Wer mit Gas heizt, muss mit steigenden Kosten rechnen. Der Bildungscampus der Gemeinde soll deshalb vom Netz gehen. Doch was ist die Alternative?
EnergieBildungscampus Neunkirchen-Seelscheid wird vom Gas abgeklemmt

Der Bildungscampus mit Gesamtschule und Grundschule in Neunkirchen soll vom Gasnetz gehen. Die Weichen sind gestellt. (Archivbild)
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Immer häufiger werden alte Gasheizungen durch Wärmepumpen ersetzt. Doch diese Technik eignet sich nicht für alle Zwecke. Der Bildungscampus Neunkirchen mit seinen Schulen, Sporthallen, Mehrzweckhalle, Selbstlernzentrum, Mensagebäude, dem geplanten Jugendzentrum und dem angrenzenden Rathaus könne nicht mit Erdwärme versorgt werden, erläuterte Stephanie Krämer vom beauftragten Ingenieurbüro im Ausschuss für Umwelt, Wirtschaft und Infrastruktur.
Das Wasserschutzgebiet lasse an dieser Stelle keine tiefen Bohrungen zu. Auch eine Luft/Wasser-Wärmepumpe allein reiche nicht aus, die älteren Gebäude benötigten so hohe Vorlauftemperaturen, dass eine Pumpe nicht effizient arbeiten könne und so der Betrieb unwirtschaftlich würde.
Neunkirchen-Seelscheid kann mit Fördergeld rechnen
Könnte der Bildungscampus stattdessen mit einem Pelletkessel, der Holzhackschnitzel verbrennt, vom Gasnetz gehen? Das scheine auch keine Lösung zu sein, eine solche Anlage brauche zu viel Platz, schilderte die Fachfrau: allein das Lager 60 Quadratmeter, der Kessel zwölf, dazu kämen weitere Technik und Pufferspeicher.
Bleibt eine Kombi-Lösung, mit kleinerem Pelletkessel und -Lager plus Luft/Wasser-Wärmepumpe. Hiermit würden die jährlichen CO₂-Emissionen des Campus um 200 Tonnen beziehungsweise 80 Prozent gesenkt, was die Gemeinde auf dem Weg zur Klimaneutralität einen gehörigen Schritt voranbringen könnte. Bis 2035 will man dieses ehrgeizige Ziel erreichen.
Trotz der vergleichsweise hohen Anfangsinvestition sei diese Variante laut der Experten „wirtschaftlich darstellbar“. Eine Reparatur des Erdgaskessels würde rund 525.000 Euro verschlingen, Pelletkessel plus Wärmepumpe rund 2,5 Millionen, durch eine Förderung könne sich die Belastung der Gemeinde auf etwa 1,9 Millionen Euro verringern.
Neben allgemein steigenden Energiekosten werde vor allem die CO₂-Bepreisung zu Buche schlagen, von aktuell 65 Euro pro Tonne auf 200 Euro im Jahr 2035 und auf 350 Euro im Jahr 2045 - mehr als das Fünffache. Es bestehe dringender Handlungsbedarf.
Die Botschaft kam an im Ausschuss, der sich einstimmig (bei einer Enthaltung der AfD) für die Kombi-Lösung entschied. Nun soll die Planung vorangetrieben, Förderanträge sollen gestellt und die Haushaltsmittel für die kommenden Jahre bereitgehalten werden. Eine neue Anlage, deren Lebensalter auf etwa 30 Jahre geschätzt wird, könnte sich in durchschnittlich 13 Jahren amortisiert haben.
32 GWG-Mietshäuser in Neunkirchen könnten auch ans Wärmenetz
Schneller ginge es, wenn weitere Gebäude, zum Beispiel die benachbarten 32 Mehrfamilienhäuser der Wohnungsbaugesellschaft GWG, mit ihren 160 Mietwohnungen ans Wärmenetz angeschlossen würden. Diese seien zwar älteren Datums und nicht auf dem besten Sanierungsstand, der Abschied vom Gas lohne sich aber trotzdem. Die Investition läge bei 2,5 Millionen Euro, mit Förderung blieben 1,6 Millionen.
„Eigentlich machen wir den zweiten Schritt vor dem ersten“, sagte Attila Kesces vom Bauamt, denn zunächst müsse die Sanierung in Angriff genommen werden. Das innovative Projekt gewährleiste aber Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen. Das Netz sei auch im Nachgang erweiterbar: Würden besser gedämmte Häuser angeschlossen, könne der Anteil der Wärmepumpenversorgung steigen.
Gesamtschule muss saniert werden
Durch fünf von sechs Flachdächern regnet es immer wieder durch, nicht die einzige Baustelle an der Gesamtschule, das ist dem Gemeinderat seit spätestens Ende 2024 bekannt. Da die Schule etwa die Hälfte des gesamten Energiebedarfs auf dem Bildungscampus verbraucht, soll die Gebäudehülle ganzheitlich energetisch saniert, unter anderem Fenster und Außentüren ausgetauscht und die Photovoltaikanlage erneuert und erweitert werden. Das kostet voraussichtlich knapp 3,5 Millionen Euro.
Basis für die Kostenschätzung ist ein von einem Planungsbüro erstelltes digitales 3D-Modell der Schule, die in mehreren Bauabschnitten errichtet wurde. Der Ausschuss für Gemeindeentwicklung und Ortsplanung beauftragte einstimmig die Verwaltung, noch in diesem Jahr erste Ausschreibungen und bauliche Maßnahmen auf den Weg zu bringen. Für die kommenden Haushaltsjahre müssen die Mittel bereitgestellt und Fördermittel beantragt werden. Die Sanierung wird im laufenden Schulbetrieb erfolgen.

