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Gärten für Notdurft genutztBusbahnhof in Neunkirchen-Seelscheid wird eine Toilettenanlage gefordert

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Der zentrale Busbahnhof am Antoniusplatz in Neunkirchen soll eine WC-Anlage bekommen.

Der zentrale Busbahnhof am Antoniusplatz in Neunkirchen soll eine WC-Anlage bekommen. 

Den Anwohnern des Antoniusplatzes stinkt es. Gärten, Grünflächen und Rabatten würden als öffentliches WC genutzt. Doch eine Lösung könnte teuer werden.

Der Zentrale Busbahnhof in Neunkirchen ist ein stark frequentierter Ort. Hier kreuzen mehrere Omnibus-Linien, machen Busfahrer Pause, steigen Fahrgäste um, hier feiern Karnevalisten. Allein: Es fehlt ein stilles Örtchen.

Anwohner klagen schon seit Jahren über die Nutzung ihrer Vorgärten, der öffentlichen Grünflächen und Rabatten als Bedürfnisanstalt, schilderte CDU-Fraktionsmitglied Timm Kloevekorn im Ausschuss für Umwelt, Wirtschaft und Infrastruktur: „Eine Dame meinte, sie müsse nach Karneval ihren Garten umpflügen.“ Der Ausbau des Antoniusplatzes zur Mobilstation könnte eine Lösung bringen.  

Vorbild könnte die WC-Anlage am Bahnhof in Windeck-Schladern sein

Dabei gibt es allerdings zwei Probleme: Zum einen der finanzielle Aufwand. Mindestens 100.000 Euro müssen laut Gemeindeverwaltung für eine WC-Anlage eingeplant werden, schätzungsweise 50.000 Euro zusätzlich für Fundament und Leitungen, Wasser, Abwasser und Strom.

Die Rhein-Sieg-Verkehrsgesellschaft (RSVG) würde sich an den Kosten beteiligen, erläuterte Rathaus-Mitarbeiter Thomas Maffei in der Sitzung, wenn die Busfahrer eine eigene, mit einem Schlüssel zugängliche Toilettenkabine erhielten.   

Auch die Reinigungskosten würde die RSVG anteilig übernehmen. Peter Schmitz (SPD) bezweifelte die Kostenschätzung. Er kenne Beispiele, wo ähnliche Projekte eine halbe Million Euro verschlangen. Die Verwaltung teilte mit, dass man bereits mit anderen Kommunen im Austausch sei. Die Mobilstation am Bahnhof in Windeck-Schladern sei mit einem WC ausgestattet.   

Das zweite Problem: die Zeitschiene. Eine Mobilstation braucht Planung, Förderanträge, Ausschreibungen, Bauzeit. Die Mindestausstattung mit Anlehnbügeln für Fahrräder und Wetterschutz sei aber schon vorhanden. Auch eine Fahrradmietstation. Das Konzept empfiehlt darüber hinaus Radboxen und E-Ladesäulen, optional sei Carsharing möglich.

Kloevekorn regte an, für das WC-Problem eine Übergangslösung zu schaffen, eventuell einen Toilettenwagen oder einen Container aufzustellen. Für längere Standzeiten bräuchte es dafür aber feste Installationen, hieß es aus der Gemeindeverwaltung. Ein Dixi-Klo habe man schon ausgeschlossen: Diese mobilen Kabinen würden zu häufig beschädigt. 

Könnten nicht die nahen Toiletten der Mensa des Gymnasiums genutzt werden? Diese Idee der SPD wurde bereits ad acta gelegt. Laut RSVG könnten die Busfahrer die Schülertoiletten nicht nutzen, der Kontakt sei ausgeschlossen, heißt es in der Verwaltungsvorlage.  

Neunkirchen-Seelscheid kann mit 90 Prozent Förderung rechnen

Erstmal wird das Thema eine weitere Runde drehen. Für eine Entscheidung fehlt noch ein Umsetzungs- und Finanzierungskonzept. Der Ausschuss votierte einstimmig dafür, dass die Verwaltung ein solches erarbeitet und vorlegt. Der größte Brocken dürfte dabei die WC-Anlage sein. Für die Mobilstation ohne Toiletten kann Neunkirchen-Seelscheid mit 90-prozentiger Förderung vom Zweckverband Go.Rheinland rechnen. 

Die Anwohner werden voraussichtlich noch einige Zeit weiter mit der Belästigung leben müssen. Zumindest vor Karneval muss ihnen aber nicht groß bange sein: In diesem Jahr, so wurde in der Sitzung verkündet, werde die IG Rosenmontag mobile Toiletten am Antoniusplatz aufstellen.