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Deutliche Kritik an der FIFADFB-Präsident Neuendorf schildert „krasse Erfahrung“ bei WM

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Die Podiumsdiskussion mit dem Thema «Was folgt nach Katar?» im Deutschen Sport & Olympia Museum in Köln.

Die Podiumsdiskussion mit dem Thema „Was folgt nach Katar?“ im Deutschen Sport & Olympia Museum in Köln.

Die umstrittene WM in Katar war für den Deutschen Fußball-Bund alles andere als gelungen. Nach dem Aus wurde das Team vom Gastgeber verspottet. Dennoch bleibt der DFB weiter an wichtigen Themen dran.

DFB-Präsident Bernd Neuendorf sieht nach der Weltmeisterschaft in Katar beim Thema Entschädigungszahlungen für die Gastarbeiter auch den deutschen Verband weiter in der Pflicht.

FIFA-Präsident Gianni Infantino habe zugesichert, dass es solche Zahlungen geben solle. „Wir wissen aber nicht genau, wie es funktionieren soll. Das ist jetzt auch Aufgabe von uns, nicht zu sagen, die WM in Katar ist vorbei und unser Blick richtet sich auf andere Großereignisse im Fußball. Das darf hier nicht passieren“, sagte Neuendorf bei einer Podiumsdiskussion mit dem Thema „Was folgt nach Katar?“ im Deutschen Sport & Olympia Museum in Köln.

Bernd Neuendorf nimmt DFB in die Verantwortung

Er betrachte es durchaus als Erfolg von Amnesty International und anderen Menschenrechtsorganisationen, aber „auch von uns, dass sich Infantino überhaupt am Ende des Tages veranlasst sah, diese Dinge anzusprechen. Wir müssen jetzt gucken, werden sie tatsächlich umgesetzt und wie werden sie umgesetzt, da sind wir in der Verantwortung.“

Menschenrechtsorganisationen und Fans hatten vom Fußball-Weltverband FIFA Entschädigungszahlungen in Millionenhöhe für Arbeitsmigranten in Katar gefordert. Für zahlreiche Menschenrechtsverstöße seit der WM-Vergabe im Jahr 2010 müssten mindestens 440 Millionen US-Dollar (etwa 420 Millionen Euro) bereitgestellt werden, hieß es.

Der DFB-Präsident will zukünftig verstärkt mit anderen europäischen Nationalverbänden zusammenarbeiten, um Veränderungen zu bewirken: „Wir müssen international Allianzen bilden“, sagte Neuendorf und blickte selbstkritisch auf die Thematik rund um die „One Love“-Binde bei der Weltmeisterschaft zurück: „Wir hätten das Thema nicht so nah ans Turnier heranlaufen lassen dürfen.“ Stattdessen hätten die beteiligten europäischen Verbände früher auf FIFA-Präsident Infantino zugehen müssen, so Neuendorf.

Von der Vehemenz bei der Androhung von Sanktionen durch die FIFA sei er anschließend überrascht gewesen: „Das war eine krasse Erfahrung - ich hatte bis dahin ja nicht viel mit der FIFA zu tun.“

Neuendorf: FIFA hat die Augen verschlossen

Die massiven Verletzungen der Rechte von Migranten in Katar seien vor der WM-Vergabe bekannt gewesen. Davor habe die FIFA die Augen verschlossen und so unbestreitbar zu Menschenrechtsverstößen beigetragen. Das reiche Emirat wird immer wieder wegen systematischen Menschenrechtsverstößen und Ausbeutung von Migranten kritisiert. Die Regierung weist die Vorwürfe zurück und führt Reformen zugunsten der ausländischen Arbeiter an.

Neuendorf soll am 5. April ins FIFA-Council gewählt werden. Der 61-Jährige ist der einzige Kandidat für den Posten im FIFA-Gremium, der durch den Rückzug des ehemaligen DFB-Spitzenfunktionärs Peter Peters frei wird. Dort wolle er weiter - das müsse der Anspruch Deutschlands sein - politische Dinge wie Menschenrechte in der FIFA platzieren. (dpa/sid)

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