Zwei Ehrenamtler der Hennefer Feuerwehr berichten, wie sehr sie der Tod zweier Feuerwehrleute bei einem Brand in Sankt Augustin beschäftigt.
Nach Tragödie in Sankt AugustinFeuerwehrleute zweifeln keine Sekunde an ihrem Ehrenamt

Die Hennefer Ehrenamtler Thomas Wiel (l.) und Julius Schmidt erklären, warum sie als Feuerwehrleute ihr Leben riskieren.
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Julius Schmidt und Thomas Wiel sind Feuerwehrleute mit Herz und Seele. „Mein Vater war schon Feuerwehrmann“, sagt der 42 Jahre alte Wiel, Einheitsführer in Stadt Blankenberg und Wachleiter im Zentrum. Der Tod zweier Kameraden in Sankt Augustin-Niederpleis bei einem Brand am Sonntag hat sie beide berührt.
„Ich habe viele Stunden darüber nachgedacht, oft den Tränen nahe. Meine Kinder sagen mir: Papa, komm gesund nach Hause. Es ist ein schockierender Moment für alle“, berichtet Wiel. Der 24 Jahre alte Schmidt war selbst in Niederpleis im Einsatz, mit der Hennefer Drehleiter. „Die Eindrücke nehme ich mit. Es hätte jeden Feuerwehrmann, jede Feuerwehrfrau treffen können. Ich hinterfrage mich selbst noch mehr, und die Gefahr bei jedem Alarm wird mir bewusst.“

Mit der Drehleiter kämpften die Feuerwehrleute beim Brand eines Motorradladens in Sankt Augustin gegen den schwarzen Qualm und die Flammen an. Brand eines Motorradladens in Sankt Augustin auf der Hauptstraße an.
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Über die Jugendfeuerwehr in den aktiven Dienst gekommen
Wiel hat schon seit seiner Zeit bei der Jugendfeuerwehr vor allem die Technik fasziniert. „Es ist interessant, damit umzugehen und Menschen zu retten oder Schaden abzuwenden.“ Seine Motivation hat einen weiteren Aspekt. „Wir leben die Kameradschaft und ich bin in die Familie der Freiwilligen Feuerwehr hineingewachsen.“
Das ist auch ein wichtiger Beweggrund für Schmidt. „Mir sind Kameradschaft und Zusammenhalt wichtig. Wenn ich zurückblicke, erinnere ich mich an viele Lagen, die ich bewältigt habe, egal, wer an meiner Seite gewesen ist. Oder ich sitze nach dem Innenangriff unter Atemschutz erschöpft auf dem Boden, schaue zurück und sehe, was wir geleistet haben.“
Zwar hat er keinen familiären Hintergrund, aber er ist ebenfalls über die Jugendfeuerwehr in den aktiven Dienst gekommen. Heute ist der 24-Jährige bei der Einheit Hennef zuständig für Ausbildung und Übungen.
Wir haben den Weitblick für gefährliche Situationen und wir schaffen das im Team
Keine Sekunde haben sie an ihrer Entscheidung für die Feuerwehr gezweifelt. „Das schreckliche Ereignis motiviert mich nur, die Leute weiter vernünftig auszubilden und so viel Wissen wie möglich weiterzugeben“, argumentiert Wiel, „wir können das, wir haben den Weitblick für gefährliche Situationen und wir schaffen das im Team.“

Der Brandsachverständige begeht das Innere des ausgebrannten Hauses, nachdem Giebel und Front abgetragen wurden.
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Schmidt ergänzt: „Es macht Spaß und wir sind ausgebildet, mit Gefahren umzugehen. Mir ist klar, dass es nicht ganz risikoarm ist. Ich hinterfrage deshalb um so mehr das eigene Handeln.“ Gespannt ist er auf die Aufarbeitung des Einsatzes in Niederpleis, um seine Arbeit künftig noch besser machen zu können. Wiel, als Einheitsführer, denkt jetzt um so mehr darüber nach, wen er als Erstes reinschickt bei einem Gebäudebrand.
Feuerwehren im Rhein-Sieg-Kreis sind fast ausschließlich Freiwillige
Die Feuerwehren im Kreis sind fast ausschließlich Freiwillige. Nur in Siegburg und Troisdorf gibt es hauptamtliche Wachen. „Das wissen leider zu wenige Menschen“, so Wiel. So muss er genau schauen, wer mit im Auto sitzt bei der Anfahrt zu einem Brand oder einem Unfall. Bei den Niederpleisern klaffe jetzt eine tiefe Lücke.
„Ich habe sehr viel Respekt vor den Sankt Augustinern, dass sie wieder in die Einsätze gehen und sie abarbeiten. Das geht nur im Team. Auch wenn wir uns persönlich nicht kennen – wir wissen, dass wir eine große Familie sind.“
Beide erinnern sich an gefährliche Situationen, beide waren bei dem Brand von Munition in einer privaten Garage nahe der Meiersheide. „Ich gehe die Einsätze noch einmal durch, gerade die, wo ich selber nur knapp davon gekommen bin.“ Beim Brand in einer Tiefgarage am Willy-Brandt-Platz zum Beispiel war er als Erster im dichten Rauch. Da hätte es zu einer Durchzündung kommen können.
Wir können Menschen helfen und uns blind aufeinander verlassen
Oder bei einer Rettung mit einem Schlauchboot in der Hochwasser führenden Agger: „Ich weiß nicht, ob ich das heute noch einmal so machen würde.“ Schmidt ist bei einem Unwetter bis zur Brust in einen Pumpenschacht eingetaucht.
Und doch sagen Schmidt und Wiel: „Es ist ein tolles Hobby, wir können Menschen helfen und uns blind aufeinander verlassen.“ Wiel wirbt für das Ehrenamt: „Ich kann nur jedem dazu raten. Wir sehen viel Elend, aber auch viele glückliche Menschen.“ Schmidt verrät: „Mitmachen kostet nix.“ Bringt aber ganz viel.



