Bayer Leverkusen nutzt das „Future Team“-Konzept zur Förderung junger Talente durch Leihverträge und eigene Jugendintegration.
„Future Team“Bayer Leverkusen setzt auf Nachwuchsförderung und Leihmodell

Francis Onyeka geht als Leihspieler von Bayer 04 Leverkusen für den VfL Bochum auf Torejagd
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Wenn es um Vereine mit ungewöhnlich vielen Fußballern im Kader geht, fällt immer ein Name: FC Chelsea. Im Sommer 2024 sorgte der englische Topklub für Schlagzeilen, weil Trainer Enzo Maresca sage und schreibe 43 Spieler zur Verfügung hatte. Legendär ist aber vor allem auch die „Loan Army“ des Klubs aus London. Das Konzept wurde kritisch betrachtet und teilweise gar als moderner Menschenhandel eingestuft.
Zu Beginn des neuen Jahrtausends, als Chelsea vom russischen Unternehmer Roman Abramowitsch gekauft wurde, verpflichtete der Klub über Jahre hinweg eine Reihe Talente, um sie direkt zu verleihen. Entwickelten sie sich gut, wurden sie Teil des Profikaders. Wenn nicht, wurden sie verkauft – nach Wunsch mit Gewinn. Bayer 04 Leverkusen verfolgt mittlerweile ein ähnliches System -mit klarerem Ziel. Intern firmiert es unter dem Namen „Future Team“.
Die Leverkusener Verantwortlichen um Sportgeschäftsführer Simon Rolfes und Kaderplaner Kim Falkenberg wollen dabei nicht Geld scheffeln, sondern – wie der Name schon sagt – hochtalentierte Spieler ausbilden, die in der Zukunft in das Profiteam von Bayer 04 integriert werden, im besten Fall sogar tragende Rollen spielen sollen. Und: Der Plan ist, dieses „Future Team“ über die kommenden Jahre nahezu ausschließlich mit Spielern aus der eigenen Jugend zu bestücken. Derzeit stehen sechs Profis bei Bayer 04 unter Vertrag, die sich per Leihvertrag andernorts mit viel Spielpraxis positiv entwickeln sollen. Drei dieser Akteure verpflichtete Leverkusen im vergangenen Sommer und verlieh sie direkt weiter.
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Bayer Leverkusen: Tim Oermann sammelt Minuten
Tim Oermann (22) gilt als eines der größten deutschen Innenverteidigertalente, spielte für die U 20 und U 21 des DFB und hat für den VfL Bochum in den vergangenen Saisons 49 Mal in der Bundesliga auf dem Platz gestanden. Im Sommer schlug Bayer zu und verlieh ihn sogleich in die erste österreichische Liga, wo er bei Sturm Graz als Stammspieler schon knapp 1400 Einsatzminuten sammelte. Abdoulaye Faye (21) ist ein senegalesischer Innenverteidiger, den Bayer von BK Häcken aus Schweden verpflichtete, um ihn an den französischen Erstligisten FC Lorient zu verleihen. Er etablierte sich direkt als Stammkraft, ehe ihn eine schwere Fußverletzung seit Oktober außer Gefecht setzt. Farid Alfa-Ruprecht (19) kam von der U 21 von Manchester City nach Leverkusen, der offensive Außenbahnspieler ging direkt zum VfL Bochum ins Unterhaus. Seit Trainer Uwe Rösler an der Castroper Straße auf der Bank sitzt, spielt der gebürtige Hamburger immer häufiger.
In Bochum spielt Alfa-Ruprecht mit einem Leverkusener Teamkollegen zusammen: Francis Onyeka (18) gilt als eines der größten Talente, das Bayer 04 zuletzt ausgebildet hat und damit als Paradebeispiel für das „Future Team“. In 14 Zweitligaspielen traf der offensive Mittelfeldspieler bereits sechs Mal, bereitete einen Treffer vor. Ein weiteres Talent aus dem eigenen Stall geht ebenfalls in der Zweiten Liga auf Torejagd: Artem Stepanov (18). Für den „ukrainischen Haaland“, wie er aufgrund seiner optischen Ähnlichkeit mit dem Star von Manchester City getauft wurde, läuft es beim 1. FC Nürnberg aber eher durchwachsen. Unter Trainer Miroslav Klose hatten sich die Leverkusener Bosse eine bessere Entwicklung des Angreifers erhofft. In 14 Einsätzen, acht in der Startelf, kam er bisher nur auf eine Torvorlage. Zudem ist Andrea Natali (17), italienischer U-Nationalverteidiger, an den AZ Alkmaar ausgeliehen, kommt dort in der zweiten Mannschaft zu Einsätzen.
Zu diesen sechs Leihspielern könnten im Januar noch zwei dazukommen. Bereits Ende 2024 verpflichtete Bayer 04 in Issa Traore einen malischen U23-Nationalspieler von Djoliba AC. Nach seinem 18. Geburtstag im November kann der Transfer des Innenverteidigers nun vollzogen werden. Der Plan ist, Traore per Leihe Spielpraxis zu verschaffen. Womöglich ebenfalls im Bundesliga-Unterhaus. Ein anderes Talent, das zuletzt in Pflichtspielen schon auf sich aufmerksam gemacht hatte, soll nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ verliehen werden: Alejo Sarco (19). Der Argentinier wechselte im vergangenen Winter von Vélez Sarsfield zu Bayer 04. Nun wird ein Bundesligist gesucht, der Sarco, der als einer der Lieblingsschüler von Trainer Kasper Hjulmand gilt, Spielpraxis verschafft. Klappen die beiden Geschäfte im Januar, wächst die Zahl der Leverkusener Leihspieler auf sechs an.
Im „Future Team“ ist ein weiterer Jungprofi aufgeführt, dem die Verantwortlichen ebenfalls eine gute Rolle in der Zukunft zutrauen: Kerim Alajbegovic (18). Der gebürtige Kölner, der 2021 vom FC zu Bayer 04 in die Jugend gewechselt war, verließ Leverkusen im vergangenen Sommer für rund zwei Millionen Euro zu Red Bull Salzburg. Dort entwickelte sich der offensive Außenbahnspieler seither prächtig, schoss sechs Tore, bereitete eines vor und feierte auch sein Debüt in der bosnischen A-Nationalmannschaft. „Kerim hat hier eine super Entwicklung hingelegt. Ich glaube nicht, dass das in Leverkusen so schnell geklappt hätte“, sagte Trainer Thomas Letsch dem „Kicker“. Doch Rolfes und Falkenberg haben sich genau für diesen Fall eine Hintertür im Vertragswerk eingebaut. Alajbegovic kann für rund sechs Millionen Euro zurückgeholt werden. Dem Vernehmen nach gilt es als sicher, dass Bayer im kommenden Sommer von dieser Rückkaufklausel Gebrauch machen wird. Dann könnten auch wieder weitere Spieler aus dem eigenen Nachwuchs für Ausleihen verfügbar gemacht werden: Jeremiah Mensah (17) oder Montrell Culbreath (18) gelten als heiße Kandidaten.

