man hätte mit mehr Fingerspitzengefühl in diesen Einsatz gehen müssen
Karina Keller sagt, dass die Veranstaltung in allen Punkten angemeldet und auch genehmigt worden sei, räumt aber ein: „Uns fehlte die Sondergenehmigung für die Musikveranstaltung nach 22 Uhr im Festzelt.“ Die gebe es auch für alle restlichen Karnevalstage nicht – auch nicht für Rosenmontag, wenn in Berzdorf der Zug geht und danach im Festzelt gefeiert wird. Die Gründe dafür sollen nach Karneval intern und mit der Stadt Wesseling geklärt werden.
„Mir tut das Ganze total leid für unsere Knolleplänzche – und für ihre Jubiläumsfeier“, sagt Ortsvorsteher Ralf Daniel. Dabei seien doch alle so froh, dass es die Knolleplänzche noch gibt. 2012 wäre der Verein ja um ein Haar abgewickelt worden. Doch dann habe sich ein neuer Vorstand gefunden, der sich sehr für den Verein und die Brauchtumspflege eingesetzt habe. „Heute stehen die Knolleplänzche wieder ganz gut da – sie haben sogar junge Leute in den Verein aufnehmen können“, berichtet Daniel. Und alle Feste würden ja ehrenamtlich auf die Beine gestellt.

Die stellvertretende Wesselinger Bürgermeisterin Monika Engels-Welter hätte sich mehr Fingerspitzengefühl der Ordnungshüter gewünscht.
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„Man hätte mit mehr Fingerspitzengefühl in diesen Einsatz gehen müssen“, sagt die stellvertretende Bürgermeisterin Monika Engels-Welter. Weil Amtsinhaber Ralph Manzke krank ist, war sie nach Berzdorf gefahren, um den Knolleplänzche zum Jubiläum zu gratulieren und mit ihnen zu feiern. Sie dachte zuerst an einen üblen Scherz, als die vier Ordnungshüter den Stecker mitten im Tanz der Mädchen zogen. Sie hält es für möglich, dass Nachbarn das Ordnungsamt alarmiert haben.
Die Stimmung ließen sich die Knolleplänzche und ihre Gäste allerdings nicht vermiesen. Laut sangen sie ihre Lieder und feierten auch ohne Verstärker noch ein wenig weiter Karneval.

