Eine neue Studie wertet die Daten aus dem Messnetz in der Vulkaneifel aus – und liefert aufschlussreiche Ergebnisse.
Sprunghafte AnstiegeMagma-Aktivität unter Vulkanen in der Eifel zeigt empfindliche Wechselwirkung

Luftaufnahme vom Laacher See in der Eifel. (Archivfoto)
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Seit einigen Jahren läuft in der Eifel das größte seismologische Experiment, das es in Deutschland bisher gegeben hat. Neue Messstationen überwachen Gase und Wasserquellen am Laacher See in Echtzeit. Ziel ist es, die Vulkane und magmatische Aktivität besser zu verstehen. Erste Ergebnisse hat das Deutsche Geoforschungszentrum Potsdam nun in einer neuen Studie veröffentlicht. Die Daten zeigen nicht nur Reaktionen auf Starkregen, Luftdruckänderungen oder ferne Erdbeben, sondern liefern auch klare Hinweise auf Magma- und Fluidbewegungen in der tiefen Erdkruste.
Laut Experten „besonders interessant“: An einzelnen Standorten rund um den Laacher See verändern sich seit 2020 Gaszusammensetzungen und Temperaturen. „Solche Trends könnten auf zunehmende magmatische Aktivität hindeuten“, erklärt Jens Skapski, Betreiber von „Erdbebennews“ und seit 2024 Erdbebenauswerter an der Universität Jena. Die Veränderungen in den Gasen und Temperaturen korrelieren demnach ebenfalls mit niedrigfrequenten Erdbeben, die in großer Tiefe zuletzt mehrmals registriert wurden.
Vulkane in der Eifel: Seismologische Messstationen übertragen in Echtzeit
Im Herbst 2022 haben Forscher des Deutschen Geoforschungszentrums Potsdam in der Vulkaneifel 350 Messstationen aufgestellt. Alle paar Kilometer steht ein Seismometer, der sogar ganz leichte Erschütterungen der Erde misst. Schwache Erdbeben, die 2013 zum ersten Mal erfasst wurden.
Jüngst sei mit seismologischen Methoden ein aktives System unter dem Laacher See nachgewiesen worden, in dem magmatische Fluide aufsteigen. „Eine neue Studie stellt nun ein Messnetz vor, mit dem diese Fluide erstmals dauerhaft und in Echtzeit überwacht werden – und liefert dabei erste aufschlussreiche Ergebnisse“, so Skapski weiter.

Blick auf den Laacher See in der Eifel (Archivfoto).
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Die Daten werden demnach kontinuierlich übertragen, ausgewertet und langfristig archiviert. Ziel sei es, kleinste Veränderungen zu erkennen, die Rückschlüsse auf Prozesse im tiefen Untergrund erlauben könnten, um zukünftige Warnungen vor Vulkanausbrüchen zu ermöglichen.
Immer wieder leichte Erdbeben in der Eifel
In den vergangenen Jahren wurden in der Eifel wiederholt tiefe Erdbeben im niederfrequenten Bereich nachgewiesen. Zuletzt wurde am Laacher See nahe dem Kloster Maria Laach ein sogenannter Erdbeben-Schwarm aufgezeichnet. Innerhalb von 12 Stunden ereigneten sich den Aufzeichnungen zufolge mindestens 92 kleine Erdbeben. Das stärkste erreichte laut Landesamt für Geologie und Bergbau in Rheinland-Pfalz eine Magnitude von 0,9 und war für Menschen also nicht spürbar.
Ein für rund 250.000 Menschen spürbares Erdbeben ereignete sich dann im Oktober 2025 im Landkreis Mayen-Koblenz in der Eifel. Das Beben lag in einer Tiefe von rund zehn Kilometern unter der Erdoberfläche. Es handelte sich um das stärkste Erdbeben in der Osteifel seit April 2023.
Eine zentrale Erkenntnis der bisherigen Messungen ist zunächst beruhigend: Die meisten Parameter zeigen nur sehr geringe jahreszeitliche Schwankungen.
„Solche Signale gelten als Hinweis auf Bewegungen von Fluiden oder Magma in der unteren Erdkruste oder im oberen Mantel“, erklärt Jens Skapski. Oft habe es zudem klare zeitliche Korrelationen zwischen solchen sogenannten „Deep-Low-Frequency“-Erdbeben und Seismizität in der oberen Erdkruste gegeben. „Dies kann ein möglicher Hinweis darauf sein, dass tiefe magmatische Fluide auch bis in die oberste Erdkruste vordringen.“ Genau diese mögliche Kopplung zwischen Tiefe und Oberfläche nimmt die Studie in den Blick.
Der Experte weiter: „Eine zentrale Erkenntnis der bisherigen Messungen ist zunächst beruhigend: Die meisten Parameter zeigen nur sehr geringe jahreszeitliche Schwankungen. Bereits nach zwei bis drei Jahren ließ sich an vielen Stationen eine stabile Grundlinie bestimmen.“
Messungen in der Eifel: Empfindliche Reaktionen auf äußere Ereignisse
Gleichzeitig dokumentiere das Messnetz, wie sensibel einzelne Standorte auf äußere Ereignisse reagieren. „Kurzzeitige Ausschläge lassen sich unter anderem mit Starkregen, schnellen Luftdruckänderungen oder auch mit Erdbeben in Verbindung bringen – selbst dann, wenn diese hunderte oder tausende Kilometer entfernt auftreten“, berichtet Skapski.

Eine Mofette am Laacher See. Gas steigt in Form von Luftblasen auf. Ein Phänomen, das in der Vulkaneifel zu beobachten ist.
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Besonders eindrücklich sei das während der Ahrtal-Flut gewesen. Hier sei es an einer Messstelle zu einem sprunghaften Temperaturanstieg gekommen, der deutlich über das sonst beobachtete Maß hinausging. Auch die Druckwelle des Vulkanausbruchs in Tonga 2022 sowie die großen Türkei-Erdbeben 2023 seien in den Messwerten nachweisbar gewesen.
Aus seismologischer Sicht besonders spannend seien jedoch die langfristigen Trends, die an einigen Stationen beobachtet werden. „Am Elisabethbrunnen etwa zeigen Messungen über mehrere Jahre hinweg einen gleichzeitigen Anstieg von Radonkonzentration, Wassertemperatur und des Helium-Isotopenverhältnisses“, hebt der Experte hervor. Letzteres gelte als wichtiger Indikator für magmatische Anteile im aufsteigenden Gas.
Auch an einer ehemaligen CO₂-Bohrung bei Reginaris seien erhöhte Helium-Isotopenwerte festgestellt worden. „Dies gilt international als mögliches Zeichen für aufsteigendes Magma und wird teils als Frühwarnzeichen für Vulkanausbrüche genutzt“, so Jens Skapski.
„Damit liefert das Projekt eine entscheidende Grundlage für zukünftige Forschung“, fasst der Experte die Studienergebnisse zusammen. Langfristig könnten solche Messnetze helfen, besser zu verstehen, wie Fluidbewegungen, tiefe Erdbeben und vulkanische Systeme miteinander verknüpft sind und welche Signale tatsächlich aus großer Tiefe stammen. Zukünftige vulkanische Aktivitäten könnten besser vorhergesagt werden.

