Das Jugendamt veranstaltet die betreute Feier mit kostenlosen Softdrinks und Pizza in der Halle Meiersheide.
Jecke Party ohne AlkoholIn Hennef feierten mehrere Hundert Jugendliche ausgelassen Karneval

In der Meiersheide feierten Hunderte Jugendliche eine Weiberfastnachtsparty ohne Alkohol.
Copyright: Ralf Rohrmoser-von Glasow
„Und ich will eure Hände sehen!“ DJ Wolle trieb die jungen Jecken in ausgelassene Partylaune. Knapp 1000 Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren waren mit Shuttlebussen zur Halle Meiersheide in Hennef gebracht worden, viele kamen zu Fuß. Das Konzept ging erneut auf, die Menge tanzte zu Karnevalsmusik und erlebte eine gute Zeit.
Pizza, Brezeln und Kamelle gab es ebenso kostenlos wie Softdrinks und alkoholfreie Getränke. Die Hennef-Stiftung der Kreissparkasse sowie die Kinder- und Jugendstiftung hatten den Bärenanteil der Kosten übernommen, die Stadt steuerte lediglich noch 1500 Euro dazu.
Viele Jugendliche kommen schon seit Jahren in die Halle Meiersheide
Gut investiertes Geld, denn es gibt viele Wiederholungstäter. Tora etwa, 15 Jahre jung, war zum dritten Mal dabei: „Es macht Spaß, es läuft gute Musik. Es gibt viele Probleme, wenn Alkohol dabei ist, da ist das hier schon gut. “

In der Meiersheide feierten Hunderte Jugendliche eine Weiberfastnachtsparty ohne Alkohol. Dreierlei alkoholfreie Cocktails gab es kostenlos.
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Die Jugendlichen zeigen den Erwachsenen, wie Spaß auch ohne Alkohol geht.
Sie darf noch zweimal kommen, bevor sie zu alt ist. Nico nicht mehr, der 17-Jährige war zum zweiten Mal dabei: „Das ist eine tolle Sache , schöne Stimmung ganz ohne Alkohol. Es ist prima, dass alles so friedlich läuft.“ Das traf genau die Idee, mit der die Leiterin des Amtes für Kinder, Jugend und Familie, Miriam Overath, mit insgesamt 22 Mitarbeiterinnen und - mitarbeitern an den Start ging: „Die Jugendlichen zeigen den Erwachsenen, wie Spaß auch ohne Alkohol geht.“
Sie hat gleich zwei Neuerungen eingeführt. Mit dem Jungen Parlament gab es einen Preis für das beste Einzel- und das beste Gruppenkostüm. Timo war als Juror unterwegs: „Ich suche nach den herausstechenden Dingen, die nicht jedes Jahr dabei sind.“ Die Chill-Out-Area im Foyer war erstmals pädagogisch betreut, dazu gab es Hinweise auf Beratung zu Cannabis-Konsum.

In der Meiersheide feierten Hunderte Jugendliche eine Weiberfastnachtsparty ohne Alkohol.
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Rettungsdienst und Feuerwehr waren dabei, die Polizei machte mal einen Abstecher. Sie war genau zu dem Zeitpunkt vor Ort, als ein Feueralarm ausgelöst wurde. Innerhalb von weniger als drei Minuten war die Halle geräumt, enorm diszipliniert gingen die Feierwütigen ins Freie und warteten trotz niedriger Temperaturen und teils sehr luftiger Kostüme geduldig ab, was passierte.

Nach einer guten Stunde musste die Halle wegen eines einlaufenden Brandmelders geräumt werden, es gab aber kein Feuer.
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Schnell war der Rauchmelder gefunden, der ausgelöst hatte. Er war über der Bühne angebracht und hatte reagiert, als Nebel aufstieg, obwohl er eigentlich abgeschaltet sein sollte. So blieb es beim Abenteuer, die Feuerwehr ließ die Jugendlichen zügig wieder hineinströmen, damit sie sich nicht erkälteten.
Der Stimmung tat das überhaupt keinen Abbruch. DJ Wolle erklärte kurz, was los war, und schon gingen die „partypeople“ wieder steil. Es war schon erstaunlich, wie textsicher auch Teenies bei den Karnevalshits sind. Zwischendurch heizte der DJ ordentlich ein, ließ die Menge einen großen Kreis bilden und dann wieder zusammenströmen. Im Vorfeld hatten die Jugendlichen ihre Musikwünsche einreichen können.
Die Leute sind sozialig.
„Ich finde die Verkleidungen schön und das Essen und Trinken“, berichtete die 16 Jahre alte Yeliz. „Die Leute sind sozialig“, erfand sie ein neues Wort fürs Miteinander, „wir können hier auch Freundschaften finden.“ Ihre Freundin Aysu, ebenfalls 16 Jahre alt, wünschte sich: „Das soll auf jeden Fall jedes Jahr stattfinden.“
Der Rettungsdienst hatte wenig zu tun. Drei Angetrunkene wurden betreut und von den Eltern abgeholt, ansonsten gab es eine Panikattacke und natürlich Liebeskummer.
Die Jüngeren mussten nicht zu Hause bleiben. Im Kinder- und Jugendhaus „Key“ gab es eine Party für Sechs- bis 13-Jährige. Rund 200 Kinder nutzten das Angebot mit Disco, Buffet, Schminken und viel Rumgesause durchs Haus.
Null Promille, dafür aber umso mehr Stimmung, war auch die Devise im Kulturcafé an der Siegburger Ringstraße, in dem Schotten, Aliens, Gangster, Ritter und eineges an eher schwer definierbaren Fantasiegestalten feierte. Der Keller war fest in der Hand der Jecken ab elf Jahren, eingeladen hatten das evangelische Jugendwerk und die Kreisstadt.
Im Eintrittspreis von 2,50 Euro waren alkoholfreie Cocktails, Softdrinks, Hotdogs und Knabbereien enthalten; auf dem Programm stand der Besuch des Tanzcorps der Ehrengarde sowie des Siegburger Prinzen- und Kinderprinzenpaars. Prämiert wurde das beste Kostüm. Die Leiterin des Cafés Sonja Höfer nannte auch einen ernsten Hintergrund des jecken Treibens: „Soziale Gesundheit ist ein großes Thema“, es gehe nicht zuletzt darum, für Kinder und Jugendliche „Orte gegen Einsamkeit“ zu schaffen.

