Hilft der Weltmeister jetzt seinem Ex-Klub?Lukas Podolski: „Beim 1. FC Köln entscheiden zu viele Ahnungslose“

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Lukas Podolski präsentiert die neue Kollektion des 1. FC Köln mit dem Kölner Modelabel Armedangels.

Lukas Podolski im Frühjahr als Testimonial einer FC-Kampagne mit einem Kölner Modelabel

Der Kölner Weltmeister Lukas Podolski macht sich nach dem erneuten Abstieg große Sorgen um den FC und sagt, was sich verändern muss – und ob er dem Klub dabei helfen wird.

Lukas Podolski hatte mit seinem Klub Gornik Zabrze bereits am Freitag gespielt, das 1:1 daheim gegen Niepolomice war wohl nicht das, was sich der schlesische Traditionsklub ausgerechnet hatte. Dennoch läuft es für den Kölner Weltmeister und seinen Verein in ersten polnischen Liga in dieser Saison ziemlich rund. Einen Spieltag vor dem Saisonende ist Zabrze Tabellenvierter.

Beim 1. FC Köln, Podolskis Ex- und Herzensklub, kann dagegen niemand von einer guten Saison sprechen. Vielmehr von einem Desaster. Der Klub ist am Samstag nach der beschämenden 1:4-Niederlage beim Aufsteiger FC Heidenheim zum schon siebten Mal in seiner Vereinsgeschichte abgestiegen. Der 38-Jährige hat am Samstagnachmittag daheim in Kattowitz seinem FC vor dem TV im finalen Saisonspiel die Daumen gedrückt. Und zeigte sich anschließend entsetzt ob des Auftritts seines Heimatvereins, um den er sich ernsthafte Sorgen macht. Im Interview mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ wurde die FC-Legende dann deutlich.

Herr Podolski, wie haben Sie den Auftritt der Mannschaft empfunden?

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Lukas Podolski: Trostlos und erschreckend. So leidenschaftslos, so ohne Feuer, kann man nicht in ein absolutes Endspiel gehen – und dies unabhängig vom Ausgang der Partie von Union Berlin und der Schützenhilfe von Freiburg, die man benötigt hätte. Die Mannschaft stand alleine den Fans gegenüber in der Verpflichtung, in Heidenheim noch einmal alles zu versuchen. Denn die Fans hatten die Mannschaft die ganze Saison über mit totaler Hingabe unterstützt. Aus meiner Zeit als Spieler weiß ich selbst, dass das früher in ähnlichen Situationen auch schon mal ganz anders war.

Dass die Mannschaft dann eine solche Nicht-Leistung gezeigt hat, das geht einfach nicht. Dafür habe nicht nur ich, sondern jeder FC-Fan wenig Verständnis. Natürlich hatte sich ein Abstieg schon seit Wochen abgezeichnet, doch die Konkurrenz hatte den FC ja noch am Leben gelassen. Doch mit ihrem Auftritt in Heidenheim hat die Mannschaft leider viel Kredit verspielt.

Wer sich dafür nicht schämt, der sollte sich fragen, ob er nicht den Beruf verfehlt hat
FC-Legende Lukas Podolski über die Leistung der Kölner Mannschaft beim 1:4 in Heidenheim

Hätten Sie sich nach solch einem Auftritt in einem entscheidenden Spiel geschämt?

Ja, zu 100 Prozent. Noch einmal: Alleine den großartigen Fans gegenüber steht man in der Verantwortung, dass man zumindest alles gibt, alles versucht. Doch das habe ich nicht gesehen, da war überhaupt kein Aufbäumen zu erkennen. Das ärgert mich. Ich fühle da mit den Fans, den Mitarbeitern, denen der Klub am Herzen liegt. Wissen Sie, Verantwortliche, Spieler und Trainer, die kommen und gehen. Aber die Fans, das Herz des 1. FC Köln, die bleiben.

Was sind aus Ihrer Sicht die Gründe für den erneuten Abstieg?

Es gibt da sicherlich nicht den einen Grund. Aber ganz offensichtlich haben die Zusammenstellung des Kaders, die Trainer-Entscheidungen und auch die Außendarstellung des Klubs nicht gepasst. Nur 27 Punkte und nur 28 Tore sprechen wohl für sich. Auch der Trainerwechsel im Januar ist am Ende verpufft. Im Gegensatz zu Mainz, dort ging noch einmal ein Ruck durch den ganzen Verein. Aber es ist für den FC leider nicht der erste, zweite oder dritte Abstieg, sondern der siebte in den vergangenen 26 Jahren. Wir drehen uns da im Kreis. Irgendwie scheint ein Fluch, eine Krankheit über dem FC zu liegen. Das haben dieser Verein mit seinen tollen Fans und die Stadt nicht verdient.

Wie lautet Ihre Prognose für den 1. FC Köln?

Natürlich mache ich mir Sorgen, alles andere wäre ja Realitätsverweigerung. Es ist brutal, jetzt die neue Saison zu planen. Es wird einige Abgänge geben, durch die Transfersperre kam man nicht gegensteuern. Es gibt jetzt großen Frust, manch einer wird erst in den kommenden Tagen richtig realisieren, was da passiert ist. Und es gibt viele Fragen: Bleiben die Verantwortlichen? Sollten und können sie überhaupt bleiben? Der erste Reflex bei vielen wird sein, dass die aktuellen Verantwortlichen wegmüssen. Doch die Frage ist: Wer oder was kommt danach? Wird dadurch alles besser? Dafür gibt es keine Garantie, die kann es auch nicht geben. Man muss in den kommenden Tagen alles genau analysieren und abwägen. Aber klar ist auch: So kann es natürlich nicht weitergehen. Es muss sich etwas verändern.

