Leverkusen kassiert kaum noch Gegentore, weil das gesamte Team defensiv denkt.
Bayer 04 so gut wie unter HeynckesDeshalb steht Xabi Alonso auf der Wunschliste der Top-Klubs

Leverkusens Trainer Xabi Alonso steht im Fokus anderer Top-Vereine.
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Vor wenigen Monaten schwankte die öffentliche Meinung zu Xabi Alonso noch sehr. Weltklassespieler – keine Frage. Aber hat der Spanier auch wirklich das Zeug zum Top-Trainer? Denn wie die öffentliche Meinung schwankten auch die Leistungen der Leverkusener Mannschaft zu Beginn seiner ersten Cheftrainerstation.
Einen erfolgreichen Spätwinter und Frühling später sind sich aber alle einig: Xabi hat es auch an der Seitenlinie drauf. Und schon stehen die Interessenten auf der Matte. Tottenham Hotspur soll sich mit einer Verpflichtung beschäftigen. Sogar Real Madrid soll anklopfen. Nach Angaben der „Sport Bild“ ist Alonso die „Wunschlösung“ des Klub-Präsidenten Florentino Perez, sobald der jetzige Trainer Carlo Ancelotti abtreten sollte. Alonsos Vertrag in Leverkusen läuft bis 2024.
Der ehemalige Real-Mittelfeldstar hat aber auch wirklich gewichtige Argumente geliefert, um auf den Listen der großen Klubs nach oben zu rutschen. 17 von 31 Spielen mit der Werkself hat er gewonnen, nur sieben verloren. Mit einem Punkteschnitt von 1,87 liegt er in Leverkusen gleichauf mit Jupp Heynckes. Seit Mitte Februar ist Bayer 04 in Liga und Europa League ungeschlagen, mittlerweile sind es 14 Partien in Serie.
Xabi Alonso lassen die Gerüchte um Real Madrid kalt
Alonso selbst lassen die Gerüchte – zumindest noch – kalt. Er konzentriert sich darauf, diese Saison zu einer unvergesslichen zu machen. „Wir wollen immer mehr, dürfen aber nicht dumm sein“, sagte er nach dem 0:0 bei Union Berlin am Samstag. Nachlässigkeiten dürfen sich nicht einschleichen – so lautet das Motto.
Denn Alonso scheint längst erkannt zu haben, worauf es bei Bayer 04 ankommt. Dass die Mannschaft mit ihren zahlreichen offensiven Qualitäten immer in der Lage ist, ein Tor zu erzielen, war und ist ein offenes Geheimnis. Viel erstaunlicher und wichtiger ist daher die Wandlung der Werkself-Defensive von einem Selbstbedienungsladen zu einer gut gesicherten Festung.
Nur vier Gegentore mussten die Leverkusener in den vergangenen neun Spielen hinnehmen, in keinem Spiel mehr als eins. Selbst Mittelfeld-Virtuose Florian Wirtz kann gar nicht genug bekommen von dieser neuen defensiven Mentalität:„14 Spiele ohne Niederlage sprechen einfach für unsere defensive Stabilität. Das ist bei jedem Spiel bei jedem im Kopf, dass jeder mit nach hinten arbeitet, dass wir in erster Linie kein Tor kassieren, um das Spiel nicht zu verlieren. Dann gab es jetzt viele Spiele, in denen wir unsere Stärken gut ausspielen können.“
Das ist wohl Alonsos größtes Verdienst. Er ist in die Köpfe der Spieler eingedrungen. Mehrere Akteure – zuletzt Robert Andrich – hatten bereits erklärt, dass Alonso eben die Aura eines echten Fußballstars umgibt. Allein deshalb hätten seine Worte Gewicht. Deshalb werden dem Trainer die folgenden Worte seines Offensivjuwels Wirtz wie eine sanfte Melodie vorkommen: „Ich denke, dass wir in den nächsten Spielen wieder auf unsere Basics gucken müssen, die wir auch analysiert haben, als der Trainer neu gekommen ist. Und dann spielen wir die tiefen Räume mit unserer Schnelligkeit aus und wollen die Chancen nutzen.“
Und jetzt hat Alonso sogar noch weitere Optionen. Innenverteidiger Edmond Tapsoba, der im Spiel bei Union Berlin als Sechser aushalf und auch dort überzeugte, könnte nach der Rückkehr von Exequiel Palacios ins Mannschaftstraining wieder in die Dreierkette rücken. Dort machte zwar Odilon Kossounou an der Seite der gesetzten Jonathan Tah und Piero Hincapié einen soliden Job, mit dem spiel- und kopfballstarken Tapsoba ist der Defensivverbund aber vermeintlich noch stärker.
Für die kommenden Gegner, Köln in der Liga am Freitag (5. Mai 2023) und AS Rom am Donnerstag im Europa-League-Halbfinale, sind das nun wirklich keine guten Neuigkeiten.


