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Historische ExponateNach drei Jahren Pause ist das Schmiedemuseum in Lülsdorf wieder geöffnet

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Ein Mann schlägt im Schmiedemuseum Niederkassel-Lülsdorf mit einem Hammer auf einen Amboss, im Hintergrund lodert ein Feuer in einer Esse.

In Lülsdorf hat das Schmiedemuseum an der Uferstraße wieder geöffnet.

Drei Jahre lang blieb die Esse kalt, jetzt loderte im Schmiedemuseum in Niederkassel-Lülsdorf erstmals wieder das Feuer. 

Drei Jahre lang konnte kein Besucher das lodernde Feuer in der Esse bestaunen, das Schlagen der Hämmer, das leise Surren der Transmissionsriemen. Jetzt endlich öffnete das Schmiedemuseum an der Uferstraße 95 in Lülsdorf wieder seine Türen.

Mittendrin fühlte sich Erich Schmitt sichtlich pudelwohl. Der 79 Jahre alte Schmied, ursprünglich aus Insul an der Ahr, führte voller Stolz die Technik inklusive des Transmissionsantriebs und Schmiedestücke vor. 2007 war er schon dabei, als das 1868 entstandene Gebäude entrümpelt wurde.

Der damalige Bürgermeister Walter Esser hatte ihn gebeten, mit dem Bauhof hineinzugehen und zu retten, was noch nach Schmiede aussah. „Wir wollen was daraus machen“, versprach das Stadtoberhaupt dem rührigen Handwerker.

In Niederkassel ist auch ein Pflug aus dem 18. Jahrhundert zu sehen

Andere Aktive kamen dazu, Paul Kranz zum Beispiel, Ausbilder von Peter Dietz, der 2. Vorsitzender des 2009 gegründeten Vereins ist. Kranz besorgte zum Beispiel die Esse, das Feuer, das nicht mehr existierte in den alten Mauern. „Als Lehrling habe ich daran gelernt“, berichtete Dietz erfreut.

Schmitt zeigte den Besuchern den Pflug aus dem 18. Jahrhundert, das Ochsenjoch, das Pferdehamen, das bildschöne Rad eines Karrens, der wohl in einem italienischen Marmorsteinbruch gefahren ist. An allen Stücken ist geschmiedet worden. Die Spitze einer Egge ist so ein Vorzeigebeispiel.

Schmiedemuseum an der Uferstraße

Exponate des Schmiedemuseums in Lülsdorf

Und dann zeigte er auf die großen Holztafeln. „In 18 Schritten vom Flacheisen zum Seepferdchen“ oder „Von der Holzschraube zum Skorpion in 15 Arbeitsschritten“. Sie hängen an den Wänden und stehen auf Werkbänken.

Werner Klick brachte junge Menschen ins Museum nach Niederkassel

Werner Klick hat sie geschaffen. Der 64-Jährige mit Händen wie Suppenteller hat mit Jugendlichen mit hohem Förderbedarf gearbeitet, war leidenschaftlicher Schmied. Er war auf das Lülsdorfer Museum aufmerksam geworden und besuchte es. Als er den Hammer in die Hand nahm, schnauzte Schmitt ihn gleich an, dass er nicht schieben, sondern schlagen solle. Es war der Beginn einer   Freundschaft. Klick brachte junge Menschen nach Lülsdorf und führte, da er eine besondere Begabung für plastische Gestaltung hat, in seine Figuren und die einzelnen Arbeitsschritte ein.

Die nächste Generation ist schon eingestiegen. Bastian Schwarz, Dachdecker aus Niederkassel, ist das jüngste Mitglied im Verein. Er hatte seinen Kollegen Dominik Schräder aus Ruppichteroth mitgebracht. Trotz sengender Hitze draußen standen sie die ganze Zeit am Feuer, bearbeiteten ihre Werkstücke mit den Hämmern, schoben sie wieder zurück in die Glut. Stück für Stück formte sich bei Schwarz aus einem Flacheisen ein Herz heraus.

Schmiedemuseum an der Uferstraße

Trotz der Hitze standen die Vereinsmitglieder am Feuer.

„Ich bin einfach fasziniert, wie die das machen“, staunte die sieben Jahre alte Johanna. „Er lässt das einfach im Feuer drin.“ Gebannt verfolgte sie jeden einzelnen Schritt. Schräder formte gerade aus dem heißen Eisen eine Spitze. Seinen Hammer ließ er alle paar Schläge auf dem Amboss ausschwingen: „Das ist wie eine Mini-Massage im Unterarm.“ Noch sind die beiden Hobbyschmiede, aber vielleicht machen sie es noch zu ihrem Beruf.

Kommunionbänke aus der Uckendorfer Kirche gerettet

Im Vorraum zeigte Geschäftsführer Hans-Peter Ufer stolz die Kommunionbänke aus der Uckendorfer Kirche. „Das ist alles Schmiedearbeit, nichts geschweißt.“ Jemand hatte es aus dem Bauschutt gerettet und hergebracht.

Dieses besondere Ambiente hatte wohl auch die Volkshochschule überzeugt. Zwei bis drei Mal im Jahr gibt es einen vierstündigen Workshop. „Dann zeige ich den Teilnehmern die Grundregeln“, erzählte Schmitt. Noch jeder und jede habe ein eigenes Schmiedestück mitgenommen.