Gibt es von Ihnen die Bereitschaft, jetzt dem 1. FC Köln zu helfen?

Meine Bereitschaft wäre sicherlich größer, wenn man mich früher mal gewollt und gelassen hätte. Doch in der Vergangenheit war meine Hilfe wenig erwünscht. Ich kann auch nur vermuten, was die Gründe waren: Neid? Missgunst? Die Befürchtung, ich könnte den Verantwortlichen die Sonne nehmen und sie in den Schatten stellen? Ich weiß es nicht.

Aktuell gibt es keinen Kontakt zum Vorstand und auch keine Anfrage oder irgendein Angebot des Vereins, über das ich nachdenken könnte.
Podolski über die Beziehung zum FC-Präsidium

Es kursiert das Gerücht, dass der Vorstand Sie unlängst kontaktiert haben soll und Sie diesem schließlich abgesagt haben. Stimmt das überhaupt?

Nein, da ist überhaupt nichts dran. Aktuell gibt es keinen Kontakt zum Vorstand und auch keine Anfrage oder irgendein Angebot des Vereins, über das ich nachdenken könnte. Darum beschäftige ich mich mit dem Thema auch nicht. Den letzten Kontakt zum Vorstand hatte ich im Trainingslager im vergangenen Sommer, als ich mich rund um das Spiel meines Klubs Gornik Zabrze gegen den FC mit dem Präsidenten Werner Wolf getroffen habe. Positiv ist, dass es zuletzt ein gutes Treffen mit der Geschäftsführung gab. Wir haben uns ausgetauscht und zusammen überlegt, wie man mich zukünftig einbinden könnte. Wir haben noch ein paar weitere Ideen entwickelt, und ich hoffe, dass daraus dann auch gute Ergebnisse entstehen werden.

Gornik Zabrze hat mir jetzt das konkrete Angebot gemacht hat, auch nach meiner aktiven Karriere ab 2025 für den Verein tätig zu sein
Podolski über seinen aktuellen Klub

Ihr Vertrag bei Gornik Zabrze läuft noch bis Juni 2025. Werden Sie diesen erfüllen? Und haben Sie schon Pläne, wie es danach weitergeht?

Ich habe noch großen Spaß, selbst Fußball zu spielen. Ich werde meinen Vertrag erfüllen, die nächste Saison wird dann wahrscheinlich meine letzte als Aktiver sein. Ich liebe es immer noch, Fußballprofi zu sein. Das war schon als Kind immer mein Traum, und ich koste ihn aus, solange ich noch gut mithalten kann. Und das ist der Fall, mit meiner Mannschaft spielen wir übrigens eine gute Saison und sind vor dem letzten Spieltag Vierter.

Meiner Familie und mir gefällt das Leben in Polen. Mir macht es zudem Freude, dem Verein auch außerhalb des Platzes zu helfen. Ich darf durchaus sagen, dass ich dem Klub durch meine Kontakte einige gute Sponsoren besorgt und auch bei Transfers geholfen habe, durch die der Verein Millionen eingenommen hat. Auch in der Außendarstellung hat der Verein sicherlich von mir profitiert. Ich freue mich deshalb, dass mir Gornik jetzt das konkrete Angebot gemacht hat, auch nach meiner aktiven Karriere ab 2025 für den Verein tätig zu sein. In welcher Funktion ist erst einmal nicht so entscheidend, da steht dann ja nur etwas auf der Visitenkarte. Aber der Klub hat mir bereits jetzt die Möglichkeit gegeben, in alle Bereiche reinzuschnuppern und weiter zu lernen. Und das bereitet mir großen Spaß. Aktuell gibt es deshalb kein Interesse von mir, hier meine Zelte abzubrechen. Und vom FC gibt es – wie erwähnt – ja auch nichts richtiges Konkretes.

Ich frage mich schon, wie es beim FC allgemein mit seinen Strukturen und seiner Satzung mal dauerhaft besser werden könnte. Ich sehe das jedenfalls nicht
Podolski über Vereinspolitik

2025 steht bei 1. FC Köln die Wahl eines neuen Vorstands an. Reizt Sie es nicht, Teil eines möglicherweise neuen Präsidiums zu sein?

Noch einmal: Ich mag konkrete Dinge auf dem Tisch liegen haben, dann entscheide ich. Ich schließe zwar grundsätzlich nichts aus, jeder sollte eigentlich wissen, wie mir der 1. FC Köln am Herzen liegt. Aber ich frage mich schon, wie es beim FC allgemein mit seinen Strukturen mal dauerhaft besser werden könnte. Ich sehe das jedenfalls nicht. Beim FC entscheiden einfach zu viele Leute mit. Leute, die keine oder wenig Ahnung vom Profi-Fußball haben. Der Kreis der Entscheidungsträger ist einfach zu groß. Der Mitgliederrat besteht aus 15 Personen, die sich teilweise noch untereinander streiten.

Doch wir Mitglieder müssen uns da auch selbst hinterfragen und stehen ebenfalls in der Verantwortung. Denn wir Mitglieder waren es ja, die erst diesen Mitgliederrat und am Ende auch den Vorstand gewählt haben, den der Mitgliederrat vorgeschlagen hatte. Der FC bräuchte vielmehr einen kleinen Kreis von vielleicht drei, vier Personen, die schnell und effizient kluge Entscheidungen treffen.

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