Hauchdünn kann Keramik sein oder massiv, glatt, glänzend oder wie aus Holz geschnitzt. Siegburg zeigt Werke aus Ton und Porzellan - zum Staunen und Schmunzeln.
KeramikpreisSiegburger Stadtmuseum zeigt Werke zum Staunen, Schmunzeln und Nachdenken

Wie aus Holz geschnitzt wirkt dieser Keramikhund von Anne Kückelhaus. Er ist in der Ausstellung zum Internationalen Keramikpreis im Siegburger Stadtmuseum zu sehen.
Copyright: Cordula Orphal
Der Hund sieht aus wie aus Holz geschnitzt - und er scheint zu schweben. Ein Hingucker aus Ton von Anne Kückelhaus, der die Besucher schon an der Schwelle schmunzeln und staunen lässt. Figürliches und Installationen, Gefäße und Abstraktes - die Ausstellung im Stadtmuseum zeigt die Vielfalt des zerbrechlichen Materials.
335 Künstler aus 23 Nationen hatten ihre Werke zum Siegburger Keramikpreis eingereicht, die Jury wählte 70 für die Schau im ersten Stock aus und kürte drei Sieger. Sicherlich kein leichtes Unterfangen, wie Bürgermeister Stefan Rosemann bei der Preisverleihung feststellte.
335 Künstler aus 23 Nationen bewarben sich um den Siegburger Keramikpreis
Er schlug den Bogen zur ruhmreichen Töpfergeschichte der Kreisstadt: Das Siegburger Gold, der weiße Ton, war im Mittelalter begehrt, die Krüge und Schnellen dienten als Tausch- und Zahlungsmittel. Noch heute fänden sich dafür viele Zeugnisse, so in den Gemälden Alter Meister. „Die Tonkunst hat Siegburg auf die Landkarten dieser Welt gesetzt“, sagte Rosemann. „Und heute kommt die Welt nach Siegburg.“
Tatsächlich hatten etliche Keramikkünstler weite Wege nicht gescheut, waren beispielsweise aus Kanada, Israel, Rumänien, Polen und London zur Preisverleihung angereist, wie Museumsleiterin und Jurymitglied Gundula Caspary erzählte.

Den mit 4000 Euro dotierten ersten Preis erhielt der Koreaner Philsoo Heo für "Die Berühung der Unwissenheit".
Copyright: Cordula Orphal
So individuell wie die Schöpfer, so auch ihre Werke, alles Unikate, betonte Caspary, Größe, Form, Farbe, Oberfläche - unterschiedlicher kann Kunst aus einem Stoff kaum wirken. Die jeweilige Botschaft erschließt sich, wie so oft, nicht auf den ersten, und manchmal auch nicht auf den x-ten Blick.
Da hilft ein Blick in den quadratischen, 85 Seiten starken Katalog, in dem allerdings nur die Intention der Preisträger erläutert wird. Wer tiefer eintauchen möchte, der kann dies mit Ines Rother tun. Die Siegburger Keramikerin führt an den Samstagen 21. Februar und 21. März durch die Ausstellung, Beginn jeweils um 15 Uhr. Außerdem gibt es eine Kurzführung anlässlich der europäischen Tage des Kunsthandwerks am Samstag, 11. April, 11 Uhr.

Das Gefäßobjekt von Heidi Hentze aus Dänemark symbolisiert die Bedrohung der Umwelt und erhielt den mit 2000 Euro dotierten zweiten Preis.
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Der erste, mit 4000 Euro dotierte Preis wurde an den Koreaner Philsoo Heo verliehen. Die 66 Zentrimeter hohe Skulptur mit dem Titel „Die Berührung der Unwissenheit“ zeige „die Ambivalenz des Lebens zwischen unterschiedlichen Kulturen und gesellschaftlichen Prägungen um rasanten Wandel der globalisierten Welt“, führte Caspary aus. Aus dem Fundament strecken sich Strünke wie Gliedmaßen empor.
Heidi Hentzes Gefäßobjekt „Mining“ wirkt hingegen überaus zerbrechlich mit seinem weißen, zylinderförmigen Korpus. Wie Pergament lässt das Porzellan das Licht hindurchscheinen auf den Naturstein aus porösem Vulkangestein. Der hängt quasi wie am seidenen Faden, schwebend über dem Gefäßboden. Er drohe die fragilen Eiswände zum Einstürzen zu bringen, so Caspary, ein Sinnbild für den Ressourcenverbrauch. Die Dänin Hentze erhielt den zweiten, mit 2000 Euro dotierten Preis.
Vier Gnome schickte Marianne Wesolowska-Eggimann ins Rennen. Sie gehören zu einer größeren Gruppe der Installation Trust in Progress, sympathisch wirkende Wesen, die für gesellschaftliche Diversität stehen und Merkmale wie Aufrichtigkeit, Schmerz, Mütterlichkeit oder Fruchtbarkeit verkörpern. Die Künstlerin hat die Gruppe auf ein Siegertreppchen gestellt, mehr ein Ausdruck von Fairness als von Konkurrenz: zwei befinden sich oben, zwei auf der Stufe zwei. Der dritte Preis für die in Polen lebende Schweizerin ist mit 1000 Euro dotiert.

Vier von vielen Wesen: Für „Trust in the process“ erhielt die in Polen lebende Schweizerin Marianne Wesolowska-Eggimann den dritten Preis und 1000 Euro.
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Die Ausstellung ist bis einschließlich Sonntag, 12. April, im Siegburger Stadtmuseum, Markt 46, zu sehen. Öffnungszeiten dienstags bis samstags 10 bis 17 Uhr, sonntags von 10 bis 18 Uhr; Eintritt Erwachsene 5 Euro, Kinder und Jugendliche bis 16 Jahren und Büchereiausweisinhaber frei, ermäßigt unter anderem für Schüler und Studenten 3 Euro; jeden ersten Sonntag im Monat ist der Eintritt frei. Montags ist nur der Museumsshop eröffnet (10 bis 17 Uhr). Dort ist der Katalog zur Keramikpreis-Ausstellung erhältlich.

